Lot 65
LIEBERMANN, MAX
Berlin 1847 - 1935
Reitknecht mit Pferd am Strand. 1909(?). Öl auf Holz. 56,2 x 74,2cm. Signiert und datiert (unleserlich) unten rechts: M Liebermann 09 (oder 07). Modellrahmen.
Provenienz:
Privatsammlung (seit ca. 1910)
Privatsammlung Westfalen
Sammlung F. Victor Rolff, Burg Gut Gladbach
Literatur:
Eberle, Matthias: Max Liebermann, 1847-1935 - Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, Bd. II 1900-1935, München 1996, Wvz.-Nr. 1909/17, Abb.
Hier finden sie weitere Informationen zu der Sammlung:
<a href="http://www.van-ham.com/fileadmin/infos/Friedrich" victor rolff - burg gladbach.pdf target="_blank">Friedrich Victor Rolff - Burg Gladbach</a>
Strandszenen sind ein häufiges Motiv im Oeuvre von Max Liebermann. Das Sujet entdeckt er 1871 während seiner ersten Reise durch Holland. Bis 1913 verbringt er nun immer wieder die Sommermonate an der niederländischen Küste. Hier ziehen ihn besonders Scheveningen, Noordwijk, Katwijk und Zandvoort in ihren Bann.
Liebermann wählt nie die Dramatik der See zum Inhalt seiner Strandbilder. Anfangs ist es das Leben der einfachen Leute, wie Bauern oder Netzflicker, die er bei der Arbeit ohne den distanzierten Blick eines Fremden darstellt. Nach der Jahrhundertwende, als er sich zunehmend in den eleganten Badeorten aufhält, zeigt er dann die wohlhabenden Gäste bei ihren modernen Freizeitvergnügungen. Zu diesen zählt das Reiten am Meer. Liebermann, selbst passionierter Reiter, ist fasziniert von diesem Thema. So setzt er sich ab 1900 in etwa 50 Ölstudien und Gemälden mit diesem auseinander. Dabei richtet er sein Augenmerk überwiegend auf die Einheit und Bewegung von Mensch und Tier beim Ritt durch das von den Wellen angespülte, seichte Wasser am Strand.
Wie bei dem vorgestellten Bild malt Liebermann nicht nur Bürgerliche bei ihrem Sport, sondern auch Pferdeknechte - hier allerdings nicht auf dem Rücken eines Tieres als vielmehr am Zügel führend. Auch ergänzt er die Szenerie im Hintergrund rechts mit drei Sommergästen sowie einem Reiter, der sein Pferd bis zur Leibesmitte in die Wellen führt. Der Reiz des Augenblicks mag Liebermann zu dieser Komposition angeregt haben: Mit pastosem Duktus und leuchtenden, hellen Farben schildert er das Gesehene, ohne auf Details (wie etwa Gesichtszüge) näher einzugehen. Dagegen legt er seine Aufmerksamkeit auf die Wiedergabe der die Dinge flirrend umspielenden Luft- und Lichtreflexe. Die Würde von Mensch und Tier hebt er allein mittels ihrer vertikalen Ausrichtung hervor, die einen Kontrast zu den horizontalen Flächen des Himmels, Wassers und Strandes bilden. Auf diese Weise fasst Liebermann eindrucksvoll den atmosphärischen Kontext von Figur und Raum, von Licht und Dynamik in knappster Form zusammen. Es ist also kein Bildnis, sondern die Momentaufnahme einer Bewegung in einer lichtdurchfluteten Landschaft, die er uns hier veranschaulicht.
Den zu sehenden barfüßigen Reitknecht mit braunroter Pluderhose und blauem Hemd hat Liebermann mehrmals dargestellt, so z.B. reitend in dem Gemälde Pferdeknecht am Strand aus demselben Jahr (vgl. Wvz.-Nr. 1909/14).
LIEBERMANN, MAX
Berlin 1847 - 1935
Horsegroom with Horse on the Beach. 1909(?). Oil on wood. 56,2 x 74,2cm. Signed and dated (illegibly) lower right: M Liebermann 09 (or 07). Craftman's frame.
Provenance:
Private collection (since ca. 1910)
Private collection, Westphalia
F. Victor Rolff collection, Gut Gladbach Castle
Literature:
Eberle, Matthias: Max Liebermann, 1847-1935 - Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien,
vol. II 1900-1935, Munich 1996, cat.rais.-no. 1909/17, ill.
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