Lot 6
Pablo Picasso (Málaga 1881 – 1973 Mougins)
„Saltimbanque en costume rouge“. 1923 (?)
Aquarell auf Papier. 32 × 24,4 cm ( 12 ⅝ × 9 ⅝ in.). Oben rechts mit Feder in Schwarz signiert: Picasso. Rückseitig oben links mit Bleistift (vom Künstler?) datiert: 4 – I – 23.
Zervos Bd. 5, Nr. 7 (datiert „Hiver 1922/23“).–
Gebräunt, Farben leicht geblichen. [3203]
Provenienz: Carl Roesch, Diessenhofen (wohl in den 1930er-Jahren in Paris erworben, bis 1979, seitdem in Familienbesitz)
Picassos erste Darstellungen von Harlekinen und Gauklern stammen aus dem Jahr 1905. Seitdem hat er diese Motive in verschiedenen Werkphasen immer wieder aufgegriffen. Picasso liebte es zeitlebens, in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen: Außer als Harlekin präsentierte sich der Maler auch als Pan, als Minotaurus oder Matador. Jede dieser Identitäten spiegelte eine andere Seite seiner Persönlichkeit. 1905 sah sich der Maler noch als Artist, der durch die Welt wandert und außerhalb der gesellschaftlichen Norm steht.
Zu dieser Zeit besuchte Picasso mit seinen Freunden fast jede Woche den Zirkus Medrano in Paris. In jenem Jahr sandte Apollinaire ihm sein Gedicht „Saltimbanques“, das erst Jahre später veröffentlicht wurde. Die Ambivalenz zwischen Freiheit und Einsamkeit, die sich in den Figuren des fahrenden Volkes manifestiert, reizte den Künstler stark. 1917 unternahm Picasso eine Reise nach Rom, die ihm nicht nur den Wandel von der kubistischen zu einer wieder mehr naturalistischen Bildsprache bringt. Auf ihr kehrt er auch wieder zum Thema der Gaukler zurück. Äußerer Anlass war seine Arbeit an den „Ballets Russes“: Jean Cocteau konnte damals Picasso überzeugen, Bühnenbild, Vorhang und Kostüme für das Ballett „Parade“ zur Musik von Erik Satie zu gestalten. In der Folgezeit entstanden mehrere Harlekin-Bilder, zu denen auch unsere Arbeit gehören dürfte.
Mit lässig überschlagenen Beinen sitzt der Gaukler auf einem Stuhl. Er trägt das typische Kostüm aus roter Jacke und Kniebundhose über weißen Strümpfen. Eine Hand greift an die Stuhllehne, die andere stützt den Kopf. In dieser Geste liegt etwas Abwartendes und Nachdenkliches, das im Gegensatz zur Stegreifkomik auf der Bühne steht. Möglicherweise wartet der Mann auf seinen Auftritt. Picassos Pinselauftrag ist locker. Nur an wenigen Stellen, den Armen und am linken Knie, unterstützt eine dunkle Umrisslinie die Figur. Den Raum hat der Künstler mit wenigen Strichen in Gelb und Blau skizziert. Picasso zeigt in dieser Arbeit einen Gaukler ohne Publikum: Es ist ein Bild der Melancholie. OH
Das Aquarell wurde der Picasso Administration, Paris, am 5.12.2017 im Original vorgestellt und die Authentizität von Claude Picasso bestätigt.
Pablo Picasso (Málaga 1881 – 1973 Mougins)
„Saltimbanque en costume rouge“. 1923 (?)
Watercolour on paper. 32 × 24,4 cm ( 12 ⅝ × 9 ⅝ in.). Signed in pen and black ink upper right: Picasso. Dated on the reverse upper left in pencil (by the artist?): 4 – I – 23.
Zervos vol. 5, no. 7 (dated "Hiver 1922/23“).–
Time staining, colours slightly faded. [3203]
Provenienz: Carl Roesch, Diessenhofen (presumably acquired in the 1930s in Paris, until 1979, thence by descent to the present owner)
The watercolour was presented to the Picasso Administration, Paris, on 5 Dec. 2017 in the original and the authenticity was confirmed by Claude Picasso.
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Dessins, aquarelles et pastels
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