Lot 5
Paula Modersohn-Becker (1876 Dresden – 1907 Worpswede)
„Bäuerin mit zwei Ziegen vor Gehöft“. Um 1902
Tempera auf Pappe auf Holz. 49 × 72 cm ( 19 ¼ × 28 ⅜ in.). Unten rechts von Otto Modersohn für Paula Modersohn-Becker monogrammiert: P.M-B.
Busch/Schicketanz/Werner 301.–
[3626]
Provenienz: Max Lütze, Hamburg/Berlin (1931) / Erna Lütze, Stuttgart (1972, als Leihgabe in der Staatsgalerie Stuttgart, Inv.-Nr. L 1097) / Galerie Koch-Westenhoff, Lübeck (um 1980) / Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Sammlung Lütze. Deutsche Kunst des XX. Jahrhunderts. Stuttgart, Stuttgarter Galerieverein e.V., in der Staatsgalerie, 1972, S. 21 („Worpswede II [Ziegenhirtin“])
Auch wenn Paula Modersohn-Becker die meiste Zeit ihres grandiosen, aber leider allzu kurzen Malerlebens in der Künstlerkolonie von Worpswede zubrachte, so verdankte sie einen Großteil ihrer Anregungen und inneren Ausrichtung doch einem ganz anderen Ort. Im Jahr 1900 war sie zusammen mit Clara Westhoff, der späteren Ehefrau Rainer Maria Rilkes, nach Paris gereist, wo sie für gut vier Monate eine kleine Wohnung mieten konnte. In dieser Zeit lernte sie nicht nur den Louvre, sondern auch die Pariser Avantgarde intensiv kennen. Vor allem faszinierten sie die Werke Paul Cézannes, dessen Rang sie damals als eine der wenigen erkannte. Noch Jahre danach schrieb sie über ihn in einem Brief an Clara Westhoff, er sei „einer von drei, vier Malerkräften, der auf mich gewirkt hat wie ein Gewitter oder ein großes Ereignis“.
Wie stark sie die Pariser Künstler beeindruckt haben müssen, und zu welch eigenständigen Resultaten sie diese Einflüsse am Ende führten, zeigt Modersohn-Beckers um 1902 entstandenes Gemälde „Bäuerin mit zwei Ziegen“. Statuarisch wie eine Landarbeiterin des fast gleichaltrigen Francois Millet steht die Bäuerin am rechten Rand, in ihrer Monumentalität nur noch übertroffen von der Monumentalität des Ziegenbocks im Zentrum des Bildes. Beide, Mensch wie Tier, strahlen dabei die gleiche fast unnatürliche Ruhe aus. Der in sich ruhenden Kraft des ubiquitären Kreatürlichen als über alles herrschenden moralischen Prinzip entspricht die ruhige, harmonische Komposition, die Modersohn-Becker für die „Bäuerin mit zwei Ziegen“ gewählt hat. Erlesen ist auch die Farbpalette aus vier dominanten Tönen, die ebenfalls die Aura einer höheren Ordnung aussendet, ohne es dabei an Spannung vermissen zu lassen. Ungefähr zur selben Zeit, als Paula Modersohn-Becker dieses Bild malte, am 15. Juni 1902, schrieb ihr Mann Otto Modersohn die prophetischen Sätze in sein Tagebuch: „Ich fühle, wie ich lerne an ihr und mit ihr. Sie ist eine echte Künstlerin, wie es wenige gibt in der Welt, sie hat etwas ganz Seltenes. [...] Keiner kennt sie, keiner schätzt sie – das wird anders werden.“ (UC)
Paula Modersohn-Becker (1876 Dresden – 1907 Worpswede)
„Bäuerin mit zwei Ziegen vor Gehöft“. Circa 1902
Tempera on cardboard on wood. 49 x 72 cm ( 19 ¼ x 28 ⅜ in.). Monogrammed lower right by Otto Modersohn for Paula Modersohn-Becker: P.M-B.
Busch/Schicketanz/Werner 301.–
[3626]
Provenienz: Max Lütze, Hamburg/Berlin (1931) / Erna Lütze, Stuttgart (1972, as loan to the Staatsgalerie Stuttgart, inv. no. L 1097) / Galerie Koch-Westenhoff, Lübeck (circa 1980) / private collection, northern Germany
Ausstellung: Sammlung Lütze. Deutsche Kunst des XX. Jahrhunderts. Stuttgart, Stuttgarter Galerieverein e.V., Staatsgalerie Stuttgart, 1972, p. 21 („Worpswede II [Ziegenhirtin“])
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