Lot 36
Max Kaus (1891 – Berlin – 1977)
„Frauenbildnis (Turu)“. 1924
Öl auf Leinwand. 99,5 × 71 cm ( 39 ⅛ × 28 in.). Unten links signiert und datiert: MKaus 24. Rückseitig mit Pinsel in Braun signiert, datiert und betitelt: MAX KAUS 24 Frauenbildnis (Turu).
Schmitt-Wischmann 63.–
[3451]
Provenienz: Privatsammlung, Berlin
Die dunklen Augen. Der seelenvolle Blick. Jeder, der schon einmal eines der suggestiven Frauenporträts von Max Kaus aus den 1920er-Jahren gesehen hat, weiß: Unser Bild zeigt Turu, die erste Frau des Künstlers, deren Antlitz Kaus auf zahllosen Zeichnungen, Aquarellen, Gemälden und Druckgrafiken festgehalten hat. Bis zu ihrem frühen Tod 1944 ist sie nahezu sein einziges Modell gewesen. Gertrud, von Max zärtlich Turu genannt, war die Liebe, die seinen künstlerischen Werdegang von Beginn an begleitet hat – während der Ausbildung vor 1914, in den Jahren des Ersten Weltkriegs, als Kaus zusammen mit Erich Heckel als Sanitäter in Belgien war, wo er Zeit zu intensiver künstlerischer Arbeit fand (wovon er in langen Briefen nach Hause berichtete), und schließlich im Berlin der Nachkriegsjahre, als Max Kaus mit seinen kraftvollen expressionistischen Bildern erste Erfolge in der Kunstwelt feierte.
1924, in dem Jahr, in dem unser Bild entstand, heirateten Max und Turu und zogen in eine gemeinsame Atelierwohnung in der Mommsenstraße 40 in Charlottenburg. Das Datum markiert für Kaus den Beginn seiner Abkehr vom Expressionismus. Der jugendliche Weltschmerz und die expressionistische Übersteigerung des Gefühls begannen sich aufzulösen, und an ihre Stelle trat immer mehr das Streben nach künstlerischer Ordnung, Harmonie und Form – ein Aspekt, der latent schon immer in der Kunst von Kaus vorhanden gewesen ist, der aber erst jetzt, in der neuen Lebenssituation, so richtig zum Tragen kam. Turu, die gelernte Porzellanmalerin, die für KPM tätig war, hatte einen ausgeprägten Sinn für Schönheit. Sie liebte das Dekor, trug leuchtend bunte Stoffe. Oft wickelte sich Turu aus Tüchern einen Turban um das Haupt, der ihrer Erscheinung zusammen mit den hohen Wangenknochen und den schmal zulaufenden Augen eine anziehende Exotik verlieh. Nähe, Vertrautheit und exotische Ferne gingen bei Turu eine Verbindung ein, die den Maler zu immer neuen Bildern animierte.
Die Spannung zwischen Nähe und entrückter Ferne kennzeichnet auch unser Bild. Ganz entspannt, den Arm locker über die Lehne gelegt, wendet sich Turu aus unmittelbarer Nähe dem Betrachter zu. Ihr Blick jedoch sucht nicht das Gegenüber, sondern geht ganz nach innen, die Augen leicht gesenkt. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch im schräg gestellten Stuhl, der zum Greifen nah ist, dessen hohe Rückenlehne jedoch eine unaufdringliche Barriere zwischen Turu und uns bildet. Die ganze Komposition ist sorgsam durchdacht: Der auffällige Kontrast zwischen der Leere im hinteren Teil des Raumes und der kompakten Fülle vorn, die Art und Weise, wie das Streifenmotiv von Turus Kleid im Vorhang links, dem Läufer und den dunkelblau gestrichenen Bohlen des Bodens variiert ist, die Gegenüberstellung von eckigen, harten Formen im Hintergrund und organisch fließenden, weichen Linien bei Turu im Vordergrund. Dazu das raffinierte Wechselspiel der Muster und Farben. All das zeigt: Max Kaus ist ganz bei sich angekommen. Er befindet sich auf einem Höhepunkt seiner Kunst. MKR
Max Kaus (1891 – Berlin – 1977)
„Frauenbildnis (Turu)“. 1924
Oil on canvas. 99,5 × 71 cm ( 39 ⅛ × 28 in.). Signed and dated lower left: MKaus 24. On the reverse with brush in brown signed, dated and titled: MAX KAUS 24 Frauenbildnis (Turu).
Schmitt-Wischmann 63.–
[3451]
Provenienz: Private collection, Berlin
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Dessins, aquarelles et pastels
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