Lot 39
Paul Klee (Münchenbuchsee 1879 – 1940 Muralto/Locarno)
„Burg auf dem Riff“. 1927
Aquarell, teilweise mit Deckweiß, und Tuschfeder auf Bütten, vom Künstler auf Karton montiert. 30,5 × 45,8 cm (ca. 45,5 × 60 cm) ( 12 × 18 in. (ca. 17 ⅞ × 23 ⅝ in.)). Oben rechts signiert: Klee. Auf dem Karton unterhalb der Darstellung datiert, bezeichnet und betitelt: 1927 X. 7 Burg auf dem Riff. Unter der linken Darstellungsecke mit Bleistift bezeichnet: VI. Auf der Kartonrückseite ein Etikett der Galerien Alfred Flechtheim, Berlin und Düssel- dorf.
Paul-Klee-Stiftung 4451.–
[3480]
Provenienz: Rudolf Probst, Dresden (Galerie Neue Kunst Fides) (bis 1929) / Alfred Flechtheim, Düsseldorf/Berlin/Paris/London (1929) / Daniel-Henry Kahnweiler, Paris / The Mayor Gallery, London (bis 1935) / Leicester Galleries, London / Ernest Brown, London / Fischer Fine Art Ltd., London / John & Paul Herring & Company, Inc., New York / David Thomson, Toronto (1988) / Galerie Thomas, München / Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Paul Klee. London, Leicester Galleries, 1941, Kat.-Nr. 40
Literatur und Abbildung: Auktionskatalog London, Sotheby´s, 29. Nov. 1972, Nr. 73, Farbabbildung / Annegret Janda: Paul Klee und die Nationalgalerie 1919-1937. In: Paul Klee. Vorträge der wissenschaftl. Konferenz in Dresden, 19./20. Dez. 1984. Hg. von den Staatl. Kunstsammlungen Dresden und dem Verband bildender Künstler der DDR, Dresden 1986, S. 48 / Christine Hopfengart: Klee an den deutschen „Museen der Gegenwart“, 1916-1933. In: Paul Klee – Kunst und Karriere. Beiträge des Internat. Symposions in Bern. Hg. von Oskar Bätschmann und Josef Helfenstein (Schriften und Forschungen zu Paul Klee, Bd. 1), Bern 2000, S. 75, Anm. 63
Im Herbst 1920 wurde Paul Klee an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen und begann zum folgenden Sommersemester seine Lehrtätigkeit. Klees Jahre dort und anschließend von 1926 bis 1931 in Dessau waren durch höchst innovatives und experimentierfreudiges Schaffen geprägt, das von einem umfassenden und tiefgehenden Interesse an theoretischen Überlegungen begleitet wurde. Sein Unterricht, den er „Beiträge zu einer bildnerischen Formlehre“ nannte, brachte Klee dazu, intuitives gestalterisches Vorgehen in ein präzises analytisches System zu überführen. Die gedankliche Auseinandersetzung mit den Prinzipien von Harmonie und Gleichgewicht, Bewegung und Dynamik sowie dem Zusammenspiel von Farbe, Linie und Form inspirierte auch das malerische und zeichnerische Werk des Künstlers. Es entstanden Arbeiten mit zunehmend abstrahierenden und geometrischen Elementen, Farbstufen- und Quadratbilder sowie die sogenannten Polyphoniestudien, in denen der Maler analog zur Musik eine bildnerische „Vielstimmigkeit“ erzeugen wollte.
Im Sommer 1927 unternimmt Paul Klee eine mehrwöchige Reise nach Südfrankreich und Korsika. Seine Wahrnehmung der Landschaft im warmen mediterranen Licht und die feinsinnige Umsetzung im Aquarell „Burg auf dem Riff“ zeigt deutlich den hohen Stellenwert, den Naturformen und Sinneseindrücke in Klees Kunstverständnis auch in der Bauhaus-Zeit weiterhin einnehmen. Unregelmäßige, schroff gezackte Formen bilden das im Bildtitel genannte Riff, das je nach Lichteinfall und Lage im Wasser in vielfältigen Farbabstufungen schimmert. Obwohl die scharfen Kanten fest ineinander verzahnt sind, entsteht kein statisches Gebilde, sondern der fragile Organismus eines lebenden Wesens, das sich in sanften Wellenbewegungen hebt und senkt. Die verschiedenen Blautöne schaffen Tiefe und Weite als Dimensionen, in denen sich die Naturgesetze, Leben und Bewegung abspielen. Im Zusammenklang der Bildelemente tut sich Allgemeingültiges und Allumfassendes auf, womit Paul Klee dem Rationalen, Konstruktiven und Messbaren eine geistige und poetische Ebene hinzufügt.
Sch
Paul Klee (Münchenbuchsee 1879 – 1940 Muralto/Locarno)
„Burg auf dem Riff“. 1927
Watercolour, partially with opaque white, and pen and India ink on laid paper, mounted on cardboard by the artist. 30,5 × 45,8 cm (approx. 45,5 × 60 cm) ( 12 × 18 in. (approx. 17 ⅞ × 23 ⅝ in.)). Signed upper right: Klee. On the cardboard below the image dated, inscribed and titled: 1927 X. 7 Burg auf dem Riff. Under the left corner of the image inscribed in pencil: VI. On the reverse of the cardboard a label of the Alfred Flechtheim Galleries, Berlin and Düsseldorf.
Paul-Klee-Stiftung 4451.–
[3480]
Provenienz: Rudolf Probst, Dresden (Galerie Neue Kunst Fides) (until 1929) / Alfred Flechtheim, Düsseldorf/Berlin/Paris/London (1929) / Daniel-Henry Kahnweiler, Paris / The Mayor Gallery, London (until 1935) / Leicester Galleries, London / Ernest Brown, London / Fischer Fine Art Ltd., London / John & Paul Herring & Company, Inc., New York / David Thomson, Toronto (1988) / Galerie Thomas, Munich / Private collection, Northern Germany
Ausstellung: Paul Klee. London, Leicester Galleries, 1941, cat. no. 40
Literatur und Abbildung: Auction catalogue London, Sotheby´s, 29. Nov. 1972, no. 73, colour ill. / Annegret Janda: Paul Klee und die Nationalgalerie 1919-1937. In: Paul Klee. Vorträge der wissenschaftl. Konferenz in Dresden, 19./20. Dec. 1984. eds. Staatl. Kunstsammlungen Dresden and Verband bildender Künstler der DDR, Dresden 1986, p. 48 / Christine Hopfengart: Klee an den deutschen „Museen der Gegenwart“, 1916-1933. In: Paul Klee – Kunst und Karriere. Beiträge des Internat. Symposions in Bern. eds. Oskar Bätschmann and Josef Helfenstein (Schriften und Forschungen zu Paul Klee, vol. 1), Bern 2000, p. 75, note 63
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