Lot 711
Otto Piene (Laasphe/Westfalen 1928 – 2014 Berlin) „TELL TALE“. 1999/2003 Öl und Ruß auf Leinwand. 123,5 x 122 cm ( 48 ⅝ x 48 in.). Rückseitig mit Filzstift in Schwarz signiert, datiert und betitelt: Piene ‘99/2003 “Tell Tale“. [3208] Provenienz: Privatsammlung, USA „Die Farben gehören zu den empfindlichsten Erscheinungen, denen der Mensch begegnet.“ (Zit. nach: Otto Piene: 10 texte. nota münchen / dato frankfurt, 1961. S. 5) Als Otto Piene und Heinz Mack im April 1957 die Kunstbewegung ZERO in Pienes Düsseldorfer Atelier in der Gladbacher Straße gründeten, waren sie, ausgelöst von ihren eigenen Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges und der Explosion der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki, von humanistischen Gedanken geprägt. Bald schloss sich auch Günther Uecker der Gruppe an. Ihre Werke, Installationen und Aktionen sollten alles bis dahin als künstlerisch Geltende unberücksichtigt lassen und vielmehr mit den elementaren Kräften der Natur experimentieren: mit Energiequellen wie Licht, Feuer, Bewegung und Wind. In Pienes Atelier fanden insgesamt neun Abendausstellungen statt, an denen neben den drei Genannten auch ihnen nahestehende Künstler teilnahmen. 1960 entstanden die ersten Rauch- und Feuerbilder. Otto Piene schuf seine Feuerblumen und bunte Feuergouachen, indem er partiell mit brennbarer Farbe auf Leinwand malte und diese anschließend anzündete. Feuer- und Brandspuren beeinflußte Piene durch Bewegung der Leinwand. Die Farbe in ihrer „empfindlichen Erscheinung“ wird dabei vom Feuer sozusagen übermalt, aber auch verletzt. Da er die Bilder mit Händen hielt, sind den Formaten Grenzen gesetzt. Doch „Tell Tale“ ist weit mehr als eine Komposition mit Farbe auf Leinwand. Es visualisiert seine Historie vor dem Feuer, bevor die Hitzeeinwirkung verschiedene Farbbereiche und Zeitebenen ineinander fließen läßt. Otto Piene, der sein Schaffen mit eigenen Texten begleitet hat, antwortet in einem seiner 1961 erschienen „10 texte“ auf die Frage „Was ist ein Bild?“: „Das Bild ist ein Kraftfeld, Arena der Begegnung von Energien des Autors, geschmolzen, gegossen in die Bewegung der Farbe, empfangen aus der Fülle des Universums, geleitet in die Kapillaren der offenen Seele des Betrachters.“ (a.a.O. S. 29) Die durch ZERO geschaffene Verbindung von Kunst, Natur, Wissenschaft und Technik gilt heute als richtungweisend. Bis Anfang Januar 2015 widmet das Guggenheim Museum in New York der ZERO Bewegung die erste umfassende Ausstellung in den USA. (AGT) Otto Piene (Laasphe, Westphalia 1928 – 2014 Berlin) „TELL TALE“. 1999/2003 Oil and soot on canvas. 123,5 x 122 cm ( 48 ⅝ x 48 in.). On the reverse signed, dated and titled in black felt-tip pen: Piene ‘99/2003 “Tell Tale“. [3208] Provenienz: Private collection, USA
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
BRD - Art Contemporain Allemand
10719 Berlin - Allemagne
28/11/2014
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0