Lot 204
Louis Eysen (Manchester 1843 – 1899 München) Porträt einer jungen Frau (Ella Thoma?). 1890 Öl auf Leinwand. 69,8 × 49,8 cm ( 27 ½ × 19 ⅝ in.). Unten rechts signiert und datiert. L. Eysen 90. Auf dem Keilrahmen unten ein Aufkleber, mit Feder in Schwarz beschriftet: „Porträt“ Meran. Nicht bei Zimmermann.– [3201] Die Kunst Louis Eysens ist von besonderer Noblesse und Delikatesse. Bis heute ist dieser bedeutende Künstler aus dem engsten Leibl-Kreis nur wenigen Kennern bekannt. Zur Zeit sorgt die Ausstellung einer herausragenden Werkgruppe aus Privatbesitz, die im Museum Wiesbaden in der Schau „Aus dem Neunzehnten“ zu sehen ist, und der begleitende substanzielle Katalogtext von Peter Forster für eine größere Aufmerksamkeit. Zuvor engagierte sich vor allem die Frankfurter Galerie J.P. Schneider, die den Werkkatalog der Zeichnungen von Wilhelm Dieter Vogel verlegte und auch eine Ausstellung „Louis Eysen und Meran“ initierte. Das hier vorgestellte „Portrait einer jungen Frau“ aus dem Jahre 1890 war der Forschung bislang unbekannt – aber es führt alle Vorzüge des Malers anschaulich vor Augen. Er bewegte sich früh im Kreis der subtilen Koloristen Victor Müller und Otto Scholderer, ging 1869 gleichzeitig mit Leibl nach Paris und lernte dort Courbet kennen, diesen für ihn „ersten Maler des Jahrhunderts“. In jener Zeit entsteht das hochsensible und einfühlsame Bildnis Eysens von Leibl, das heute im Städel in Frankfurt hängt. Sein Wesen war wie seine Kunst: vornehm, zurückhaltend, spröde und voller Zweifel. „Das Malen schöner Köpfe ist die denkbar schönste Aufgabe. Daß ich mich, wenn ich überhaupt einen Kopf zustande bringe, so schwer tue, ist mein ewiger Kummer“, so der selbstkritische Künstler. Unser Bildnis aus dem Jahre 1890 beweist das Gegenteil, ohnehin war Eysen ein bedeutender Porträtmaler, im Genre der Zeichnung und in Öl gelangen ihm Bildnisse von größter Empathie und Eindringlichkeit. Gerade nach seiner Übersiedlung nach Meran widmete er sich in den 1880er und 1890er Jahren neben der Landschaft dem Thema des Bildnisses. Unvoreingenommen blickt Eysen auf seine Modelle, sensibel, warmherzig. Dieses mit „Meran 1890“ bezeichnete außergewöhnliche Bildnis konnte bislang noch nicht eindeutig einer Person zugeordnet werden. Auffällig sind die überlängte Darstellung der Arme, der kleine Kopf und die großen Augen, all dies lässt an die Menschenbilder der italienischen Manieristen denken, auch der Stolz der Dame kann sich mit den Damenbildnissen eines Bronzino messen, etwa dessen Dame in Rot aus dem Frankfurter Städel. Der Schwerpunkt des Bildes liegt aber eindeutig auf dem hellen Kleid, es ist mit leichter Unschärfe gemalt, fließend, um das Gesicht noch prägnanter wirken zu lassen. Im Pinselduktus ist das Weiß des Kleides gemalt wie eine der nuancierten Landschaften Eysens, es wirkt kaum wie Stoff, sondern wie eine Winterlandschaft oder das sich kräuselnde Wasser in den Schaumkronen eines Gebirgsbaches bei Meran. Wer ist die Dargestellte, die uns so nobel und neugierig anblickt? Die beiden Schwestern Eysens, Mary und Emma, waren 1890 älter als die Porträtierte. Wilhelm Dieter Vogel weist darauf hin, dass es im Tagebuch von Louis Eysen, das eigentlich erst 1894 beginnt, einige Seiten über die vorangegangenen Jahre gibt, und dort findet sich für 1890 der Hinweis „Ella gemalt“. Da in Eysens Freundes- und Bekanntenkreis keine „Ella“ vorkommt, könnte es sich dabei um die gleichnamige Adoptivtochter von Hans Thoma handeln. Eysen hat Thoma als Mensch und als Künstler hoch verehrt und es ist möglich, dass sich die Familien 1890 in Meran getroffen haben, eine Ähnlichkeit ist unbedingt vorhanden. Im Nachlass Thomas in Oberursel wiederum fand sich neben Fotografien anderer Eysen-Bilder auch eine Abbildung unseres Frauenbildnisses, die ebenfalls die Vermutung nahe legt, dass Thoma zu diesem Bild ein besonderes Verhältnis hatte. Es wäre damit nicht nur in der Malweise, sondern auch in der dargestellten Person ein besonderes Dokument der künstlerischen Nähe und des gegenseitigen Austausches innerhalb des Leibl-Kreises. Florian Illies Wir danken Michael Mohr, Frankfurt, und Wilhelm Dieter Vogel, Frankfurt, für freundliche Hinweise. Louis Eysen (Manchester 1843 – 1899 Munich) Portrait of a Young Woman. 1890 Oil on canvas. 69,8 × 49,8 cm ( 27 ½ × 19 ⅝ in.). Signed and dated lower right. L. Eysen 90. On the bottom stretcher bar a label, inscribed in pen and black ink: „Porträt“ Meran. Not in the catalogue raisonné by Zimmermann.– [3201]
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art du 19e siècle
10719 Berlin - Allemagne
01/06/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0