Lot 3
Lesser Ury (Birnbaum/Posen 1861 – 1931 Berlin)
Allee im Tiergarten mit Kutschen. Um 1920
Kohle auf leichtem, gelblichem Schoellershammer-Karton. 51 × 72,8 cm ( 20 ⅛ × 28 ⅝ in.). Unten rechts signiert: L. Ury.
[3464]
Provenienz: Privatsammlung, Berlin / Privatsammlung, Berlin (bis 1996) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Literatur und Abbildung: Auktion Nr. 49. Lesser Ury. Sammlung P., Sammlung T. und anderer Besitz. Berlin, Villa Grisebach Auktionen, 7.6.1996, Kat.-Nr. 158, mit Abbildung
Zwei Jahre nach der deutschen Reichsgründung kommt Lesser Ury erstmals nach Berlin. 1879 bricht er eine kaufmännische Lehre ab, um sich ganz der Malerei zu widmen. Seine Ausbildung erhält er an den namhaften Kunstakademien in Düsseldorf, Paris, Brüssel und München. 1887 kehrt er wieder nach Berlin zurück. Keine Stadt fasziniert ihn so sehr wie diese, weshalb er sich auf Dauer hier niederlässt. So verwundert es kaum, dass er nicht durch seine Landschaftsbilder und Stillleben bekannt wird, sondern mit stimmungsvollen Impressionen aus der Metropole Berlin. Wo andere Maler großstadtmüde die ländliche Idylle suchten, um im Einklang mit der Natur leben und arbeiten zu können, taucht Ury ganz in das nervöse Treiben der Großstadt ein, lässt sich begeistert mitreißen von der Betriebsamkeit auf den Straßen und dem Lärm und Gedränge in Kaffeehäusern, Restaurants und Nachtlokalen. Das rastlose Gewoge ist für den Maler Ausdruck von Vitalität und Lebensfreude, Ausgelassenheit und Zuversicht.
Die großformatige Zeichnung „Allee im Tiergarten mit Kutschen“ vermittelt einen guten Eindruck von Lebendigkeit und Hektik im Herzen Berlins um 1920. Scheinbar endlos führt ein breiter Boulevard in die Ferne, gesäumt von hohen Alleebäumen. Zu beiden Seiten der Straße flanieren Fußgänger, links erkennt man einen Reitpfad, während das Pflaster Kutschen und Automobilen vorbehalten ist. Im Vordergrund steht ein Einspänner quer – ein Hinweis darauf, dass Urys Standpunkt eine Verkehrsinsel mit Halteplatz für Mietkutschen gewesen sein muss. Seine Zeichnung wird hier detailreicher: Eine Frau mit kleinem Hund auf dem Schoß sitzt in der Kutsche und unterhält sich mit zwei Personen, einem Mann und einer Frau. Der Kutscher wiederum hat den Blick nach vorn gerichtet und wartet offenbar auf das Signal zur Abfahrt.
Es existieren in Urys Schaffen zwei weitere Werke des gleichen Motivs aus demselben Jahr: ein Ölgemälde und eine Radierung. Das Gemälde gibt die Szenerie in hellen, fröhlichen Farben wieder. Auf der Radierung ist das Geschehen seitenverkehrt dargestellt. Beide Bilder ähneln unserem Blatt bis ins Detail. Dies darf man als Zeichen interpretieren, dass Ury die Kohlezeichnung als eigenständiges, vollgültiges Werk ansah. Hier hat er den wesentlichen Bildgedanken formuliert und ihn beim Transfer in andere künstlerische Medien nicht mehr verändert.
AF
Lesser Ury (Birnbaum/Poznań 1861 – 1931 Berlin)
Allee im Tiergarten mit Kutschen. Circa 1920
Charcoal on light, yellowish Schoellershammer cardboard. 51 × 72,8 cm ( 20 ⅛ × 28 ⅝ in.). Signed lower right: L. Ury.
[3464]
Provenienz: Private collection, Berlin / Private collection, Berlin (until 1996) / Private collection, North Rhine-Westphalia
Literatur und Abbildung: Auktion Nr. 49. Lesser Ury. Sammlung P., Sammlung T. und anderer Besitz. Berlin, Villa Grisebach Auktionen, 7.6.1996, cat. no. 158, with illustration
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Dessins, aquarelles et pastels
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