Lot 3
Lovis Corinth (Tapiau/Ostpreußen 1858 – 1925 Zandvoort) „Helle Rosen“. 1915 Öl auf Leinwand. 54 × 62 cm ( 21 ¼ × 24 ⅜ in.). Oben links signiert: Lovis Corinth. Oben rechts datiert: 1915. Auf dem Schmuckrahmen oben ein Etikett der Ausstellung New York 1988 (s.u.). Behrend-Corinth/Hernad 646.– [3030] Provenienz: Kunstsalon Gebrüder Buck, Mannheim / Privatsammlung, Deutschland/USA (1917 bei Buck erworben, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Three Pre-Expressionists. Lovis Corinth, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker. New York, Galerie St. Etienne, 1988 (ohne Katalog) Das Genre Stillleben entstand im 17. Jahrhundert in Holland und wurde bald Sache von Spezialisten. Einige Maler konzentrierten sich auf die Darstellung von Blumen, andere auf die von Früchten oder Tieren. Lovis Corinth aber, der alles Versuchende und alles Könnende, schuf im 20. Jahrhundert Werke in verschiedenen Gattungen der Stilllebenmalerei: Jagd- und Küchenstillleben, Bilder mit Pflanzen und Figuren und immer wieder Blumen, Blumen, Blumen. Letztere gewinnen ab 1910 im Werk des Malers zunehmend Bedeutung. Es ist das Leben an sich, was den Künstler daran anzog. Am Ende ist es für Corinth bedeutungslos, ob er sich selbst als kraftstrotzenden Mann malt, seine Frau mit dem Impetus sinnlichen Begehrens oder Rosen und Flieder. Alles bei Corinth besitzt denselben Wert, es lebt, blüht auf und vergeht – als Sinnbild für die Natur und für die Kunst. Neben dem Interesse an der physischen Präsenz interessieren den Maler die koloristischen Möglichkeiten des Genres. Seine Blumenbilder sind nur selten fein abgestimmte Arrangements. Oft genügt ihm ein Geburtstagsstrauß oder eine Handvoll Wiesenblumen, um darin den Anlass zu sehen, zum Pinsel zu greifen. Dann geht es ihm nicht um die botanisch korrekte Wiedergabe der Blüten, meist ist es sogar so, dass wir die einzelnen Blumen nicht genau bestimmen können. Auch dafür gibt es eine Erklärung, denn in diesen Momenten werden die Farbkomposition und die Malkunst als solche für Corinth zu den wichtigsten Akteuren. Auf unserem Bild „Helle Rosen“ lässt er die roten und weißen Rosen im scharfen Seitenlicht vor einem dunklen, schwarzen, violetten und blauen Hintergrund erstrahlen. Mit ungeheurer Verve gemalt, ähneln ihre Blüten farbigen Wirbeln. Die bauchige Henkelvase dagegen benötigt kein Volumen. Weiße Pinselhiebe deuten den Kristallschliff nur an, das Objekt wird zur Chiffre. Hier und in der bunten Tischdecke, deren Muster Corinth in farbige Flecke auflöst, wird der Künstler, der den Malern der Brücke und des Blauen Reiters eher kritisch gegenüberstand, selbst zum Avantgardisten. So ist das Aufregendste an dem Gemälde seine vibrierende Oberfläche. Es scheint, als könne man Corinth beim Malen regelrecht zuschauen: Jeder pastose Zug des Pinsels, jede seiner Drehungen wird auf der Leinwand sichtbar. Wir können am Bild beobachten, welche Farbtöne der Künstler auf der Palette hatte und wie er sie auf dem Malgrund vermischte. Farbklumpen bleiben, einmal platziert, einfach stehen. Und doch geht jeder Strich in etwas Größerem auf, weist über das Abbildhafte hinaus, ist angefüllt mit Ausdruck. Dies ist große Malerei. OH Lovis Corinth (Tapiau/East Prussia 1858 – 1925 Zandvoort) „Helle Rosen“. 1915 Oil on canvas. 54 × 62 cm ( 21 ¼ × 24 ⅜ in.). Signed upper left: Lovis Corinth. Dated upper right: 1915. On the decorative frame at the top a label of the 1988 New York exhibition (see below). Behrend-Corinth/Hernad 646.– [3030] Provenienz: Kunstsalon Brothers Buck, Mannheim / Private Collection, Germany/USA (1917 acquired at Buck, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Three Pre-Expressionists. Lovis Corinth, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker. New York, Galerie St. Etienne, 1988 (without catalogue)
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Dessins, aquarelles et pastels
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10719 Berlin - Allemagne
30/05/2019
Proposé par Grisebach
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