Lot 416
Molzahn, Johannes 1892 Duisburg - 1965 München Musik 1916. Öl auf Leinwand. 100,5 x 80,5cm. Signiert in der Darstellung rechts Mitte: Molzan. Verso von fremder Hand betitelt und bezeichnet. Modellrahmen. Auf der Rückseite befindet sich der Ausschnitt eines vormals größeren Gemäldes. Die Leinwand ist zwischen 1962 und 1965 auf einen neuen Keilrahmen aufgezogen und auf eine neue Leinwand aufgelegt worden, nicht doubliert. Die innere Rahmung mit Aluminiumleiste ist von Molzahn selbst. Provenienz: Galerie Der Sturm, Berlin (Aufkleber) Nachlass des Künstlers Johannes-Molzahn-Centrum für Dokumentation und Publication®, Kassel (Aufkleber) Ausstellungen: Galerie Der Sturm, Berlin Städtisches Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe, Darmstadt 1920, Kat.-Nr. 454 Katholische Akademie in Bayern, Kardinal-Wendel-Haus, München 1972, Nr. 1 Galerie Nächst St. Stephan, Wien 1973 Neue Galerie, Landesmuseum Joanneum, Graz 1973, Nr. 1 Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg 1988, Kat.-Nr. 4, Abb. Stadtgalerie im Sophienhof, Kiel 1992, Nr. 161, Abb. S.3 Literatur: Gries, Christian: Johannes Molzahn (1982-1965) und der 'Kampf um die Kunst' im Deutschland der Weimarer Republik (mit einem Werkverzeichnis der Gemälde), Diss. der Universität Augsburg 1996, S. 75, Wvz.-Nr. 21A, Abb. Ausst.-Kat. Das malerische Werk von Johannes Molzahn, Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg 1988, Kat.-Nr. 4, S. 15, 133, Abb. S. 40 Schade, Herbert: Johannes Molzahn - Einführung in das Werk und die Kunsttheorie des Malers, München 1972, S. 22, 25, 117, Abb. Tafel 5 Ganz zu Unrecht ist das Oeuvre Johannes Molzahns - Maler, Graphiker, Lehrer und Kunsttheoretiker - in Vergessenheit geraten, denn seine eindrucksvollen Arbeiten stehen exemplarisch für den Übergang der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts zur Moderne. Zudem findet er durch seine Auffassung von Kunst als Symbolsprache eine ganz eigene Position unter den progressiven Künstlern seiner Zeit. Molzahn gründet seine Kunst auf eine tiefe Religiosität, die einem Erlebniswandel von pantheistischer Vorstellung, mythologischen Bildern und mystischen Visionen unterliegt und immer im kosmischen Raum angesiedelt ist. In diese Kosmologie bezieht er auch den neuen Menschen, Flora, Fauna, Technik und Gegenwart gleichberechtigt mit ein. Im Streben nach einem Gesamtkunstwerk setzt er die bildnerischen Mittel nicht wegen ihrer ästhetischen Funktionen ein; vielmehr nutzt er diese allein als Träger einer tiefen, wahren Innerlichkeit. So arbeitet er mit Zeichen und Ornamenten, die den Betrachter zur Meditation einladen. Charakteristisch für sein Werk sind die sich stets im unendlichen Raum bewegenden Farb-Form-Kompositionen. Raum ist für Molzahn keine perspektivische Konstruktion, sondern eine geistige Wirkungsmöglichkeit des Bildes. In den frühen Arbeiten gewinnt er ihn durch futuristisch-kubistische Brechungen und Abgrenzungen, durch Schichtung von Flächen und durch den Distanzwert der Farbe. Trotz dieses Abstrahierens negiert er das figürliche Element nicht völlig, es bleibt stets sichtbar. Dies gilt auch für das hier vorgestellte Gemälde Musik, das ein bemerkenswertes Beispiel für Molzahns Schaffen vor 1920 ist: Die im Bildzentrum verdichteten Einzelformen lösen sich zu den Bildrändern hin auf und wandeln sich zu sich durchdringenden und wiederholenden Strukturen. Der so entstehende spannungsreiche Rhythmus wird von den gebrochenen Blautönen aufgegriffen, wobei rötliche und gelbliche Nuancen feine Akzente setzten. Auf diese Weise bringt Molzahn die Dingwelt zum Schweben und beschwört das Kosmische. Das Gemälde gehört zu der ersten geschlossenen Werkgruppe Molzahns und wird in seiner ersten Einzelausstellung gezeigt, die 1917 in der Berliner Sturm-Galerie präsentiert wird (Ausst.-Kat. Duisburg, S. 16). Dass Herwald Walden einen jungen Maler fördert, der am Beginn seiner Entwicklung steht, ist ungewöhnlich, denn ansonsten unterstützt er etablierte Avantgardekünstler. Doch Walden ist von Molzahns Bildern so überzeugt, dass sich eine fruchtbare Zusammenarbeit ergibt. So stellt Molzahn in den folgenden Jahren mehrmals bei ihm aus und schreibt auch immer wieder Artikel für die Sturm-Hefte, wie etwa 1919 das Manifest des absoluten Expressionismus, in dem er sein Bekenntnis zur expressiven Abstraktion formuliert (Nr.10, H. 6, 90/92) Molzahn, Johannes 1892 Duisburg - 1965 Munich Music. 1916. Oil on canvas. 100,5 x 80,5cm. Signed in the depiction centre right: Molzan. Verso titled and inscribed by someone other than the artist. Craftman's frame. Provenance: Galerie Der Sturm, Berlin (labelled) The artist's estate Johannes-Molzahn-Centrum für Dokumentation und Publication®, Kassel (labelled) Exhibitions: Galerie Der Sturm, Berlin Städtisches Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe, Darmstadt 1920, cat. nr. 454 Katholische Akademie in Bayern, Kardinal-Wendel-Haus, München 1972, Nr. 1 Galerie Nächst St. Stephan, Wien 1973 Neue Galerie, Landesmuseum Joanneum, Graz 1973, Nr. 1 Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg 1988, cat. nr. 4, Fig. Stadtgalerie im Sophienhof, Kiel 1992, Nr. 161, Fig. S.3 Literature: Gries, Christian: Johannes Molzahn (1982-1965) und der 'Kampf um die Kunst' im Deutschland der Weimarer Republik (mit einem Werkverzeichnis der Gemälde), Diss. der Universität Augsburg 1996, pg. 75, cat. rais. nr. 21A, Fig. Exhib. Cat. Das malerische Werk von Johannes Molzahn, Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg 1988, cat. nr. 4, pg. 15, 133, fig. pg. 40. Schade, Herbert: Johannes Molzahn - Einführung in das Werk und die Kunsttheorie des Malers, München 1972, pg. 22, 25, 117, fig. plate 5.
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06/06/2012
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