Lot 22
Otto Mueller (Liebau/Schlesien 1874 – 1930 Breslau) „Stehende Zigeunerin mit Kind auf dem Arm“. 1926/27 Farblithographie und Kreide in Rot auf braunem Papier. 68,5 × 50,2 cm (70,2 × 50,2 cm) ( 27 × 19 ¾ in. (27 ⅝ × 19 ¾ in.)). Rückseitig unten mit dem Nachlassstempel (Lugt 1829d) in Rot, mit Bleistift von Erich Heckel bestätigt. Karsch 164 II.– Einer von 60 ungezählten Abzügen. Eines von 9 Blatt der Folge „Zigeuner“. Eigenverlag des Künstlers, 1927. Leichte Randmängel. [3199] 1924 reiste Otto Mueller erstmals zu den Sinti und Roma Südeuropas und verbrachte fortan die Sommermonate an der dalmatinischen Küste, in Ungarn und Bulgarien. Die Ideale des fahrenden Volkes waren bestimmt durch Freiheit, Liebe und Glück – Werte, die Otto Mueller faszinierten und nach denen er vielleicht auch auf der Suche war. Das Einfache, Ungebundene übertrug er auf seinen eigenen Lebensstil, so passte sein Hab und Gut am Ende seines Lebens ins zwei Kisten, einen dauerhaft festen Wohnsitz besaß der Künstler nur selten. Die Eindrücke vom alltäglichen Leben der „Zigeuner“ inspirierten Otto Mueller zu etlichen Gemälden und Zeichnungen, so dass schon bald der Mythos aufkam, er selbst stamme aus einer „Zigeunerfamilie“ und stünde diesem Volk aufgrund dessen besonders nah. Mueller bestätigte dies nie, allerdings stritt er es auch nicht ab. Die Idee eines unkonventionellen Lebenswandels in Abgrenzung zum Bürgertum muss ihm als Künstler gefallen haben. Aus der Zeit, die er beim fahrenden Volk verbrachte, stammt auch Otto Muellers bedeutendstes graphisches Werk, die „Zigeunermappe“. Sie wurde 1927 fertiggestellt und bestand aus neun Lithografien mit Darstellungen von Frauen, Kindern und Familien, darunter auch „Stehende Zigeunerin mit Kind auf dem Arm“ oder „Zigeunermadonna“. Otto Mueller zeigte die Menschen in ihrer alltäglichen Umgebung, ohne romantische Verklärung, jedoch auch ohne ausgeprägt sozialkritische Untertöne. Lediglich die ernsten Gesichtszüge von Mutter und Tochter (?) in dem Blatt „Zwei Zigeunerinnen“ deuten vage auf eine nicht nur freudig-freie Lebensrealität hin. Der erhoffte finanzielle Erfolg der „Zigeunermappe“ wollte sich nicht recht einstellen. So entschloss sich Otto Mueller, die Blätter auch einzeln zu verkaufen. Nach seinem Tod 1930 befanden sich noch 47 von ursprünglich 60 gedruckten Exemplaren sowie einzelne Blätter im Nachlass des Künstlers. Komplette Mappen existieren heutzutage nur noch wenige. Mit der „Zigeunermappe“ schuf Otto Mueller sein letztes grafisches Werk. Ihre ausdrucksstarke Wirkung haben diese Lithografien bis heute nicht verloren. ST Otto Mueller (Liebau, Silesia 1874 – 1930 Wrocław) „Stehende Zigeunerin mit Kind auf dem Arm“. 1926/27 Colour lithograph and red chalk on brown paper. 68,5 × 50,2 cm (70,2 × 50,2 cm) ( 27 × 19 ¾ in. (27 ⅝ × 19 ¾ in.)). On the reverse at the bottom with the estate stamp in red (Lugt 1829d), confirmed in pencil by Erich Heckel. Karsch 164 II.– One of 60 unnumbered prints. One of 9 sheets from the set "Zigeuner“. Artist's edition, 1927. Minor margin imperfections. [3199]
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Dessins, aquarelles et pastels
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Selected Works
10719 Berlin - Allemagne
30/05/2019
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0