Lot 12
Marianne von Werefkin (Tula 1860 – 1938 Ascona) „BERGLANDSCHAFT BEI OSCHWAND“. Um 1915/17 Tempera auf Papier, auf Pappe aufgezogen. 54,8 x 37,1 cm ( 21 ⅝ x 14 ⅝ in.). Mit einer Expertise von Dr. Bernd Fäthke, Wiesbaden, vom 29. März 2014.– Retuschen. [3074] Provenienz: Elisabeth von Ruckteschell, Zürich / Privatsammlung, Süddeutschland Marianne von Werefkin ließ sich 1896 mit ihrem Partner Alexej von Jawlensky in München nieder. In Rußland zur Malerin ausgebildet, förderte sie zunächst das Talent Jawlenskys, ohne selbst zu malen. In München wurde Werefkin nur die „Baronin“ genannt, ihr Salon war bald Mittelpunkt der Avantgarde. Hier gründete sich die „Neue Künstlervereinigung München“, trafen sich Maler, Komponisten und Tänzer. Werefkin reiste durch halb Europa, bewunderte Gauguin, Toulouse-Lautrec und Munch. In einer Atmosphäre der künstlerischen Erneuerung, befeuert durch ihre Malerfreunde Kandinsky, Jawlensky und Münter, begann Werefkin erneut selbst zu malen. Sie betonte in ihren Werken die Fläche und den Eigenwert der Farben; die Perspektive ist oft zugespitzt. Bernd Fäthke weist in seinem Beitrag zum Ausstellungskatalog über Werefkin in Bietigheim-Bissingen und Bremen von 2014 nach, daß sich in Werefkins Arbeiten Ideen manifestieren, die Kandinsky später in seinem kunsttheoretischen Erstlingswerk „Über das Geistige in der Kunst“ formulierte. Werefkin und Jawlensky mußten 1914 als „Feindstaatenausländer“ das Deutsche Reich verlassen und fanden Zuflucht am Genfer See. Als unverheiratete Tochter eines Generals stand Werefkin im zaristischen Rußland eine immense staatliche Pension zu. Krieg und Revolution machten sie mittellos. Sie war auf Hilfe von Freunden angewiesen. Als echter Freund in der Not erwies sich der Schweizer Maler Cuno Amiet, der die Exilanten unterstützte. Werefkin besuchte ihn in seinem Wohnort Oschwand; die Ansicht des Dorfes wurde zum Motiv unseres Gemäldes. In kühner, forcierter Perspektive schichtet Werefkin Weg, Häuser, Hügel und Berge im Hochformat übereinander. Dissonant stehen die Farben nebeneinander: Gelb und Rosa, Braun und Blau, Violett und Rot. Voller Unruhe ist die Binnenstruktur der Farbflächen. Die beiden Frauen in ländlicher Tracht wirken statisch und ganz fern den Umwälzungen, die die Welt und Werefkin erfaßt hatten. (OH) Marianne von Werefkin (Tula 1860 – 1938 Ascona) „BERGLANDSCHAFT BEI OSCHWAND“. Circa 1915/17 Tempera on paper, laid down on cardboard. 54,8 x 37,1 cm ( 21 ⅝ x 14 ⅝ in.). Accompanied by a certificate by Dr. Bernd Fäthke, Wiesbaden, dated 29 March 2014.– Retouchings. [3074] Provenienz: Elisabeth von Ruckteschell, Zurich / Private collection, Southern Germany
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
27/11/2014
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0