Lot 621
Oskar Schlemmer (Stuttgart 1888 – 1943 Baden-Baden)
„Begegnung“. 1928
Lithographie auf Bütten. 41 × 31 cm (48,1 × 34,4 cm) ( 16 ⅛ × 12 ¼ in. (18 ⅞ × 13 ½ in.)). Signiert, datiert und gewidmet: „Für Frau Julia Feininger„ O. Schlemmer Mai 1928.
von Maur 511.–
Sehr selten. Leichte Randmängel. [3604]
Provenienz: Geschenk des Künstlers an Julia Feininger (seitdem in Familienbesitz)
1928 nahm das Schaffen Oskar Schlemmers eine Wende – der Künstler widmete sich nach fast dreijähriger Pause wieder entschieden der Malerei. Die Zeit davor hatte der Formmeister des Bauhauses hauptsächlich mit Arbeiten an Ballettinszenierungen und Bühnenbildern verbracht. Damals war er ganz von der Idee des Gesamtkunstwerks eingenommen und hatte als Kostümgestalter, Tänzer, Regisseur und Bildhauer Erfahrungen gesammelt. Doch nun merkte er, daß sich seine Vorstellung vom „Neuen Menschen“, der den Reformbestrebungen und den Errungenschaften der Moderne entsprach, am besten im Bild wiedergeben ließ. Dafür suchte Schlemmer einen post-individuellen Typus - die abstrahierende Formfindung betrachtete er als geistigen Ordnungsprozeß. Der Ordnung diente auch Schlemmers inniges Verhältnis zur Perspektive – er gilt nicht umsonst als einer der letzten großen Meister dieser in der Renaissance wieder entdeckten Disziplin.
Dies resultierte in ruhigen Tableaus, auf denen der Künstler Einzelfiguren und Gruppen in seiner unverwechselbaren Bildsprache darstellte. Doch kamen ihm dabei auch immer wieder Selbstzweifel. In seinem Tagebuch findet sich eine Stelle, in der Schlemmer darüber nachdenkt, ob er seinen vielleicht „zu geruhsamen Interieurs“ nicht eine neue „explosive, eruptive“ Idee gegenüber stellen solle. Diese Überlegungen führten ihn später zu dem Gemälde „Idealis- tische Begegnung“. Unsere Lithographie „Begegnung“ entstand in der Vorbereitung darauf. Anders als bei dem fertigen Gemälde verzichtet Schlemmer hier auf die Darstellung eines Raumes, die Tiefendimension wird lediglich in den unterschiedlichen Größen der Figuren deutlich.
Im Hintergrund sieht man ein Mann, der seine Hände vor der Brust verschränkt. Die Frau im Vordergrund, deren Blick gegen die übliche Leserichtung eine Diagonale von rechts unten nach links oben beschreibt, hält sich eine Hand vor ihr Gesicht. Die Gesten beider zeugen von Spannung und Erregung. In der leicht nach oben verschobenen Schulter der Frau mag der Betrachter eine Geste der Annäherung, ein subtiles Drängen erkennen. Dies ist ein entscheidender Aspekt dieser „Begegnung“: Schlemmer bekennt sich bei aller metaphysischen Überhöhung und Lust an der Typisierung zu den ursprünglichen Triebkräften menschlichen Handelns: zum Fühlen und Sehnen. OH
Oskar Schlemmer (Stuttgart 1888 – 1943 Baden-Baden)
„Begegnung“. 1928
Lithograph on laid paper. 41 × 31 cm (48,1 × 34,4 cm) ( 16 ⅛ × 12 ¼ in. (18 ⅞ × 13 ½ in.)). Signed, dated and dedicated: „Für Frau Julia Feininger„ O. Schlemmer Mai 1928.
Von Maur 511.–
Very rare. Minor margin imperfections. [3604]
Provenienz: Gift of the artist to Julia Feininger (thence by descent to the present owner)
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