Lot 18
Lovis Corinth (Tapiau/Ostpreußen 1858 – 1925 Zandvoort) „Rosen und Flieder“. 1918 Öl auf Leinwand. 70,5 × 60,5 cm ( 27 ¾ × 23 ⅞ in.). Am Oberrand signiert und datiert: LOVIS CORINTH 1918. Auf dem Keilrahmen jeweils ein Etikett der Gemälde-Galerie Carl Nicolai und der Spedition Gustav Knauer, Berlin. Werkverzeichnis: Berend-Corinth/Hernad 741 („Verbleib unbekannt“).– [3633] Provenienz: Siegmund und Agathe Fischbein, Berlin / Walter und Vilma Kristeller, Berlin / Spedition Gustav Knauer, Berlin (1936 als Umzugsgut eingelagert) / Gemälde-Galerie Carl Nicolai, Berlin (1937) / R. Zapp, Düsseldorf / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen / Privatsammlung, Süddeutschland Die Signatur und das Entstehungsjahr dieses Stilllebens, 1918, hat Corinth groß an den oberen Bildrand gemalt, an Stellen, die frei waren von Blumen und Grün. Corinths Signaturen sind immer groß und kraftvoll und zeugen vom Selbst- bewusstsein des Malers. Doch hier wirkt beides fast noch eindringlicher. Im späten Frühjahr 1918, als der Flieder und die ersten frühen Rosen blühen, war die Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg absehbar. Der Krieg, dessen Beginn mit euphorischer Begeisterung von weiten Teilen der Deutschen getragen wurde, entwickelte eine bis dahin nicht gekannte Brutalität und Härte. Es scheint, als ob die Hoffnungen und Ängste, die den Maler in dieser Zeit beschäftigt haben müssen, sich als Widerhall in diesem Gemälde finden. Corinths Bilder faszinieren bis heute, weil sie leidenschaftlich und intim sind. Ihnen fehlt der Filter der Konvention. Seine frühen Selbstbildnisse bersten vor Virilität; umso mehr erschüttert der „Geblendete Samson“ aus Berlin – gemalt nach dem Schlaganfall, den Corinth 1911 erlitt –, mit dem er seine ganze Verletzlichkeit offenbart. Dieselbe Leidenschaft spricht aus unserem Bild. In wildem malerischen Furor auf die Leinwand gebracht, rückt der Maler die vor düsterem Grün erblühenden Rosen, den weißen und violetten Flieder sehr nah an den Betrachter heran. Dabei wird der Strauß rechts beschnitten, die Vase nur im Ansatz sichtbar. Corinth hat einige der schönsten Blumenstillleben gemalt, welche die Kunstgeschichte kennt. Wenige sind so vielschichtig wie dieses Bild. Das Memento-Mori-Motiv, das die Ikonografie des Genres bestimmt, wird hier regelrecht schmerzhaft sichtbar. Die Schönheit der Blumen ist flüchtig, ihr Welken und Vergehen gewiss. Wir spüren die Unsicherheit des Malers in einer ungewissen Zeit in der Wildheit des Arrangements dieses Straußes. Doch im Moment des Malens ist es die Pracht der Blüten, der die ganze Aufmerksamkeit des Malers gilt. Das Erwachen der Natur nach dem Winter in seiner immerwährenden Wiederkehr ist eine tröstliche Konstante, die dem Gemälde neben aller Vergänglichkeit auch eingeschrieben ist. So darf man nicht unterschätzen, wie viel Hoffnung in dem frischen Türkis liegt, auf dem Corinth seinen Namen und das Jahr hinterlassen hat. OH Lovis Corinth (Tapiau/East Prussia 1858 – 1925 Zandvoort) „Rosen und Flieder“. 1918 Oil on canvas. 70,5 × 60,5 cm ( 27 ¾ × 23 ⅞ in.). Signed and dated in the upper margin: LOVIS CORINTH 1918. On the stretcher labels of the gallery Carl Nicolai and the carrier Gustav Knauer, Berlin. Berend-Corinth/Hernad 741 (registered as „location unknown“).– [3633] Provenienz: Siegmund and Agathe Fischbein, Berlin / Vilma and Walter Kristeller, Berlin / Carrier Gustav Knauer, Berlin (1936 stored as household goods) / Gemälde-Galerie Carl Nicolai, Berlin (1937) / R. Zapp, Düsseldorf / Private collection, North Rhine-Westphalia / Private collection, Southern Germany
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Dessins, aquarelles et pastels
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Oeuvres Sélectionnées
10719 Berlin - Allemagne
30/11/2017
Proposé par Grisebach
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