Lot 156
Paula Modersohn-Becker (Dresden 1876 – 1907 Worpswede)
„Selbstbildnis“. 1904/05
Kohle auf Bütten. 21,7 × 17,9 cm ( 8 ½ × 7 in.). Unten links von fremder Hand monogrammiert (im Oval): PB.
Die Arbeit wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Handzeichnungen Paula Modersohn-Beckers von Anne Röver-Kann und Wolfgang Werner, Bremen (in Vorbereitung).–
Stellenweise, z.B. an den Augen und am Mund, wohl von fremder Hand überarbeitet. [3414]
Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland (bis 2015)
Literatur und Abbildung: Auktion 103: Wertvolle Bücher, Manus-kripte und Autographen, alte und moderne Kunst, Dekorative Graphik, Gemälde, Nautica. F. Dörling, Hamburg, 9.–12.12.1981, Kat.-Nr. 5984, Tafel 46 / Auktion 250: Grisebach, Berlin, 26. November 2015, Kat.-Nr. 4
Paula Modersohn-Beckers Selbstbildnisse gehören zum Eindrucksvollsten ihrer Kunst: Sie zeigt sich nicht, sondern sie vergewissert sich ihrer selbst. Das eigene Antlitz bietet ihr auch die Möglichkeit für künstlerische Experimente. Hier sucht und findet sie ihren eigenen Stil, der nach Stilisierung und Vereinfachung der Form strebt. Das vorliegende Selbstportrait entstand um 1904/05. Mit wenigen, sicheren Strichen umreißt sie ihre feinen Gesichtszüge und tritt dem Betrachter lebensvoll vor Augen.
Zu Lebzeiten galt die Künstlerin vielen schlicht als die Ehefrau des Malers Otto Modersohn. Nach ihrem frühen Tod mit 31 Jahren 1907 sorgten ihr Mann, der Maler Heinrich Vogeler und der Architekt Bernhard Hoetger durch Ausstellungen ihrer Werke dafür, dass sie einem breiten norddeutschen Publikum bekannt wurde. Es wurde bald deutlich, dass Paula Modersohn-Becker ihre Künstlerfreunde der Worpsweder Künstlerkolonie an Bedeutung weit überragte. Immerhin war sie die erste Malerin weltweit, der man ein eigenes Museum widmete – in Bremen im Jahr 1927, finanziert durch den Kaffeehändler und Mäzen Ludwig Roselius. Während der NS-Zeit galt das Werk von Paula Modersohn-Becker als „entartet“. Erstmals wurden damals einige ihrer Werke ins Ausland, vor allem in die USA, verkauft. Besonders verdienstvoll war hier der Wiener Exilant Otto Kallir, der 1939 in New York die Galerie St. Etienne gegründet hatte. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin und Nachfolgerin Hildegard Bachert machte er deutsche und österreichische Künstlerinnen und Künstler beim amerikanischen Publikum bekannt, neben Paula Modersohn-Becker auch Käthe Kollwitz, Oskar Kokoschka, Gustav Klimt, Egon Schiele und viele andere.
Mit Aufkommen der Gender Studies in den 1980er-Jahren betrachteten viele KunsthistorikerInnen Modersohn-Beckers Werk unter dem Gesichtspunkt ihrer gesellschaftlichen Rolle als Frau. Im National Museum of Women in the Arts, das, 1987 in Washington, D. C.
eröffnet, ausschließlich Kunstwerke von Frauen sammelt, ist die Worpsweder Künstlerin durch repräsentative Arbeiten vertreten.
In den letzten Jahren ist Modersohn-Becker immer wieder international gefeiert geworden. Es fanden sehr erfolgreiche Einzelausstellungen im renommierten Louisiana Museum bei Kopenhagen (2014/2015) sowie im Musée d’Art moderne de la Ville de Paris (2016) statt. Mehrere Ausstellungen in Bremen (2007/2008 und 2014) und Hamburg (2017) zeigten den Aufbruch der Künstlerin in die Moderne. Uwe M. Schneede betont dazu: „In diesen ersten Jahren des 20. Jahrhunderts stagnierte die Kunst in Deutschland. So suchte Modersohn-Becker sich die Vorbilder und Anregungen wie zwangsläufig in Paris.“ Hier lernte sie die Werke von Cézanne und Matisse kennen, vielleicht auch von Gauguin und Picasso. Jedenfalls sind die Parallelen zwischen ihrem Spätwerk und dem Werk der gleichzeitigen Pariser Avantgarde atemberaubend. Hier wird es in Zukunft sicher weitere spannende Entdeckungen geben.
Wilfried Rogasch, Berlin
Paula Modersohn-Becker (Dresden 1876 – 1907 Worpswede)
„Selbstbildnis“. 1904/05
Charcoal on laid paper. 21,7 × 17,9 cm ( 8 ½ × 7 in.). Monogrammed by another hand lower left (in an oval): PB.
The work will be included in the catalogue raisonné of the Drawings of Paula Modersohn-Becker by Anne Röver-Kann and Wolfgang Werner, Bremen (in preparation).–
Reworked in places e.g. along the eyes and around the mouth, probably by another hand. [3414]
Provenienz: Private Collection, Northern Germany (until 2015)
Literatur und Abbildung: Auction 103: Wertvolle Bücher, Manus-kripte und Autographen, alte und moderne Kunst, Dekorative Graphik, Gemälde, Nautica. F. Dörling, Hamburg, 9.–12.12.1981, cat. no. 5984, Plate 46 / Auction 250: Grisebach, Berlin, 26 November 2015, cat. no. 4
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Dessins, aquarelles et pastels
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