Lot 9
Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935)
IM RUDERBOOT. 1920er Jahre
Pastell auf Papier (aus einem Zeichenblock). 23,5 x 30 cm ( 9 ¼ x 11 ¾ in.). Unten rechts mit Bleistift signiert: MLiebermann.
Unten minimal berieben. [3048]
Provenienz: Dr. Hans Heymann, Berlin / Privatsammlung, Ostdeutschland / Privatsammlung, Berlin (bis 1992) / Galerie Rosenbach, Hannover / Galerie Binhold, Berlin / Privatsammlung, Berlin (1992 bei Binhold erworben, seitdem in Familienbesitz)
Literatur und Abbildung: Berlin, Versteigerungshaus „Union“ (Leo Spik), 28./29.4.1937, Nr. 35 (Einlieferung unter Zwang; in der Auktion nicht verkauft) / 25. Kunstauktion: 19. und 20. Jahrhundert. Berlin, Villa Grisebach Auktionen, 30.5.1992, Kat.-Nr. 132, mit Farbabbildung
Wüßten wir nichts über das kleine, bezaubernde Pastell, so würden wir denken: im Ruderboot sitzt unverkennbar Max Liebermann. Nicht groß, im grauen Anzug und mit gelbem Strohhut, so schaut uns hier der Liebermann von Photographien und den späten Selbstportraits entgegen. Es ist eine schöne Phantasie: der Maler sitzt am Ufer des Wannsees in seinem Garten, skizziert die Segelboote auf dem Wasser, malt ein hölzernes Ruderboot dazu – und setzt sich einfach selbst dort hinein. Natürlich auch im Boot zeichnend, denn auch wenn man den Block nicht sieht, zeigt die Armhaltung, das seine Hände nicht untätig sein können.
Die Technik des Pastells kommt Liebermann in zwei Dingen künstlerisch entgegen. Zum einen erlaubt es ein spontanes, zeichnerisches Arbeiten vor dem Sujet, das dennoch nicht auf Farbe verzichtet. Zum anderen wirken die Arbeiten lichtdurchflutet und hell. Günter Busch hat gezeigt, daß sich Liebermanns Palette durch den Einsatz der Pastelltechnik in der Folge auch beim Malen in Öl aufgehellt hat (Günter Busch, Die Bedeutung der Pastelle im Werk Liebermanns, in: Ausst.-Kat. Max Liebermann, der deutsche Impressionist, Kunsthalle Bremen, München 1995, S. 10 ff.). Unsere Arbeit ist voller Licht. Silbrig blau leuchtet die Wasseroberfläche, meisterlich gibt Liebermann die Bewegung der weißen Segel wieder, indem er sie nicht als Fläche malt, sondern sie durch einzelne, nebeneinander gesetzte Striche darstellt. Wenige Striche genügen auch, um Spiegelungen auf das Papier zu bringen. Luftig leicht ist diese Freilichtmalerei. In ihr vereint sich die Wiedergabe des Natureindrucks mit einem künstlerischen Einfall. Wünschen wir dem Maler im Boot, daß er sich nicht zu sehr in die Arbeit vertieft, denn zum Ufer muß er schließlich doch selbst zurückrudern. (OH)
Wir danken Margreet Nouwen, Berlin, für die Bestätigung der Authentizität des Pastells und für freundliche Hinweise.
Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935)
IM RUDERBOOT. 1920s
Pastel on paper (from a sketch book). 23,5 x 30 cm ( 9 ¼ x 11 ¾ in.). Signed in pencil lower right: MLiebermann.
Minimal scuff marks at the bottom. [3048]
Provenienz: Dr. Hans Heymann, Berlin / private collection, Eastern Germany / private collection, Berlin (until 1992) / Galerie Rosenbach, Hanover / Galerie Binhold, Berlin / private collection, Berlin (1992 acquired from Binhold, thence by descent to the present owner)
Literatur und Abbildung: Berlin, auction house „Union“ (Leo Spik), 28./29.4.1937, no. 35 (forced consignment; not sold in the auction) / 25. Kunstauktion: 19. und 20. Jahrhundert. Berlin, Villa Grisebach Auktionen, 30.5.1992, cat. no. 132, with colour illustration
We would like to thank Margreet Nouwen, Berlin, for confirming the authenticity of the pastel and for kindly providing additional information.
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