Lot 62
MÜNTER, GABRIELE 1877 Berlin - 1962 Murnau "Bauernhaus bei Regen". 1914. Öl auf Malkarton. 33 x 41cm. Signiert verso oben links: Münter. Hier Aufkleber mit der Nachlass-Nr. L121. Betitelt oben rechts. Rahmen. Diese Arbeit wird in das von der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung herausgegebene Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen. Provenienz: Galerie Gunzenhauser, Graphisches Kabinett, München (Aufkleber) Im Spätsommer 1908 entdeckt Gabriele Münter gemeinsam mit Wassily Kandinsky während eines Studienaufenthaltes in Murnau die malerischen Motive des bayrischen Voralpenlandes. Hier erlebt sie bis 1914 ihre fruchtbarste Schaffenszeit, die geprägt ist vom intensiven Austausch mit Künstlerfreunden der "Neuen Künstlervereinigung München" und des "Blauen Reiters". In dieser Phase höchster Produktivität gelingt ihr der malerische Durchbruch: "Ich habe da nach kurzer Zeit der Qual einen großen Sprung gemacht - vom Naturabmalen - mehr oder weniger impressionistisch - zum Fühlen eines Inhaltes - zum Abstrahieren - zum Geben eines Extraktes." (Münter, Tagebucheintragung, Mai 1911) Obwohl sie sich nun nicht mehr um die "richtige" Form der Dinge bemüht, löst sie sich doch bewusst nicht völlig vom Naturvorbild. Denn ihr Interesse gilt allein, die Welt so darzustellen, wie diese ihr wesentlich scheint. Immer wieder zieht Münter in die Natur hinaus, um ihre Umgebung in Skizzen und Gemälden "groß und einfach" festzuhalten. Das tut sie auch bei unserem "Bauernhaus bei Regen": Mit raschen und spontanen Pinselzügen bannt sie das Motiv auf den unbehandelten Malkarton, wobei sie sich reduzierter Ausdrucksmittel bedient. So beschränkt sie ihre Palette auf wenige gedämpfte Blau- und Grüntöne und bezieht das Beige des freigelassenen Malgrundes in die Komposition mit ein. Dazu setzt sie mit dem leuchtenden Braun der Baumkronen im Mittelgrund einen kontrastreichen Akzent. Sparsam nutzt sie auch ihr Formenvokabular. Die Architektur-, Landschafts- und Vegetationselemente stilisiert sie zu großen meist schwarz konturierten Flächen, die sie rhythmisch gestaffelt ineinander übergehen lässt oder gegeneinander absetzt, wodurch sie die räumliche Wirkung weitestgehend aufhebt. Die so entstehende Dynamik steigert sie mittels Binnenstrukturen und ihrem freien Duktus. Etwas Geheimnisvolles geht von diesem Bild aus, dem wir uns kaum entziehen können. Münter schildert hier nicht die Atmosphäre eines Regentages im Gebirge, sondern ihre subjektive Wahrnehmung angesichts des Vorgefundenen. So verweist das in die Landschaft "eingebettete" Bauernhaus auf die menschliche Existenz. Trotz des Schutzes des Gebäudes ist diese den Naturkräften ausgesetzt, worauf etwa der Regen und das herbstlich gefärbte Laub der Bäume hinter dem Haus deuten. Auf subtile Weise beschreibt Münter hier eindrucksvoll die Ursprünglichkeit des Lebens und den damit verbundenen immerwährenden Zyklus vom Werden und Vergehen. MÜNTER, GABRIELE 1877 Berlin - 1962 Murnau "Bauernhaus bei Regen". 1914. Oil on cardboard. 33 x 41cm. Signed verso top left: Münter. Here adhesive label with the estate no. L121. Titled upper right. Framed. The work will be registered in the catalogue raisonné of paintings by Gabriele Münter, published by the Gabriele Münter- and Johannes Eichner-Foundation. Provenance: Galerie Gunzenhauser, Graphisches Kabinett, Munich (adhesive label).
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art Moderne et Contemporain
50968 Köln - Allemagne
26/11/2015
Proposé par Van Ham
49 221 9258620