Lot 804
Otto Piene (Laasphe/Westfalen 1928 – 2014 Berlin) „Rasterbild“. 1957/81/87 Öl auf Karton auf Leinwand. 80 × 99 cm ( 31 ½ × 39 in.). Rückseitig auf der Leinwand und auf dem Keilrahmen mit Filzstift in Schwarz betitelt, signiert [im Kreis] und datiert: “Rasterbild“ Piene 57/81/87. [3644] Provenienz: Galerie Heimeshoff-Krüper, Essen / Privatsammlung, Deutschland Günter Engelhard Pienes Rasterbild ist ein erster früher Weckruf für den Aufbruch in eine neue Welt der Kunst ZERO bezeichnet als Kunstbegriff die vollständige Leere. Erst mit dem Nullpunkt beginnt sich die Leere zu füllen. Otto Piene, der ab 1958, also vor ziemlich genau 70 Jahren, mit Heinz Mack (und bald darauf auch mit Günther Uecker) der abstrakten Expression und dem Informel das Signet ZERO als Startnummer für die malerisch strukturierte Lichtbewegung entgegensetzte, hatte der NULL damals schon eine Menge Punkte vorausgeschickt. Zu den schönsten summieren sich jene Erhebungen und Vertiefungen aus Ölfarbe, die sich in wechselndem Rhythmus zu „kreisweißen“ Rondellen und Gitternetzen verbinden – besonders schlüssig auf diesem „Rasterbild“, das winzige Iglus wie Runddörfer auf einer arktischen Eisfläche zu versammeln scheint. So zielstrebig verfolgte der an den Münchner und Düsseldorfer Akademien ausgebildete Maler und Kunsterzieher sein kinetisches Konzept, dass er dem Bild gewordenen Gedankengut schließlich die beim Denken erzeugte Aura verlieh. Der Künstler mit dem philosophischen Staatsexamen legte sich auf die erste Ziffer der Zahlenreihe fest: Aus der seriellen Malerei entwickelten Mack/Piene/Uecker die strahlende Klasse der ZERO-Artefakte – Stationen der Bewegung vom Nullpunkt her. Pienes „Rasterbild“, von der Hand des Künstlers mit drei Jahreszahlen versehen (1957, 1981, 1987), umfasst drei Phasen der Aufwertung. Davor hatte es 30 Jahre gebraucht, bis der Maler dem Reiz seiner Arbeit gerecht geworden war. Die ursprüngliche Ölmalerei auf Karton war entstanden, als Piene und Mack zwischen April und Oktober 1957 bildhungrige Interessenten zu den ersten vier „Abendveranstaltungen“ für ein paar Stunden in ihr Atelier lockten. Schon kurz darauf hatte der Malerphilosoph seinen Geistesblitz: Während eines Umtrunks in „Fattys Atelier“ markierte er mit ZERO die von ihm und Mack geschaffene Gegenströmung zu den informellen Handschriften. Der Weckruf für den Aufbruch aus dem reinen Nichts, das von Piene als „Zone des Schweigens“ definiert wurde, beflügelte ab sofort alle von Licht und Luft, Feuer und Rauch geprägten Farb- und Materialbewegungen. Viele Jahre später stieß Otto Piene abermals auf das „Rasterbild“. 1981, nachdem er längst begonnen hatte, an der University of Pennsylvania seine visuellen Systeme zu entwickeln, um anschließend von 1972 bis 1984 als Professor für Umweltkunst am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu lehren und dort das Center for Advanced Visual Studies (CAVS) zu leiten, sah er seinen lang beiseitegelegten Ölkarton plötzlich mit neuen Augen. Sofort machte Piene den Karton kostbar: Er verwandelte ihn in ein „marouflé sur toile“, ein auf Leinwand geleimtes Prachtstück Malerei, das in den Augen des Betrachters den Eindruck hinterlässt, die Hand des Künstlers sei noch immer dabei, ihre Spuren zu hinterlassen – nicht nur punktuell durch Siebe auf die folglich vibrierende Fläche gedrückt, sondern auch an den Rändern, im Quellmaterial des Klebstoffs. 1987 verlieh der Maler allen energetischen Impulsen innerhalb dieses einzigartigen Exemplars aus der Serie seiner ersten Rasterbilder durch Rahmung den festen Halt. Auf der Rückseite fügte er unterhalb der Signatur alle drei Jahreszahlen hinzu. In der Spanne dieser Jahre entstand, was ihn unverkennbar machte: die lange Reihe der Rauchzeichnungen und der meteorhaft im Bildinneren zentrierten Feuergouachen mit ihren flammenden Farben. Unter dem Begriff „Sky Art“ malte er seine Botschaften sogar an den Himmel. In langen, weißen Ballons schlug im Sommer 2014 die abgefüllte Luft auf dem Dach der Neuen Nationalgalerie lebhaft pulsierende Wogen, bevor in der gleichen Nacht das Herz des 86-jährigen ZERO-Propheten in einem Berliner Taxi aussetzte. Seit 2016 zieht nun ein Asteroid namens „Ottopiene“ durch den Weltraum – sinnfällige Ehrung für den Künstler, der die Erleuchtung für seine materiellen Illuminationen aus dem universalen Schauspiel der Elemente bezog –, nachdem die Notationen auf einem der ersten „Rasterbilder“ ihm den Weg gewiesen hatten. Otto Piene (Laasphe, Westphalia 1928 – 2014 Berlin) „Rasterbild“. 1957/81/87 Oil on cardboard on canvas. 80 × 99 cm ( 31 ½ × 39 in.). On the reverse of the canvas and on the stretcher titled, signed [in a circle] and dated in black felt-tip pen: “Rasterbild“ Piene 57/81/87. [3644] Provenienz: Galerie Heimeshoff-Krüper, Essen / Private collection, Germany
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art Contemporain
10719 Berlin - Allemagne
02/12/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0