Lot 248
Oskar Zwintscher (Leipzig 1870 – 1916 Dresden-Loschwitz) „BILDNIS MIT NARZISSEN“. 1907 Öl auf Leinwand. 91 x 75 cm ( 35 ? x 29 ½ in.). Auf dem Keilrahmen oben ein Aufkleber, mit Feder in Schwarz signiert und betitelt: Oskar Zwintscher, Dresden: Bildnis mit Narzissen. Günther 86.– Retuschen. [3160] Wer je Oskar Zwintschers „Bildnis einer Frau mit Zigarette“ aus dem Jahre 1904 gesehen hat, das seit der Neuhängung alle Blicke im Klinger-Saal des Dresdner Albertinums auf sich zieht (siehe Abbildung), spürt die besondere künstlerische Meisterschaft ihres Schöpfers. Ein Maler, wie 1900 Richard Muther spürte, „von charaktervoll herber Größe“. In Dresden hat sich im gesamten neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert jeweils eine ganz spezifische Spielart der vorherrschenden künstlerischen Richtung herausgebildet – so auch im Symbolismus. In Dresden ist er weniger naturmystisch ausgeprägt wie im Umfeld von Böcklin. Die sächsischen Symbolisten, also allen voran Zwintscher, Hans Unger und Sascha Schneider, legten vielmehr die gesamte Bedeutungsschwere der Gegenwart auf die Augenlider ihrer Portraits. Es sind ganz besondere Menschenbilder, die in den Jahren um 1905 in Dresden entstehen, in ihrem Realismus der Neuen Sachlichkeit vorgreifend und zugleich eine mediterrane Schwüle ausstrahlend, als hätte sie die abfallenden warmen Winde von den Weinhängen am Elbufer in die Malerei überführt. Zwintschers Portraitkunst kann sich mit den großen, viel bekannteren Namen der Jahrhundertwende messen, wie unser „Bildnis mit Narzissen“ demonstriert. Die Frauengestalt erscheint wie eingewebt in eine üppige Ornamentik, wie wir das von den etwas späteren Werken Gustav Klimts kennen. Das bislang nur als Schwarzweiß-Abbildung bekannte Werk Zwintschers, das seit Jahrzehnten in sächsischem Privatbesitz war, brilliert durch eine warme Farbgebung und eine faszinierende Mondänität, die von der Portraitierten ausgeht und die in flirrendem Kontrast steht zu der von der altdeutschen Malerei geprägten Genauigkeit in Zwintschers Menschenbeobachtung. Die Dargestellte scheint ermattet von der Moderne, innerlich pulsierend und voller Sehnsucht, doch nichts strahlt so wie ihr güldenes Armband, das zum kostbaren Zentrum des Bildes wird. „Die Betonung unbestimmter Seelenzustände ist für Zwintschers Frauenbildnisse charakteristisch“, schreibt Andreas Dehmer. Kein Wunder, daß der Künstler auf Einladung von Rainer Maria Rilke 1902 nach Worpswede reiste, um Rilke und seine Frau zu portraitieren. Auch die Narzissen, die dem Bild den Titel gaben, sind natürlich symbolisch in schönster Doppeldeutigkeit eingesetzt. (FI) Wir danken Rolf Günther, Freital, für freundliche Hinweise. Oskar Zwintscher (Leipzig 1870 – 1916 Dresden-Loschwitz) „BILDNIS MIT NARZISSEN“. 1907 Oil on canvas. 91 x 75 cm ( 35 ? x 29 ½ in.). On the upper stretcher bar a label, signed and titled in pen in black: Oskar Zwintscher, Dresden: Bildnis mit Narzissen. Günther 86.– Retouchings. [3160] We would like to thank Rolf Günther, Freital, for kindly providing additional information.
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Divers
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Catalogue
Art du XIXème siècle
10719 Berlin - Allemagne
26/11/2014
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0