Lot 2
Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935) „Weiter Strand“. 1909(?) Öl auf Pappe. 32,7 × 40,2 cm ( 12 ⅞ × 15 ⅞ in.). Unten links signiert und nachträglich (irrtümlich) datiert: M.Liebermann 1900. Rückseitig ein Etikett der Galerie Paul Cassirer, Berlin, auf einem Etikett der Galerie Ernst Arnold, Dresden. Eberle 1909 / 23.– [3219] Provenienz: Galerie Paul Cassirer, Berlin / Galerie Ernst Arnold, Dresden (am 28.9.1909 bei Cassirer erworben) / Privatsammlung / Privatsammlung, Hessen (1995 erworben) Literatur und Abbildung: 148. Auktion. München, Weinmüller, 27. / 28.6.1973, Nr. 1266, Abb. Tf. 133 / Günter Busch: Max Liebermann, Maler, Zeichner, Graphiker. Frankfurt a.M., S. Fischer Verlag, 1986, S. 226, Abb. 203 (datiert „1910“) / Holly Prentiss Richardson: Landscape in the Work of Max Liebermann. Phil. Diss., 3 Bände. Ann Arbor, Brown University, 1991, hier Bd. II, S. 187, Nr. 530 Wer Weite erfahren möchte, muss ans Meer oder in die Berge reisen. Von einem Gipfel in entfernte Täler zu schauen, den gewaltigen Himmel an der See wahrzunehmen: Die Größe und Erhabenheit der Natur zu erleben, sei sie nun vom Menschen oder den Kräften der Erde geformt, zählt zweifellos zu den großartigsten Eindrücken, die ein Mensch haben kann. Max Liebermann wurde Zeuge, wie sich sein Berlin von einer beschaulichen Residenzstadt zur lauten, vollen und steinernen Hauptstadt des Deutschen Reiches wandelte. Eine zweite Heimat fand der Maler deshalb ab Mitte der 70er-Jahre in Holland, einem Land, das wie kaum ein zweites dem Meer verbunden ist. Zunächst malte er die Bäuerinnen, Seiler, Fischer und Hirtenmädchen an den Orten ihrer Arbeit, nahsichtig und erdverbunden. Liebermanns erstes, ganz im Freilicht entstandenes Werk soll der „Schreitende Bauer“ sein (Eberle 1894 / 7–10). Es existiert ein seitdem vielfach publiziertes Foto aus dem Jahr 1894, das die Situation festhält: Liebermann, sein Modell und die enorme, zwei Meter hohe Leinwand stehen in den Dünen. Der Blick des Malers verharrt auf dem Bauern, der wiederum tief in seiner Landschaft verwurzelt zu sein scheint. Dann, um 1900, verändert sich das Strandleben und wird modern. Aus den kleinen Fischerdörfern Zandvoort, Scheveningen oder Noordwijk werden mondäne Seebäder. Und wie Liebermann seine Farbpalette durch die Freiluftmalerei deutlich aufhellt, so wich auch die ernste Schwere seiner frühen Bilder einer heiteren Malerei, welche die Bewegungen der Badenden, der Reiter und der spielenden Kinder in gelockerter Pinselführung einfängt. Jetzt hebt auch Liebermann den Blick in die Ferne. Er sitzt auf dem Balkon eines der neu errichteten Strandhäuser, und vor ihm breitet sich die Nordseelandschaft aus. Liebermann, ganz nüchterner Preuße, nimmt die Schönheit der Natur zweifellos wahr. Doch die Eingriffe des Menschen in die Natur sind ihm ebenso selbstverständlich – und so kommt der Palisadenzaun des Nachbarn mit auf das Bild. Die wenigen Strandgäste an diesem bewölkten Tag werden hingetupft. In der dunstigen Luft fasst der Maler sämtliche Farbigkeit in wenigen Nuancen zusammen. Offenkundig fasziniert ihn be-sonders der Himmel. Großartig erfasst Liebermann mit breitem Strich Bewegung und Gegenbewegung der sich über ihm zusammenballenden Wolken. Seinen analytisch-genauen Blick übersetzt er in atmosphärische Dichte, in eine Malerei der Zwischentöne, die alles Grelle vermeidet. OH Max Liebermann (1847 – Berlin – 1935) „Weiter Strand“. 1909(?) Oil on cardboard. 32,7 × 40,2 cm ( 12 ⅞ × 15 ⅞ in.). Signed lower left and at a later date (erroneously) dated: M.Liebermann 1900. On the reverse a label of of Galerie Paul Cassirer, Berlin, on a label of Galerie Ernst Arnold, Dresden. Eberle 1909 / 23.– [3219] Provenienz: Galerie Paul Cassirer, Berlin / Galerie Ernst Arnold, Dresden (acquired from Cassirer on 28.9.1909) / Private collection / Private collection, Hesse (acquired 1995) Literatur und Abbildung: 148. Auktion. Munich, Weinmüller, 27. / 28.6.1973, no. 1266, ill. pl. 133 / Günter Busch: Max Liebermann, Maler, Zeichner, Graphiker. Frankfurt a.M., S. Fischer Verlag, 1986, p. 226, ill. 203 (dated "1910“) / Holly Prentiss Richardson: Landscape in the Work of Max Liebermann. Phil. Diss., 3 vols. Ann Arbor, Brown University, 1991, here vol. II, p. 187, no. 530
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01/06/2017
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