Lot 14
Otto Mueller (Liebau/Schlesien 1874 – 1930 Breslau)
„Zwei weibliche Akte im Wald“.
Aquarell über schwarzer und blauer Kreide auf hellbraunem Papier. 67,8 × 52,2 cm ( 26 ¾ × 20 ½ in.). Unten rechts signiert: Otto Mueller.
Nicht bei von Lüttichau / Pirsig. Das Aquarell wird unter der Nr. 928 aufgenommen in die überarbeitete Version des Werkverzeichnisses von Dr. Mario- Andreas von Lüttichau, Essen, und Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Münster (in Vorbereitung).–
Rückseitig: Skizze der beiden Figuren in blauer Kreide (um 180° gedreht). Kleine Randmängel. [3102]
Provenienz: Privatsammlung, Brandenburg
„Hauptziel meines Strebens ist, mit größtmöglicher Einfachheit Empfindung von Landschaft und Menschen auszudrücken; mir vorbildlich auch für das rein Handwerkliche war und ist noch jetzt die Kunst der alten Ägypter“, so formulierte Otto Mueller seine künstlerische Antriebskraft 1919 in einem Brief an den Berliner Galeristen Paul Cassirer. Von diesem Streben zeugt das großformatige Aquarell „Zwei weibliche Akte im Wald“ über schwarzer und blauer Kreide: Eine liegende junge Frau mit angewinkelten Knien und eine zweite, stehend im Profil, sind Teil einer flirrenden, in dynamischem Duktus ausgeführten Landschaft. Ihre Gesichter und die für die Zeit typischen Pagenköpfe hat Mueller lediglich angedeutet. Auch sonst verzichtete der Maler bei den weiblichen Figuren weitgehend auf Details. Geschickt nutzte er den hellbraunen Farbton des Papiers für das Inkarnat der schlanken Körper. In der Reduktion der Formen auf die „größtmögliche Einfachheit“, die Mueller Cassirer gegenüber erwähnte, evoziert das intim wirkende Aquarell ein paradiesisches Idyll.
Otto Mueller, der das Fundament seiner malerischen Ausbildung an der Dresdner Kunstakademie erhalten hatte, lebte seit 1908 in Berlin. Hier lernte er bald Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel kennen und wurde Mitglied der Brücke. Im Austausch mit den Künstlern der 1905 in Dresden gegründeten Vereinigung, die sich dem Credo des Unmittelbaren und Unverfälschten verschrieben hatte, gelangte er zu größter Schaffenskraft. Gemeinsam mit Heckel und Kirchner, denen er nach Auflösung der Brücke freundschaftlich verbunden blieb, arbeitete Mueller auch an der Ostsee und den Moritzburger Teichen bei Dresden. In freier Natur fand er zum zentralen Thema seines Schaffens: In ungezählten Variationen widmete er sich dem Akt in der Landschaft, so auch beim vorliegenden Aquarell. Der Kunstkritiker Karl Scheffler hat 1919 seine Faszination für die Werke Muellers in eindringliche Worte gefasst: „Da ist vor allem die Fähigkeit des Malers, sinnliche Eindrücke unmittelbar zu verwerten und dem anmutig Schönen das Charakteristische zu erhalten. Überall spürt man dieses sinnliche Erlebnis; durch den Stil dringt allerenden die Natur.“ (Kunst und Künstler, 17. Jg., H. 9, Juni 1919, S. 352f.)
GK
Otto Mueller (Liebau, Silesia 1874 – 1930 Wrocław)
„Zwei weibliche Akte im Wald“.
Watercolour over black and blue chalk on light brown paper. 67,8 × 52,2 cm ( 26 ¾ × 20 ½ in.). Signed lower right: Otto Mueller.
Not in the catalogue raisonné by of Lüttichau / Pirsig. The watercolour will be included as number 928 in the reworked version of the catalogue raisonné by Dr. Mario- Andreas von Lüttichau, Essen, and Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Münster (in preparation).–
On the reverse: sketch of both figures in blue chalk (turned 180°). Minor imperfections in the margins. [3102]
Provenienz: Private collection, Brandenburg
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
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