Lot 406
Lesser Ury (Birnbaum/Posen 1861 – 1931 Berlin)
„Nächtliche Straßenszene - Berlin“. Um 1925
Kohle auf leichtem Karton. 49,5 × 31,3 cm ( 19 ½ × 12 ⅜ in.). Unten rechts signiert: L. Ury.
Leicht gebräunt. [3535]
Provenienz: Privatsammlung, Israel / Privatsammlung, Norddeutschland
Wie kaum ein zweiter hat Lesser Ury es verstanden, das Großstadtleben in Berlin zu Anfang des 20. Jahrhunderts in prägnanten Bilderfindungen zu erfassen. Auch bei dieser Kohlezeichnung genügt ihm ein flüchtiger Moment, um die Stimmung in der Metropole in den „Golden Twenties“ heraufzubeschwören: Zwei festlich gekleidete Damen steigen aus ihrer Pferdedroschke, das Licht der Straßenlaterne wirft ihre Silhouetten auf den schimmernden, vom Regen noch nassen Asphalt des Gehwegs. Eine der beiden blickt den Betrachter an diesem kühlen Novemberabend direkt und unvermittelt an. Die Atmosphäre hat trotz der Anonymität der Szenerie etwas Intimes. Der Nebelschleier, der die zwei Frauen umhüllt, scheint sie von ihrer Umgebung zu isolieren. In diesem Augenblick gibt es in dieser Stadt nur sie beide und den Fahrer, der stoisch auf dem Kutschbock verharrt – ganz so, als sei der Zeichenstift des Künstlers an diesem Ort zu dieser Zeit das Einzige, was zu ihnen vordringen kann. Die Straßenlaternen spenden gerade so viel Licht, dass man die den Straßenrand säumenden Bäume schemenhaft erkennt. Mit der „Nächtlichen Straßenszene – Berlin“ griff Ury eine Komposition auf, die er bereits 1889 in einem farbigen Pastell verwendet hatte. Durch den Einsatz von Kohle und das dadurch intensivierte Wechselspiel von Hell und Dunkel gelingt es dem Maler hier jedoch, die nächtliche Stimmung so zu verstärken, dass man meint, den kühlen Novemberhauch am eigenen Leib zu spüren. SJ
Wir danken Dr. Sibylle Groß, Berlin, und Dr. Adelheid Rasche, Nürnberg, für freundliche Hinweise.
Lesser Ury (Birnbaum/Poznań 1861 – 1931 Berlin)
"Nächtliche Straßenszene - Berlin". Circa 1925
Charcoal on light cardboard. 49,5 × 31,3 cm ( 19 ½ × 12 ⅜ in.). Signed lower right: L. Ury.
Pale time staining. [3535]
Provenienz: Private Collection, Israel / Private Collection, Northern Germany
We would like to thank Dr. Sibylle Groß, Berlin, and Dr. Adelheid Rasche, Nuremberg, for kindly providing additional information.
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