Lot 336
Nach Karl Friedrich Schinkel (Neuruppin 1781 – 1841 Berlin) Großer Kronleuchter mit drei Etagen – sog. Holzbronzekrone zu acht Lichtern. Um 1835 Holz, vergoldet, teilweise versilbert; Eisen, Zink, Blei; Holz; Stuckmasse (Holzbronze); originaler Kristallbehang – Hersteller: Holzbronzefabrik Carl August Mencke, Berlin. 116 cm; Ø 86 cm ( 45 ⅝ in.; Ø 33 ⅞ in.). [3380] Provenienz: 1980er Jahre Privatsammlung, London / Privatsammlung, Berlin Innerhalb von Schinkels entwurfskünstlerischem Oeuvre nehmen die Zeichnungen zu Kronleuchtern einen beachtlichen, jedoch bislang wenig erforschten Platz ein. Zu zahlreichen Ausstattungsprogrammen erdachte Schinkel die zugehörigen Leuchter, die seine Raumkonzepte ergänzten und bekrönten. Die Gestaltung dieses als „Schinkelkrone“ bekannten Leuchters hatte Schinkel 1834 in einer Entwurfszeichnung zur Einrichtung der Waldenburg-Wohnung im Palais des Prinzen August von Preußen (1779–1843) vordefiniert und in diesem Kontext den merkwürdigen Begriff „Holzbronze“ verwendet. Dabei wurden der aus Kreissegmenten zusammengesetzte Tragereif oder auch zusätzlich die sich nach oben verjüngenden Reifen aus Holz geschnitzt und nicht wie üblich aus Bronze oder Messing gegossen. Ganz im Sinne von Schinkel als Freund und Förderer neuer Ersatzmaterialien (Surrogate) und Herstellungstechniken sind bei dem Leuchter außerdem die geschwungenen Kerzenarme aus Eisen, die Aufsteckornamente aus Blei oder Zink sowie die Abschlussbekrönung aus einer harten Stuckmasse gefertigt. Alle Teile wurden anschließend in der Art von Spiegel- oder Bilderrahmen mit goldenem Firnis überzogen. Die Vergoldung unserer Krone ist hervorragend erhalten, und allerfeinste Nuancen versprechen besondere Lichtreflexe. Entstanden ist unsere Krone mit großer Sicherheit in der Werkstatt von Carl August Mencke. Der Berliner Fabrikant hatte bereits viele Innenausstattungen Schinkels mit vorgefertigten Dekorationselementen und Schalenleuchtern aus harter Stuckmasse beliefert, bevor er spätestens ab 1827 seine Produktpalette um solche Reifenkronen aus vergoldeten Holzringen mit Metall- und Stuckelementen erweiterte. Schinkelkronen nach diesem Typus sind in variierter Form vielfach bekannt. Bei annähernd gleichem Aufbau wechseln sich Lyren, Palmetten, Ranken und ähnliches als Dekorationen ab. Vergleichsobjekte finden sich zum Beispiel im Schloss und im Casino Glienicke bei Potsdam, im Berliner Knoblauchhaus, im Neuen Pavillon im Schlosspark von Charlottenburg sowie in Museen und Privatsammlungen. Diese reizvolle Krone ist ein Stück Schinkel und parallel ein Stück Zeitgeschichte. Sie markiert den Übergang vom traditionellen Zunftwesen zum Handwerk der Frühindustrialisierung, das Preußen in die Moderne führt. BK Vergleichsliteratur: Johannes Sievers: Karl Friedrich Schinkel. Lebenswerk: Die Möbel, Berlin 1950, S. 97, Abb. 237/238 Quelle: Karl Friedrich Schinkel: Entwurfszeichnung zu einem Kronleuchter der sog. Waldenburg-Wohnung im Palais des Prinzen August; in: Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kultur- besitz, Berlin, I HA, Rep. 133, Nr. 787, Bl. 78
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Objets d'art et de décoration anciens
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Catalogue
Orangerie. Objets Choisies
10719 Berlin - Allemagne
02/06/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0