Lot 496
Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956) „Der LuntenTurm“. 1926 Aquarell und Tuschfeder auf Bütten. 42,5 × 31,5 cm ( 16 ¾ × 12 ⅜ in.). Unten signiert, betitelt und datiert: Feininger Der LuntenTurm 26 VIII 26. Mit einer Bestätigung von Achim Moeller, New York, vom 16. November 2010. Das Werk ist im Archiv des Lyonel Feininger Project LLC, New York, unter der Nr. 390-11-16-10 registriert.– [3570] Provenienz: Willi Apel, Berlin/Bloomington / Privatsammlung, Süddeutschland (durch Erbschaft) / Privatsammlung, Hessen Willi Apel (1893 Konitz/Westpreußen – Bloomington/IN 1988) war ein deutsch-amerikanischer Musikwissenschaftler. Eng mit Lyonel Feininger befreundet, führte er 1924 im Meistersaal des Bauhauses in Weimar Feiningers IX. Fuge für Klavier auf. 1936, im Jahr seiner Promotion mit einer Dissertation über „Accidentien und Tonalität in den Musikdenkmälern des 15. und 16. Jahrhunderts“, emigrierte Apel in die USA, wo er später unter anderem an den Universitäten von Harvard und Indiana lehrte. Bis heute wegweisend sind seine Publikationen wie „Die Notation der polyphonen Musik“ (1942), „Harvard Dictionary of Music“ (1944) oder „Geschichte der Orgel- und Klaviermusik bis 1700" (1967). Nicht jeder weiß, dass Lyonel Feininger ein begeisterter Radfahrer war. Wenn er die Sommermonate mit seiner zweiten Frau Julia und den drei Söhnen auf Usedom verbrachte, machte der Künstler sich freudig auf, die Insel mit dem Fahrrad zu erkunden. Ab Mitte der Zwanzigerjahre zog es die Familie dann von Usedom weiter gen Osten. Das beschauliche Fischerdorf Deep (heute Mrzeżyno) in Westpommern wurde zu ihrem neuen Sommerdomizil. Bis 1935 verbrachten die Feiningers hier regelmäßig die Zeit von Mai bis September. Im Sommer 1926 unternahm Feininger von Deep aus einige Ausflüge mit dem Rad in das 15 Kilometer entfernte Kurbad Kolberg (heute Kołobrzeg). Hatte die Küste Westpommerns ihm bereits Inspiration für zahlreiche Bilder vom Strand, dem Meer und mit Schiffsmotiven geliefert, so faszinierte Feininger in Kolberg besonders der mittelalterliche Luntenturm (Baszta Lontowa). Dieser war Teil der ehemaligen, ursprünglich knapp anderthalb Kilometer langen Verteidigungsanlage der Stadt und stammte aus dem 15. Jahrhundert. Der Name deutet an, dass er einst zur Lagerung von Schießpulver genutzt wurde. Feininger war ein Meister darin, seine Motive auf ihr Wesentliches zu reduzieren. Auch hier, beim „LuntenTurm“, konzentriert er die Architektur des Bauwerks auf ihre geometrische Grundform. Der massive Kubus drängt in die Höhe, wird von einem weiter steil aufstrebenden Giebeldreieck bekrönt. Die Wohnhäuser in der Umgebung hat Feininger mit sparsamen Federstrichen nur angedeutet – sie binden den Turm ins Stadtgefüge ein, wozu auch die einheitlich graubraune Farbgebung mit einigen dunkleren Schattenzonen beiträgt. An architektonischen Einzelheiten ist Feininger nicht interessiert. Dass es sich bei dem echten Luntenturm um einen viergeschossigen, roten Backsteinbau mit zahlreichen Fensternischen, Mauerblenden und Schießscharten handelt, ist auf Feiningers Blatt kaum erkennbar. Allein beim Giebel hat der Künstler einige Details genauer ausgeführt. Auch an den Proportionen nahm er einige Änderungen vor: Feiningers Turm ist erheblich schlanker und weniger massiv als sein Vorbild. Für den Himmel verwendete der Maler ein bezauberndes, lichtes Türkis. Mit einem zarten Lineament feiner Federstriche bildet dieser Bereich der Komposition ein lichtes Gegengewicht zur Kompaktheit der Gebäude – so hat Feininger damit auch ein Bild geschaffen, das von seinen reizvollen Kontrasten lebt. AF Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956) „Der LuntenTurm“. 1926 Watercolour and pen and India ink on laid paper. 42,5 × 31,5 cm ( 16 ¾ × 12 ⅜ in.). Signed, titled and dated at the bottom: Feininger Der LuntenTurm 26 VIII 26. Accompanied by a confirmation by Achim Moeller, New York, dated 16 November 2010. The work is registered in the archive of the Lyonel Feininger Project LLC, New York, as number 390-11-16-10.– [3570] Provenienz: Willi Apel, Berlin/Bloomington / Private collection, Southern Germany (by descent) / Private collection, Hesse
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Dessins, aquarelles et pastels
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Modern Art
10719 Berlin - Allemagne
01/06/2018
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0