Lot 227
Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956) „Lüneburg“. 1925 Tuschfeder, laviert, auf chamoisfarbenem Bütten. 34 × 27 cm (41,1 × 31,7 cm) ( 13 ⅜ × 10 ⅝ in. (16 ⅛ × 12 ½ in.)). Unter der Darstellung signiert, betitelt und datiert: Feininger Lüneburg 12 7 25. Unten links mit der Widmung des Künstlers an seine Frau: Julia Dear 24. [3410] Provenienz: Julia Feininger / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen Ausstellung: Lyonel Feininger. Lübeck – Lüneburg. Lübeck, Museum Behnhaus Drägerhaus, 2013/14, Kat.-Nr. 36, S. 86, mit Abbildung Literatur und Abbildung: Auktion 36: Stuttgarter Kunstkabinett R.N. Ketterer, Stuttgart, 3. Mai 1961, Kat.-Nr. 81 / Auktion 150: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 30. November 2007, Kat.-Nr. 72 Die Betrachtung dieses Blattes erinnert mich an Stefan Zweigs Novelle „Die unsichtbare Sammlung“. An ihrem Schluss wird das Goethe-Wort „Sammler sind glückliche Menschen“ zitiert. Erst kam mir das Zitat in den Sinn, dann wurde die ganze Geschichte eines Feininger-Erwerbs um 1980 herum wieder lebendig. Es begann damit, dass bei mir eines Tages der von mir hoch geschätzte Bürgermeister Lübecks, Dr. Robert Knüppel, erschien und sagte, er habe vor einigen Tagen einen Anruf bekommen von Herrn Lux Feininger. Seine Familie habe endlich ihr Eigentum an einer kleinen Feininger-Sammlung wiedererlangt, die sein Vater seinerzeit, als er Deutschland verließ, bei einem Freund in Quedlinburg im Harz deponiert hatte. Eines der Hauptstücke dieser Sammlung sei ein Gemälde, das Feininger selbst immer als „Lübeck“ bezeichnet habe. Er als Bürgermeister finde, dass dieses Bild nach Lübeck gehöre. Deshalb suchte er mich auf, um zu fragen, ob ich einen Rat wisse, denn der Stadt fehlten die nötigen Mittel, um es ankaufen zu können. Daraufhin machte ich Herrn Knüppel den Vorschlag, mir bei Gelegenheit das Bild in New York anzusehen und es bei Gefallen selbst zu erwerben. Die Sache war mir wichtig genug, nach New York zu reisen, denn der sogenannte „Quedlinburger Bestand“ kam jetzt bei Aquavella Galleries in eine große Ausstellung. Es bestand die Gefahr, dass mir jemand zuvorkam. Also bin ich hingefahren, habe es angeguckt, fand es schön und habe es gekauft. Es hing dann eine Zeitlang bei uns zu Hause, ein viel besserer Platz war dann aber doch im Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus als Leihgabe. Ein Glücksfall war, dass sich hier in Lübeck eine Kunsthistorikerin der Problematik des Namens „Lübeck“ oder „Lüneburg“ bei Feininger angenommen hatte und nachweisen konnte, dass es sich in der Tat um eine Ansicht von Lübeck handelte. Heute gibt es keinen Zweifel mehr: Das Gemälde wurde vom Künstler selbst „Alte Häuser Lübeck – Lüneburg“ genannt. Unter diesem Namen hängt es seitdem im Behnhaus Drägerhaus und ist eine Zierde der dortigen Sammlung. Es ging mir dabei wie meinem Großvater, der ein großer Jäger war. Unter einigen seiner Prachtstücke sind wir als Kinder aufgewachsen. Wir wussten, für ihn waren die Geschichten, wie er diese Stücke erlegen konnte, am wichtigsten! So ähnlich ist es mit meinen Bildern. Es ist schön, wenn sie an der Wand hängen, aber das Wesentliche bei allen Werken ist – jedes hat seine Geschichte. Genau so geht es mir beim Ansehen des schönen Blattes, das mir jetzt aus der Sammlung von Bernd Schultz zur Betrachtung übergeben wurde. Es erinnert mich an die vielen Begegnungen, die ich mit Bernd Schultz in der Vergangenheit hatte. Christian Dräger, Lübeck Addendum/Erratum: Provenienz: Julia Feininger (bis 1961) / Walter Bareiss, USA (1961 bei Ketterer erworben, mind. bis 1967) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen. Ausstellungen: Sammlung Walter Bareiss. Ausstellung Sommer 1965. München, Neue Staatsgalerie, 1965, S. 26, Abb. 15 / Sammlung Walter Bareiss. Handzeichnungen, Aquarelle und Collagen. Kassel, Staatliche Kunstsammlungen, 1967, S. 16, Abb. 15 / Aquarelle und Zeichnungen der Zwanziger Jahre. München, Michael Hasenclever, 1987, Kat.-Nr. 18, mit Abbildung (Leihgabe) Lyonel Feininger (1871 – New York – 1956) „Lüneburg“. 1925 Pen and India ink, washed, on buff-coloured laid paper. 34 × 27 cm (41,1 × 31,7 cm) ( 13 ⅜ × 10 ⅝ in. (16 ⅛ × 12 ½ in.)). Signed, titled and dated below the image: Feininger Lüneburg 12 7 25. Dedication to the artist's wife lower left: Julia Dear 24. [3410] Provenienz: Julia Feininger / Private Collection, North Rhine-Westphalia Ausstellung: Lyonel Feininger. Lübeck – Lüneburg. Lübeck, Museum Behnhaus Drägerhaus, 2013/14, cat. no. 36, p. 86, with illustration Literatur und Abbildung: Auction 36: Stuttgarter Kunstkabinett R.N. Ketterer, Stuttgart, 3 May 1961, cat. no. 81 / Auction 150: Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 30 November 2007, cat. no. 72 Addendum/Erratum: Provenance: Julia Feininger (until 1961) / Walter Bareiss, USA (acquired in 1961 at Ketterer, until at least 1967) / Private Collection, North Rhine-Westphalia. Exhibitions: Sammlung Walter Bareiss. Exhibition Summer 1965. Munich, Neue Staatsgalerie, 1965, p. 26, ill. 15 / Sammlung Walter Bareiss. Handzeichnungen, Aquarelle und Collagen. Kassel, Staatliche Kunstsammlungen, 1967, p. 16, ill. 15 / Aquarelle und Zeichnungen der Zwanziger Jahre. Munich, Michael Hasenclever, 1987, cat.-no. 18, with illustration (loan)
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26/10/2018
Proposé par Grisebach
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