Lot 358
Naum Slutzky (Kiew 1894 – 1965 Stevenage, England)
Großes Tafelbesteck mit 211 Teilen in einem Buffet-Möbel–Entwurf: Fritz Block. Um 1930
Tafelbesteck: Silber, gegossen; Messer mit Stahlklingen von J.A. Henckels, Zwillingswerk, Solingen. 11 – 35 cm (4 ⅜ – 13 ¾ in.) Silber mit Meisterzeichen: Hammer mit gewelltem Griffende im Kreis. Feingehaltszeichen: 800, Reichsstempelung: Halbmond, Krone. Stahlklingen: Fa. J.A. Henckels Solingen Zwillingswerk. Gesamtgewicht: 12.860 g / Buffet-Möbel: Eichenholz, teilweise lackiert; auf Nadelholzkorpus; Glas – Hersteller: Firma Loth, Hamburg. 178 × 112 × 52 cm ( 70 ⅛ × 44 ⅛ × 20 ½ in.).
[3133]
Provenienz: Anna Sophie (1895–1986) und Fritz Block (1889–1955), Hamburg, ab 1938 Los Angeles / Privatsammlung, Schweden (durch Erbschaft)
Ausstellung: Slutzky. Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, 1932/33 / Slutzky. Hamburg, Hamburger Kunstverein, 1932 (ohne Katalog) / Ein Bauhauskünstler in Hamburg. Naum Slutzky. 1894–1965. Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, 1995, Kat.-Nr. 42, S. 68, Abb. S. 69
Literatur und Abbildung: Edgar Lehmann. In: Der Kreis, Jg. VIII, Dezember 1931, S. 713 / Barbara Einzig: Los Angeles County Museum of Art Report, 1. Juli 1979 – 30. Juni 1981, 1981
Um 1930 erhielt Naum Slutzky von Fritz Block den Auftrag, ein umfassendes modernes Tafelbesteck zu entwerfen. Damit entstand eine Arbeit, die sich in Slutzkys Werk einzigartig ausnimmt und mit ihrem Umfang für 18 Personen beeindruckt. Alle Besteckteile sind feinsäuberlich in Besteckkästen eingelegt, die wiederum in einem von Block selbst entworfenen Buffetschrank aufbewahrt werden.
Sonderformen, die einst Tafelbestecke vervollständigten, wie der Pastetenheber, tauchen in diesem Besteck der Neuen Sachlichkeit nicht mehr auf. Die Blocks waren moderne Menschen, die wussten, wie man standesgemäß repräsentierte, aber auf Betonung von Reichtum verzichteten. Allzu opulente Auftritte waren für Fritz Block, der hochmoderne Geschäftshäuser baute, Auto fuhr und mit der Leica fotografierte, nicht mehr opportun.
Das fand in der Schmucklosigkeit der Bestecke seinen adäquaten Ausdruck. Slutzkys Entwurf für die Griffe sieht lediglich eine vereinfachte, länglich ausgezogene Tropfenform mit halbkreisförmigem Abschluss vor. Die Griffe sind flach ausgebildet, nicht, wie früher üblich, plastisch gestaltet. Auch auf Reliefverzierungen, Gravuren oder Monogramme wurde verzichtet. Nur die Messer haben einen erhabenen Griff, der aus zwei gestanzten, zusammengelöteten Schalen besteht, die den Klingendorn umschließen. Mit dieser schmucklosen Form steht Slutzkys Besteck in einer Tradition, die sich bis zu Josef Hoffmann und Henry van de Velde zurückverfolgen lässt. Van de Veldes Besteck von 1912 könnte als Inspirationsquelle gedient haben.
1932 eröffnete der Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg, Max Sauerlandt, eine Slutzky-Ausstellung, bei der das Besteck für Block gewürdigt wurde: „das puritanisch ausgeglichene Antlitz“ der Stücke entstehe „nur aus der Erhebung gedanklich klar revidierter, theoretischer Formen in künstlerischer Formung zur Gebrauchsform“ (In: Der Kreis, 1931).
Besteckherstellung wurde am Bauhaus in Weimar nicht gelehrt. Umso bemerkenswerter ist es, dass Slutzky auch diesen Auftrag annahm. Seine Urheberschaft dokumentierte er mit seinem Werkstattzeichen: einem Hammer mit gewelltem Griffende im Kreis. RJ
Folgende Teile sind enthalten:
17 Speisegabeln
16 Suppenlöffel
17 Messer
17 Dessertgabeln
17 Dessertlöffel
17 Dessertmesser
14 Kuchengabeln
17 Obstmesser
30 Teelöffel
17 Mokkalöffel
13 Fischgabeln
11 Fischmesser
2 Fischvorlagebestecke groß
1 Fischvorlagebestecke klein
1 Buttermesser
1 Spargelheber
2 Saucenschöpfer
1 Terrinenlöffel
Weitere Teile: 12-teilige Serie, seit 1980 im Los Angeles County Museum of Art, Inv.-Nr. M.80.145.1 (Geschenk von Anna Sophie Block)
Naum Slutzky (Kiev 1894 – 1965 Stevenage, England)
Silverware with 211 pieces in a credenza design: Fritz Block. Circa 1930
Cuttlery: silver cast; knife with steel blade from J.A. Henckels, Zwillingswerk, Solingen. 11 – 35 cm (4 ⅜ – 13 ¾ in.) Silver with master's mark: hammer with corrugated grip in a circle. Fineness mark: 800. Kingdom stamp: crescent moon, crown. Steel blade: Fa. J.A. Henckels Solingen Zwillingswerk. Total weight: 12.860 g / Buffet-furniture: oak, partially lacquered; on a coniferous body; glass – Manufacturer: Company Loth, Hamburg. 178 × 112 × 52 cm ( 70 ⅛ × 44 ⅛ × 20 ½ in.). Master's mark: hammer with corrugated grip in a circle. Fineness mark: 800. Kingdom stamp: crescent moon, crown. Steel blade: Fa. J.A. Henckels Solingen Zwillingswerk, rustproof. Total weight: 12.860 g.
[3133]
Provenienz: Anna Sophie (1895–1986) and Fritz Block (1889–1955), Hamburg, from 1938 Los Angeles / Private Collection, Sweden (by descent)
Ausstellung: Slutzky. Museum of Art and Trade, Hamburg, 1932/33 / Slutzky. Hamburg, Hamburg art association, 1932 (without catalogue) / Ein Bauhauskünstler in Hamburg. Naum Slutzky. 1894–1965. Hamburg, Museum of Art and Trade, 1995, cat. no. 42, p. 68, ill. p. 69
Literatur und Abbildung: Edgar Lehmann. In: Der Kreis, Jg. VIII, Dezember 1931, S. 713 / Barbara Einzig: Los Angeles County Museum of Art Report, 1. Juli 1979 – 30. Juni 1981, 1981
12-part series. Since 1980 in Los Angeles County Museum of Art, inv. no. M.80.145.1 (gift of Mrs. Anna Sophie Block)
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Objets d'art et de décoration anciens
À propos de la vente