Lot 13
Max Beckmann (1884 Leipzig – 1950 New York)
„Stilleben mit gelben Stiefeln“. 1912
Öl auf Leinwand. Doubliert. 79 × 69 cm ( 31 ⅛ × 27 ⅛ in.). Unten rechts gewidmet und datiert: HBSL [d.i. Herr Beckmann seiner Liebsten] 12.
Göpel 162.–
[3347]
Provenienz: Minna Beckmann-Tube, Berlin–Gauting / Peter Beckmann, Ohlstadt / Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a.M. (1956, in Kommission) / Privatsammlung (1956 erworben, seitdem in Familienbesitz)
Ausstellung: Max Beckmann. Werke der Frühzeit. München, Günther Franke, 1952, (Faltblatt-) Nr. 22 / Max Beckmann, 1884–1950. Gedächtnisausstellung. Würzburg, Städtische Galerie, Falkenhaus (Graphik), und Freunde mainfränkischer Kunst, Otto Richter Halle (Gemälde), 1956, Kat.-Nr. 9 / Max Beckmann 1884–1950. Wuppertal, Kunst- und Museumsverein im Städtischen Museum, 1956, Kat.-Nr. 10 / Max Beckmann. Die frühen Bilder. Bielefeld, Kunsthalle, und Frankfurt a.M., Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut, 1982/83, Kat.-Nr. 65, ganzs. Farbabb. 66 auf S. 115 / Max Beckmann. Die Stilleben. Hamburg, Kunsthalle, 2014/15, ganzs. Farbabb. S. 84
Wie ein ungewöhnliches Bildmotiv eines Stillebens die Gemüter bewegen kann, hat das Wallraf-Richartz-Museum in Köln 2009 vorgeführt. Zu dem bekannten und berühmten Kunstwerk „Les Souliers“ aus dem Jahr 1886 von Vincent van Gogh wurde die gesamte Kulturgeschichte aufgefahren, um zu erklären, warum ein Künstler dieses Ranges ein paar simple Schuhe zum Gegenstand seiner Malerei machte. Rund zwei Jahrzehnte später folgte ihm Max Beckmann, der auch nicht verlegen um seine Bildinhalte war: Mythologie, Historie, Zeitgeschehen, Portrait, Landschaft und Stilleben finden sich in seinem Werk – 1912 auch bei seinem „Stilleben mit gelben Stiefeln“.
Beckmann nennt die Entstehungszeit des Gemäldes „die dunkelste und wildeste Zeit meines Lebens“, in der er erste Erfolge erzielte. In diesen Jahren mischte er sich auch in die Kunstpolitik der zwischen Tradition und Moderne schwankenden Künstlervereinigungen in Berlin, der Secession und der Freien Secession, ein. Zwar gehörte er nicht zu den Hauptvertretern der Avantgarde und war auch nie Mitglied beispielsweise der ‘Brücke‘ oder des ‘Blauen Reiter‘. Aber seine Position war eigenständig und nicht durch äußere Einflüsse zu beeindrucken.
In unserem Bild stehen die Stiefel aufrecht auf einer Ablage, daneben ein Stück drapierter Stoff, eine Armspange und ein Kopfputz. Ganz offensichtlich gehört dies alles zu einem Kostüm und ist abgelegt worden, vielleicht in Erinnerung an schöne Erlebnisse auf einem Ball. Das Bild trägt die für die Entstehungszeit häufige Signatur „HBSL“ und ist so von Beckmann „seiner Liebsten“ gewidmet: Minna Tube, die er 1903 auf einem Faschingsfest kennengelernt und 1906 geheiratet hatte. In leuchtenden, liebevoll ausgewählten Farben und einem flüssigen Duktus des Pinsels sind die Gegenstände wiedergegeben. Vom Braun des Holzes leitet ein lichtes Graublau zu einem sanften Rosa über, hinter dem dann eine strahlende blaue Fläche dem Raum eine Grenze setzt. Wenige ausgesuchte Gegenwerte erhöhen dieses lichtvolle Kolorit: blaue Quasten an den Stiefelschäften, Türkis und Rot bei der Kappe und ein schillerndes Gelbgrün am Schmuckstück. „Stilleben mit gelben Stiefeln“ ist wie die Überschrift zu einem Kapitel aus Beckmanns großem Lebensroman. EO
Max Beckmann (1884 Leipzig – 1950 New York)
„Stilleben mit gelben Stiefeln“. 1912
Oil on canvas. Relined. 79 × 69 cm ( 31 ⅛ × 27 ⅛ in.). Dedicated and dated lower right: HBSL [i.e. Herr Beckmann seiner Liebsten] 12.
Göpel 162.–
[3347]
Provenienz: Minna Beckmann-Tube, Berlin–Gauting / Peter Beckmann, Ohlstadt / Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a.M. (1956, on commission) / private collection (acquired 1956, thence by descent to the present owner)
Ausstellung: Max Beckmann. Werke der Frühzeit. Munich, Günther Franke, 1952, (brochure) no. 22 / Max Beckmann, 1884–1950. Memorial exhibition. Würzburg, Städtische Galerie, Falkenhaus (graphics), and the Freunde mainfränkischer Kunst, Otto Richter Halle (paintings), 1956, cat. no. 9 / Max Beckmann 1884–1950. Wuppertal, Kunst- und Museumsverein im Städtischen Museum, 1956, cat. no. 10 / Max Beckmann. Die frühen Bilder. Bielefeld, Kunsthalle, and Frankfurt a.M., Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut, 1982/83, cat. no. 65, full-page colour ill. 66 on p. 115 / Max Beckmann. Die Stilleben. Hamburg, Kunsthalle, 2014/15, full-page colour ill. p. 84
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente