Lot 2531
LUDWIG PHILIPP STRACK
1761 Haina - 1836 Oldenburg
IDEALLANDSCHAFT BEI TIVOLI MIT WASSERFALL, HÖHLE, TEMPIETTO UND STAFFAGE
Öl auf Leinwand (doubl.). 57,5 cm x 72,5 cm.
Rechts unten signiert und datiert: 'Lud. Strack '1798. f.'. Unter UV-Licht min. Retuschen im Randbereich. Originaler klassizistischer Hartholzrahmen (wohl Nussbaumholz), um 1780.
Provenienz: Privatsammlung Westfalen.
"Zu einer Landschaft von Ludwig Philipp Strack" "Die Mutter des Landschaftsmalers Ludwig Philipp Strack (1761-1836) war eine Schwester der fünf Malerbrüder Johann Valentin, Anton, Johann Heinrich d. Ä., Jacob und Anton Wilhelm Tischbein, also Mitglied einer in ihrer weiten Verbreitung über verschiedene Regionen Deutschlands einzigartigen Künstlerfamilie. Sein Vetter war Wilhelm Tischbein, der Goethe-Tischbein, der in seinen Lebenserinnerungen ein reizendes Porträt des zehn Jahre Jüngeren zeichnet: 'Um eben die Zeit (1773) wurde Ludwig Strack konfirmiert und von seinen Eltern nach Kassel zu meinem Bruder, dem Galerieinspektor Joh. Heinrich (d. J.), getan, um von ihm und mir das Malen zu lernen. Wir nahmen ihn ganz zu uns und liebten ihn, wie unseren Bruder Jakob, der auch bei meinem Bruder war. Der junge Strack war ein munteres, artiges Bübchen; seine lebhaften Augen mit dem scharfen Blick, der dieser Familie eigen ist, in dem runden, roten Apfelgesicht, hatten viel Anziehendes. Seine Munterkeit und seine schnelle Bewegung in Geschäften zu bewundern.' 1787 bis 1794 konnte Strack mit einem Stipendium in Italien studieren und wurde Kasseler Hofmaler. 1795 heiratete er seine Base Magdalena Tischbein. Sein Neffe sollte der Baumeister Johann Heinrich Strack werden, ein Schüler Schinkels, dessen bekanntestes Werk die Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel ist. 1798 siedelte Ludwig Philipp Strack als Hofmaler des hochgebildeten und kunstliebenden Herzogs Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg in die Residenzstadt Eutin über, die dieser durch die Anwerbung bedeutender Dichter, Gelehrter und Künstler (1808 auch Wilhelm Tischbeins) zu einem "Weimar des Nordens" zu machen bestrebt war. Ob die "Lud. Strack 1798 f." bezeichnete "Ideallandschaft bei Tivoli mit Wasserfall, Höhle, Tempietto und Staffage" noch in Kassel oder bereits in Eutin entstanden ist, lässt sich nicht eindeutig entscheiden. Die grandiose Szenerie mit den oft gemalten Großen Cascatellen von Tivoli als Hauptmotiv und einem Monopteros davor passt jedoch eher zu der Dramatik der Landschaftsinszenierung auf der Wilhelmshöhe bei Kassel als zu den beruhigteren Ansichten des Eutiner Schloßparkes und seiner Umgebungen, wenngleich auch hier 1793 ein Monopteros erbaut wurde. Sicher jedoch ist, dass das der Forschung bisher nicht bekannte Bild eine "Lud. Strack fec. 1794" bezeichnete, also bereits bald nach der Rückkehr aus Italien entstandene "Ideallandschaft aus einer Felsgrotte" aus der Kunstsammlung des Herzogs Peter Friedrich Ludwig zur Voraussetzung hat. Die innere Rahmung des Bildes durch das Grottenmotiv, eine nicht ungewöhnliche Gestaltung um 1800, ist in dem späteren Werk variiert. Der schmale Durchgang links ist verbreitert und die bedrohlich wirkenden Stalaktiten an der Decke, für Kenner Italiens als Felsgrotte bei Amalfi zu identifizieren, sind durch anmutigere Zweige ersetzt. Die Staffage, ein unbekleideter Flötenspieler und die drei Frauen links von ihm, von denen eine die Lyra, eine andere ebenfalls Flöte spielt und die dritte zuhört, ist ergänzt durch drei weitere Zuhörerinnen rechts, deren Kleidung nicht unbedingt antikisch wirkt. Ein mythologischer Gegenstand ist nicht zu erkennen. Gemeint ist, dass die Naturmusik des rauschenden Wasserfalls und die Kunstmusik zusammenklingen und zu einer wohltuenden Einheit des Menschen mit seiner Umwelt führen. Vergessen ist, dass die Welt um diese Zeit keine friedliche war. Während in dem Bild von 1794 eine mächtige Baumgruppe die Staffage hinterfängt und links ein klassischer Peripteros-Tempel auf einem natürlichen Felssockel die Kultur der Antike in die Erinnerung ruft, scheint der Monopteros auf seinem Podest eher eine Architektur der Gegenwart zu sein. Hier klingt der um 1800 geläufige Gedanke von der der Musik verwandten Harmonie in der Baukunst an. Die Kuppel des Tempels antwortet der Rundung des Höhlenraumes. Undatiert, aber in den Maßen von 55 x 72,5 cm dem Bild von 1798 verwandt, ist eine den Natureindruck behutsam überformende Darstellung der Großen Cascatelle. Im vergleichenden Betrachten der drei Bilder kann deutlich werden, wie Strack sieht und komponiert und welche Gedanken er mitteilt. Sie passen zu der Charakteristik, die der Goethe-Tischbein von dem jungen Maler gibt." (Helmut Börsch-Supan) Herzlich danken wir Herrn Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan für die Bereitstellung dieses umfangreichen Katalogbeitrages.
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