Lot 17
Paula Modersohn-Becker (Dresden 1876 – 1907 Worpswede) „Herbstlandschaft am Weyerberg mit Tümpel“. Um 1899 Öl auf Leinwand. 65,3 × 90 cm ( 25 ¾ × 35 ⅜ in.). Unten rechts signiert: Paula Becker. Rückseitig von Otto Modersohn mit Feder beschriftet: Ich bestätige, daß diese eine Arbeit von Paula Modersohn-Becker ist. 28.I.23 O. Modersohn. Busch/Schicketanz/Werner 41.– [3215] Provenienz: Tille Modersohn, Bremen / Galerie Dr. Werner Rusche, Köln (1947) / Sammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (1958, seitdem in Familienbesitz) Ausstellung: Collectiv-Ausstellung von Hans Thoma (ferner Gemälde und Skulpturen verschiedener Künstler, u.a. Studien von Paula Becker, Marie Bock und Clara Westhoff). Bremen, Kunsthalle, 1899, ohne Katalog / Paula Modersohn-Becker. Köln, Galerie Dr. Werner Rusche, 1947, Nr. 1 (Faltblatt) / Freunde des Museums sammeln II. Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Essen, Museum Folkwang, 1972, Kat.-Nr. 72, Abb. 39 / "rücksichtslos geradeaus malend". Paula Modersohn-Becker, Marie Bock, Clara Rilke-Westhoff. Die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen 1899. Bremen, Paula Modersohn-Becker Museum, Kunstsammlungen Böttcherstraße, 2003, Kat.-Nr. 16, Farbabb. S. 24 1897 führte ein Familienausflug die junge Malerin Paula Becker erstmals in das Künstlerdorf Worpswede nordöstlich von Bremen. Dort lernte sie nicht nur ihren späteren Ehemann Otto Modersohn und die anderen Maler der berühmten Künstlerkolonie kennen, sondern wurde auch von der Moorlandschaft und ihrem Farbenspiel so eingenommen, dass sie sich schließlich dort niederließ. Anfang 1899 schrieb Paula Becker in ihr Tagebuch: „Hier in der Einsamkeit reduziert der Mensch sich auf sich selber. Es ist ein sonderliches Gefühl, wie all das Bunte, Anerzogene, Geschauspielerte, was ich besaß, wegfällt, und eine vibrierende Einfachheit entsteht.“ (Zit. nach: Brigitte Uhde-Stahl: Paula Modersohn-Becker – Frau, Künstlerin, Mensch, Belser Verlag Stuttgart, 1989, S. 24.) Ihr Gemälde „Herbstlandschaft am Weyerberg mit Tümpel“ macht diese persönliche Veränderung in faszinierender Weise sichtbar: Es geht der Künstlerin nicht mehr um die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der Natur. Nur ihre Empfindung bestimmt nun Komposition und formale Mittel. Das Moor wird zu einer Fläche aus tiefem Grau und Braun, die Wiese rechts zu einem satten Grün. Die Bauernhäuser sind leuchtend rote Farbflecken am Horizont. Im Kontrast zu diesen erdigen Herbsttönen steht in hellem Blau der Himmel mit seinen weißlich-grauen Wolken. Der Tümpel, der sich vorn behäbig ins Bild schiebt, spiegelt am oberen Rand nicht nur dieses strahlende Blau wider, sondern gleichzeitig ein herannahendes Unwetter. In dieser Reduktion wirkt die Natur stark und beseelt. Die wesentlichen Farbflächen und Linien streben waagerecht aufeinander zu und bauen im mittleren Teil des Gemäldes, leicht nach rechts versetzt, ein Spannungsfeld auf. So entsteht in dem auf den ersten Blick so ruhigen Bild plötzlich eine vielschichtige und aufwühlende Struktur. Der Mut dieser Künstlerin, um 1900 als Frau frei und bedingungslos ihren modernen Vorstellungen zu folgen, macht Paula Modersohn-Becker zu einer wahren Pionierin. Das erkannte das Sammlerehepaar Colsman, das einen außergewöhnlichen Blick für eigenständige Kunst besaß. Lange wurde die Leistung der Künstlerin öffentlich nicht anerkannt. Zu Lebzeiten hatte sie im Grunde keine Gleichgesinnten an ihrer Seite. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde langsam die Einzigartigkeit ihrer Bildwelt einem kleinen Kreis von Kunstfreunden offenbar. Ihr malerisches Genie aber fand erst Jahrzehnte später die gebührende allgemeine Wertschätzung. US Zur Sammlung Adalbert und Thilda Colsman siehe auch: www.grisebach.com/de/colsman Paula Modersohn-Becker (Dresden 1876 – 1907 Worpswede) „Herbstlandschaft am Weyerberg mit Tümpel“. Circa 1899 Oil on canvas. 65,3 × 90 cm ( 25 ¾ × 35 ⅜ in.). Signed lower right: Paula Becker. Inscribed in pen by Otto Modersohn on the reverse: Ich bestätige, daß diese eine Arbeit von Paula Modersohn-Becker ist. 28.I.23 O. Modersohn. Busch/Schicketanz/Werner 41.– [3215] Provenienz: Tille Modersohn, Bremen / Galerie Dr. Werner Rusche, Cologne (1947) / Collection Adalbert and Thilda Colsman, Langenberg (1958, thence by descent to the present owner) Ausstellung: Collectiv-Ausstellung von Hans Thoma (ferner Gemälde und Skulpturen verschiedener Künstler, u.a. Studien von Paula Becker, Marie Bock und Clara Westhoff). Bremen, Kunsthalle, 1899, no catalogue / Paula Modersohn-Becker. Cologne, Galerie Dr. Werner Rusche, 1947, no. 1 (brochure) / Freunde des Museums sammeln II. Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Essen, Museum Folkwang, 1972, cat. no. 72, ill. 39 / "rücksichtslos geradeaus malend". Paula Modersohn-Becker, Marie Bock, Clara Rilke-Westhoff. Die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen 1899. Bremen, Paula Modersohn-Becker Museum, Kunstsammlungen Böttcherstraße, 2003, cat. no. 16, colour ill. p. 24
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Catalogue
Œuvres Choisies
10719 Berlin - Allemagne
02/06/2016
Proposé par Grisebach
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