Lot 253
Pablo Picasso (Málaga 1881 – 1973 Mougins)
„La femme à la fenêtre“. 1952
Aquatinta auf Arches-Velin. 83,2 × 47,4 cm (90,8 × 63,7 cm) ( 32 ¾ × 18 ⅝ in. (35 ¾ × 25 ⅛ in.)). Signiert.
Baer 891 II B.b.1 (von C).–
Einer von 50 nummerierten Abzügen. Paris, Galerie Louise Leiris, 1952. [3410]
Provenienz: Michael Hertz, Bremen, 1987
Ausstellung: Pablo Picasso. Frauen – Stiere – Alte Meister. Berlin, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, 2014, Kat.-Nr. L 30, Abbildung S. 64 / Kunst - Handel - Leidenschaft. 50 Jahre Galerie Pels-Leusden. Berlin, Kampen, Zürich, 2000, Abbildung S. 180 (in der Fotografie oben links)
Kaum ein Künstler hat sich selbst ein so reiches Universum geschaffen wie Pablo Picasso – ein Universum, in dem er völlig frei über seine gestalterischen Mittel verfügt. Spielerisch und scheinbar mühelos bewegt er sich zwischen den Medien, überprüft immer wieder seine Themen und Materialien, interpretiert sie neu, erweitert die Grenzen des Möglichen. Dabei greifen künstlerische Ausdrucksformen und persönliche Lebensumstände so eng ineinander wie bei kaum einem anderen.
„La femme à la fenêtre“ ist Françoise Gilot, Picassos Lebensgefährtin der Jahre 1943-1953. In Paris während der Zeit der deutschen Besatzung hatte er die junge selbstbewusste Malerin kennengelernt und war mit ihr nach Kriegsende an die Côte d’Azur gezogen. Die Lebensfreude der gemeinsamen Jahre in Antibes und Vallauris, in denen auch die Kinder Claude und Paloma geboren wurden, spiegelt sich in Picassos Motiven tanzender Mänaden, Flöte spielender Faune und den Bildnissen von Françoise als eleganter „Blumenfrau“ – stets en face und in üppigen organischen Formen dargestellt.
Für sein eindringliches, die Geliebte geradezu sezierendes Bildnis wählt Picasso das druckgraphische Verfahren der Aquatinta, bei dem malerische und grafische Gestaltung ineinander übergehen, sowie erstmals die Profilansicht – anknüpfend an die Dora Maar Portraits der 1930er-Jahre. Kubistische Formanalyse und geometrische Stilisierung stehen sinnbildlich für eine drastische Veränderung der Liebesbeziehung. Trotz aller Deformation bleibt die Individualität der Dargestellten gewahrt. Ihr ist eine große Formenvielfalt aus stilllebenhaften Elementen, pflanzlich ornamentalen und zart hingetupften Strukturen gewidmet, die sich zu einer vielschichtigen Portraitstudie fügen. Ein besonderer Akzent liegt auf den ausdrucksvollen Händen, die sich wie große Blätter an die Wand des gläsernen Kerkers pressen, in den der Maler seine Blumenfrau gesperrt hat.
Susanne Schmid, Berlin
Ich hatte das große Glück, dass die Wohnung meiner Mutter in Bremen nur fünfzig Meter vom großen Kunsthändler Michael Hertz entfernt lag, dem Repräsentanten von Daniel Kahnweiler in Deutschland. So habe ich schon früh immer wieder Werke von Baumeister, Nay, Oelze und natürlich Picasso in seiner Galerie gesehen. Dort entdeckte ich erstmals auch die beiden Picasso-Blätter „L’Égyptienne“ (Kat.-Nr. 254) und „La Femme à la fenêtre“, die zu meinen ersten großen Kunsterlebnissen gehören. Beide Werke haben mich mitten ins Herz getroffen. Leisten konnte ich sie mir danach natürlich nicht, was zu verschmerzen war, weil beide Blätter zur Privatsammlung des Kunsthändlers gehörten. Als Michael Hertz dann 1987 starb, habe ich als erste „La Femme à la fenêtre“ erworben und zwei Jahrzehnte später dann auch „Torse de femme“.
Bernd Schultz, Berlin
Pablo Picasso (Málaga 1881 – 1973 Mougins)
„La femme à la fenêtre“. 1952
Aquatint on Arches wove paper. 83,2 × 47,4 cm (90,8 × 63,7 cm) ( 32 ¾ × 18 ⅝ in. (35 ¾ × 25 ⅛ in.)). Signed.
Baer 891 II B.B.1 (of C).–
One of 50 numbered prints. Paris, Galerie Louise Leiris, 1952. [3410]
Provenienz: Michael Hertz, Bremen, 1987
Ausstellung: Pablo Picasso. Frauen – Stiere – Alte Meister. Berlin, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, 2014, cat. no. L 30, Illustration p. 64 / Kunst - Handel - Leidenschaft. 50 Jahre Galerie Pels-Leusden. Berlin, Kampen, Zürich, 2000, Illustration p. 180 (in the photograph upper left)
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