Lot 27
Max Kaus (1891 – Berlin – 1977) „Badende – Hockende am Strand (Insel Vilm)“. 1923 Tempera auf Rupfen. 95 × 118 cm ( 37 ⅜ × 46 ½ in.). Unten rechts signiert und datiert: MKaus 23. Rückseitig in Rotbraun signiert, datiert, betitelt und bezeichnet: MAX KAUS 23 Badende Hockende am Strand (Insel Vilm) Temp. Werkverzeichnis: Schmitt-Wischmann 53.– [3379] Provenienz: Privatsammlung, Berlin Ausstellung: Max Kaus, Gemälde von 1917 bis 1970. Zum 80. Geburtstag des Künstlers am 11. März 1971. Berlin, Brücke-Museum, 1971, Kat.-Nr. 24, mit Abbildung / Max Kaus, 1891–1977. Ölbilder und Arbeiten auf Papier. Dortmund, Galerie Utermann, 2001, S. 7–8 u. Abb. S. 8 / Max Kaus – Erich Heckel. Eine Künstlerfreundschaft. Berlin, Brücke-Museum, 2015, S. 58, Abb. S. 62 und S. 159, Kat.-Nr. 28 Die Unschuld, wo ist sie geblieben? Für Max Kaus, den Expressionisten, der 1918 als junger Mann aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrte, waren Hiddensee und Vilm das, was für die „Brücke“-Künstler die Moritzburger Seen gewesen sind. Die beiden Ostsee-Inseln, auf denen er mit seiner Geliebten Anfang der 1920er-Jahre glückliche Zeiten inmitten unberührter Natur verbrachte, inspirierten ihn zu einigen seiner schönsten Bilder. Eines der Hauptwerke dieser Reisen ist unser Gemälde „Badende Hockende am Strand (Insel Vilm)“ aus dem Jahr 1923. Schaut man genau hin, wird deutlich, wie sorgfältig das Bild komponiert ist, wie die Bewegung der beiden vorderen Akte in der Biegung des Ufers ihre Entsprechung findet, wie die Neigung des Baumstammes am Bildrand auf die Wölbung des Rückens der linken Figur antwortet, wie der Blick des Betrachters von der vorderen Rückenfigur aus in halbkreisförmigem Bogen zu den zwei Stehenden am Wasser geleitet wird. Kaus erzählt keine Geschichte, schildert keine flüchtige Begebenheit. Was den Betrachter gefangen nimmt, ist die Zeitenthobenheit, die Harmonie, die Stille, die von der meisterhaft gestalteten Szene ausgeht. Die Welt scheint zur Ruhe gekommen. Alles ist ganz bei sich. Menschen und Landschaft sind ganz bei sich. Aber, so fragt man sich, ist es wirklich die reine Harmonie, die wir auf dem Bild der Badenden sehen? Wirken die beiden Akte im Vordergrund nicht seltsam in sich gekehrt, irgendwie unverbunden, von ihrer Umgebung isoliert? Der paradiesische Urzustand, die Unschuld, das paradiesische Einvernehmen von Mensch und Natur, ist offenbar nicht mehr selbstverständliches Gut. Der pantheistische Einklang, die ozeanische Verbundenheit, die die Brücke-Maler so gern beschworen haben, scheint gefährdet, ist vielleicht längst verloren. Kaus hört nicht auf, seine Vorstellung von Arkadien zu malen, aber in diese Vorstellung mischt sich die Ahnung um die Gefährdung, um den Verlust des Paradieses. Der feste Glaube, den die „Brücke“-Maler noch besaßen, ist bei ihm, der den Ersten Weltkrieg durchlebt hat, gebrochen. Was bleibt, ist der Wille zur Form, zur bildnerischen Gestalt, ist eine kraftvolle, in sich vollkommene, harmonische Komposition – und eine Wehmut und Melancholie, die tiefer geht, als das Bild auf den ersten Blick offenbart. MKR Max Kaus (1891 – Berlin – 1977) „Badende – Hockende am Strand (Insel Vilm)“. 1923 Tempera on burlap. 95 × 118 cm ( 37 ⅜ × 46 ½ in.). Signed and dated lower right: MKaus 23. Signed, dated, titled and inscribed on the reverse in reddish brown: MAX KAUS 23 Bandende Hockende am Strand (Insel Vilm) Temp. Schmitt-Wischmann 53.– [3379] Provenienz: Private collection, Berlin Ausstellung: Max Kaus, Gemälde von 1917 bis 1970. Zum 80. Geburtstag des Künstlers am 11. March 1971. Berlin, Brücke-Museum, 1971, cat. no. 24, , illustration / Max Kaus, 1891–1977. Ölbilder und Arbeiten auf Papier. Dortmund, Galerie Utermann, 2001, p. 7-8 and colour ill. p. 8 / Max Kaus – Erich Heckel. Eine Künstlerfreundschaft. Berlin, Brücke-Museum, 2015, p. 58, colour ill. p. 62 and p. 159, cat. no. 28
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10719 Berlin - Allemagne
30/11/2017
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