Lot 80
MODERSOHN, OTTO
1865 Soest - 1943 Rotenburg
Herbst im Moor. Um 1930. Öl auf Leinwand. 77,8 x 110,4cm. Signiert unten rechts: O. Modersohn. Rahmen.
Zu diesem Gemälde liegt eine Expertise von Christian Modersohn, Otto-Modersohn-Museum, Fischerhude vom 6. Mai 1995 vor.
Provenienz:
Sammlung F. Victor Rolff, Burg Gut Gladbach
Hier finden sie weitere Informationen zu der Sammlung:
<a href="http://www.van-ham.com/fileadmin/infos/Friedrich" victor rolff - burg gladbach.pdf target="_blank">Friedrich Victor Rolff - Burg Gladbach</a>
In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Otto Modersohn zum siebzigsten Mal.
Wir freuen uns, als Hommage an diesen beliebten deutschen Landschaftsmaler eine Reihe unterschiedlichster Ölgemälde anbieten zu können.
Schon während der Kinder- und Jugendzeit in Soest und Münster in Westfalen entwickelt Otto Modersohn eine zeichnerische Begabung sowie ein großes Interesse an der Pflanzen- und Tierwelt. Es ist für ihn also keine Frage, als er 1884 in die Kunstakademie Düsseldorf eintritt, dass er Landschaftsmaler werden will. Neben dem Unterricht bei Prof. Eugen Dücker studiert er bei Ferienbesuchen die Natur seiner heimatlichen Umgebung. Da ihm die starre Akademieausbildung zunehmend widerstrebt, verlässt er 1888 Düsseldorf.
Gemeinsam mit seinem Maler- und Studienfreund Fritz Mackensen und Hans am Ende besucht Modersohn im folgenden Jahr das abgelegene Moordorf Worpswede nahe Bremen. Mit der Natur als einzige Lehrmeisterin verbringen sie dort einen künstlerisch anregenden Sommer und gründen abseits der Kunstmetropolen die Künstlerkolonie Worpswede, der u.a. Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler beitreten. Von den französischen Barbizon-Malern beeinflußt, wollen die Maler eine Kunst schaffen, die das unmittelbare Verhältnis zur Natur widerspiegelt. Dementsprechend gestaltet Modersohn seine Landschaften mittels eines spontanen Duktus und einer subtilen, differenzierten Farbgebung. Mit dem Streben nach einer Kunst, die über das optische Sehen fast hinausgeht und die Eigenschaft der Dinge wiedergibt, greift er dem Ansinnen der deutschen Avantgardekünstler zu Beginn des neuen Jahrhunderts voraus. Doch wird er sich diesen nicht anschließen. Während seines gesamten Schaffens verfolgt er unbeirrt seinen eigenen Weg, wobei die Natur stets seine Inspirationsquelle ist.
1899 trennt sich Modersohn von dem Worpsweder Künstlerkreis. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten findet er für ein knappes Jahrzehnt in der Malerin Paula Becker nicht nur in künstlerischen Belangen eine wichtige Wegbegleiterin (nach dem Tod seiner erste Frau Helene heiraten sie 1901). Während eines Parisbesuches 1900 (ein weiterer folgt 1906) bringt Becker ihm die zeitgenössische Kunst der Franzosen nahe. Besonders die Werke von Paul Cézanne und Vincent van Gogh beeindrucken Modersohn nachhaltig.
Nach dem frühen Tod von Modersohn-Becker siedelt Modersohn 1908 in das Nachbardorf Fischerhude über. Hier erarbeitet er sich, unter dem Einfluß der französischen Malerei, ganz eigenständige Formulierungen. Deutlich nimmt er Abstand von der naturalistischen Darstellungsweise und gibt das Gesehene in einer vereinfachten Form- und Farbensprache wieder, wobei er seiner Stimmung angesichts des Erlebten Ausdruck verleiht. Zudem verändert er seine technische Malweise, so setzt er z.B. den pastosen Pinselstrich als mitbestimmendes Kompositionselement ein.
Während der 1920er Jahre arbeitet Modersohn sehr zurückgezogen. Er beteiligt sich weder an aktuellen Kunstismen noch am offiziellen Ausstellungsbetrieb. Dies bedeutet für ihn aber kein Stillstand entschlossen entwickelt er seine Malerei weiter. So nimmt er nun die Stofflichkeit des Dargestellten zugunsten des formal zusammengefassten Gefüges der Landschaftselemente zurück. Zudem vertieft er sein leuchtendes Kolorit. Dergestalt gelangt er zu einer Straffheit der malerischen Durcharbeitung, einem gleichmäßigen Bildrhythmus und einem melodischen Farbklang. Anregungen hierfür erhält er bei seinen vielen Studienfahrten, die er mit seiner dritten Ehefrau Louise unternimmt. Sie reisen nach Wertheim und Würzburg und ab 1926 immer wieder ins Allgäu, wo Modersohn 1930 ein Bauernhaus in Gailenberg bei Hindelang kauft.
Bis 1935 verbringt Modersohn die Frühlings- und Sommermonate in Gailenberg. Dann zwingt ihn die Netzhautablösung des rechten Auges, das Malen dort aufzugeben. Im letzten Lebensjahrzehnt arbeitet er ausschließlich im Fischerhuder Atelier. Seine Schaffenskraft lässt jedoch nicht nach, vielmehr entfaltet er seine Stilmittel weiter. Er legt den Kompositionen nun eine Flächigkeit zugrunde, in die er die dunklen, sonoren Farben und manchmal goldartige Akzente einwebt. Und mehr noch als zuvor gibt er seiner eigenen Befindlichkeit Ausdruck. Ein gewisser Ernst kommt in diesen stillen, geheimnisvollen Naturansichten mit ihren diffusen Lichtverhältnissen zum Tragen. Sie sind eine Momentaufnahmen der Seelenlandschaft des Malers.
MODERSOHN, OTTO
1865 Soest - 1943 Rotenburg
Autumn in the Moor. Ca. 1930. Oil on canvas. 77,8 x 110,4cm. Signed lower right: O. Modersohn. Framed.
Included is an expert assessemnt by Christian Modersohn, Otto-Modersohn-Museum,
Fischerhude, dated May 6, 1995.
Provenance:
F. Victor Rolff collection, Gut Gladbach Castle
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente