Lot 5
Lovis Corinth (Tapiau/Ostpreußen 1858 – 1925 Zandvoort)
„GUTSHOF IM WINTER“. 1912
Öl auf Leinwand. 79 x 94 cm ( 31 ⅛ x 37 in.). Unten links signiert, datiert und bezeichnet: LOVIS CORINTH 1912 i/M [in Mecklenburg].
Berend-Corinth/Hernad 550.–
[3277]
Provenienz: Dr. K. Ellstädter, Berlin / Dr. Paul Grünfeld, Berlin (seitdem in Familienbesitz)
Ausstellung: Berliner Secession 1916, Kat.-Nr. 25, m. Abbildung / 32. Ausstellung: Lovis Corinth zum 60. Geburtstag. Berlin, Berliner Secession, 1918, Kat.-Nr. 94 / Corinth-Ausstellung. Einhundertsiebzig Bilder aus Privatbesitz. Berlin, Nationalgalerie, 1923, Kat.-Nr. 94 (datiert „1914“) / Lovis Corinth, Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis. Berlin, Nationalgalerie, 1926, Kat.-Nr. 259 (dort datiert „1914“) / Lovis Corinth. London, Tate Gallery, 1997, außer Katalog (lt. Etikett auf dem Schmuckrahmen)
Das Jahr 1911 war ein Schicksalsjahr für Lovis Corinth. Im Dezember erlitt der 53jährige einen heftigen Schlaganfall. Doch das hielt ihn nicht vom Malen ab, im Gegenteil. Heute sind sich die Kunsthistoriker einig, daß er in der Zeit danach eine bis dahin ungekannte Freiheit im künstlerischen Ausdruck entwickelte.
Der „Gutshof im Winter“ ist eines der ersten Gemälde, die nach dem gesundheitlichen Zusammenbruch entstanden. Die Bäume sind kahl, Schnee ist gefallen. Allerdings ist es offenbar nicht sehr kalt, denn sonst wären die Hühner und Kühe im Stall. Was die Palette betrifft, so hat sich Corinth wie so häufig auf zwei, drei dominante Hauptfarben beschränkt. Auf Rot- und Braun-töne und ein fahles Weiß, das im Vordergrund zu Grau wird. Daß dieses Winterbild dennoch den für Corinth typischen malerischen Glanz ausstrahlt, liegt daran, daß der Künstler in den Dreiklang der Hauptfarben vereinzelt Lichter in Orange, Gelb, Blau und Grün gesetzt hat – so bringt er seine Komposition zum Leuchten.
Beim „Gutshof“ deutet sich bereits an, was Corinth in seinem berühmten expressiven Spätwerk zu höchster Virtuosität steigerte. Den Realismus, der sich für den Betrachter auch früher schon oft nur aus kürzelhaften zeichnerischen Andeutungen erschloß, vermischt der Maler hier mit dezidiert abstrakt ausgeführten Zonen. Für Corinth kann eine Farbschliere auf der Leinwand eine Spur im Schnee sein oder eben auch nur eine Farbschliere. Das macht seinen von keinem anderen deutschen Secessionisten erreichten künstlerischen Rang aus – und den „Gutshof im Winter“ zu einem großartigen Meisterwerk. (UC)
Lovis Corinth (Tapiau/East Prussia 1858 – 1925 Zandvoort)
„GUTSHOF IM WINTER“. 1912
Oil on canvas. 79 x 94 cm ( 31 ⅛ x 37 in.). Signed, dated and inscribed lower left: LOVIS CORINTH 1912 i/M [in Mecklenburg].
Berend-Corinth/Hernad 550.–
[3277]
Provenienz: Dr. K. Ellstädter, Berlin / Dr. Paul Grünfeld, Berlin (thence by descent to the present owner)
Ausstellung: Berliner Secession 1916, cat. no. 25, with ill. / 32. Ausstellung: Lovis Corinth zum 60. Geburtstag. Berlin, Berliner Secession, 1918, cat. no. 94 / Corinth-Ausstellung. Einhundertsiebzig Bilder aus Privatbesitz. Berlin, Nationalgalerie, 1923, cat. no. 94 (dated "1914“) / Lovis Corinth, Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis. Berlin, Nationalgalerie, 1926, cat. no. 259 (there dated "1914“) / Lovis Corinth. London, Tate Gallery, 1997, not in catalogue (according to label on the decorative frame)
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