Lot 1037
PIETRA-DURA PICTORIAL PANEL,
Bohemia, 17th century. Attributable to the workshop of Giovanni Castrucci.
Bohemian jasper, agates, various semi-precious stones and marble of different colors, inlaid. The center depicting Saint Jerome. Blackened wooden frame with inner frame, the corners with village views in Pietra-Dura. Four small reserves with stone inlays. The back with remains of a collection label and numbered in ink XLII over an underlined 7, the frame with collection label, No. 27.
40 x 52 cm.
Some parts of the molding missing; minor losses in the stone marquetry. Some stone parts, somewhat protruding.
In its composition and materials, the present "Commesso in pietre dure" or "Florentine Mosaic" is reminiscent of designs by the Florentine studio Castrucci, which produced top-quality stonework at the Prague Court under the reign of Emperor Rudolf II (1552-1612).
Literature:
-Clare Vincent, "Prince Karl I of Liechtenstein's Pietre Dure Tabletop", Metropolitan Museum Journal, Vol. 22, 1987, pp. 157-178.
-Wolfram Köppe (ed.) and Anna Maria Giusti with contributions by Cristina Acidini, Rudolf Distelberger, Detlef Heikamp, Jutta Kappel, Florian Knothe, and Ian Wardropper, "Art of the Royal Court: Treasures in Pietre Dure from the Palaces of Europe", MET Publication, New York, 2008, pp. 29 ff. & pp. 219-229.
PIETRA-DURA BILDPLATTE
Böhmen, 17. Jh. Der Werkstatt von Giovanni Castrucci zuzuweisen.
Verschiedenfarbiger böhmischer Jaspis, Achate, diverse Halbedelsteine und Marmor eingelegt. Zentrale bastionsförmige Darstellung des Heiligen Hieronymus in seiner Höhle vor Landschaft mit Dorf, Fischer und Hirsch. In geschwärztem und gewelltem Holzrahmen mit Innenrahmen, die passigen Ecken mit Dorfansichten in Pietra-Dura-Technik. Vier kleine Reserven mit Steinintarsien. Rückseitig Reste einer Sammlungsetikette sowie in Tinte nummeriert XLII über Unterstrich 7, der Rahmen mit Sammlungsetikette, Nr. 27.
40 x 52 cm.
Teils fehlende Flammleisten, kleinere Fehlstellen in der Steinmarketerie. Einige Steinteile etwas herausstehend.
Das vorliegende "Commesso in pietre dure" oder "Florentiner Mosaik" erinnert in seiner Komposition und Materialität an Entwürfe des florentinischen Ateliers Castrucci, welches unter der Herrschaft Kaiser Rudolf II (1552-1612) höchstqualitative Steinwerkarbeiten am Prager Hof produziert. Cosimo Castrucci, der im Jahre 1592 vom Kaiser höchstpersönlich aus Florenz nach Prag abbestellt wird, initiiert als "Ihrer Majestät Edelsteinschneider" die Aktivität des Ateliers. Unter der Leitung seines Sohns, Giovanni Castrucci, wird die Prager Werkstatt bis in die späten 1620er Jahren parallel zur florentinischen "Galleria dei Lavori" (Arbeitswerkstatt) weitergeführt (Vgl. Wolfram Koeppe et al., 2008)
Das Atelier Castrucci entwickelt eine distinkte Variante der Glyptik, die sich in der technischen Herangehensweise an Intarsienarbeiten aus Holz orientiert. Die Spezialität der Castrucci liegt in der Erzielung von malerischen Wirkungen, welche durch die natürliche Maserung und Farbe der regionalen Steine den Illusionismus der Komposition steigert. So erstaunt es kaum, dass die Steinmalerei der Castrucci besonders für Landschaftsdarstellungen taugt. Als Inspirationsquelle und Vorlage für ihre Motive dienen nicht selten Landschaften flämischer Kupferstecher, welche ebenfalls am Prager Hof für den Kaiser tätig waren (Vgl. Clare Vincent, 1987). Typisches Merkmal jener Landschaften ist die Dreiteilung der Komposition in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, wobei der Vordergrund oftmals durch eine Diagonale nach hinten abgegrenzt ist und als narrative Ebene für Figurenstaffagen fungiert.
Dieses Prinzip herrscht auch auf unserer zentralen Bildplatte vor: Im Vordergrund, in der unteren linken Ecke, bildet die kniende Figur des Heiligen Hieronymus als Eremiten mit seinem Attribut, dem Löwen, eine religiöse Bildebene. Nach hinten öffnet sich eine profane Fluss- oder Seelandschaft mit zwei Fischer auf einem Boot, über denen sich eine auf einem Hügel sitzende Felsenkapelle erhebt. Eine Fülle von weiteren Details (z. Bsp. der Kardinalshut, die Kruzifixe, der Altar, der herunterschreitende Hirsch, die zwei schwimmenden Enten, der heimliche Beobachter mit seinem Hund, die architektonischen Elemente, usw.) zeugt von höchsten technischen und künstlerischen Fertigkeiten, welche denen des Ateliers Castrucci in keiner Weise nachstehen. Die Verwendung von regionaltypischen Steinen wie dem böhmischen Jaspis deutet ebenfalls auf eine böhmische Produktion aus dem frühen 17. Jahrhundert hin.
Vergleichbare "commessi" finden sich heute in den Sammlungen berühmter musealen Institutionen. Das Kunsthistorische Museum Wien besitzt gleich neun Werke, welche Cosimo bzw. Giovanni Castrucci sowie deren Werkstatt zugeschrieben werden, wovon besonders eine Landschaft mit büssender Hl. Maria Magdalena grosse Ähnlichkeit zu unserem Werk aufweist (Inv.-Nr. 3006, Kunstkammer, KHM).
Literatur:
-Clare Vincent, "Prince Karl I of Liechtenstein's Pietre Dure Tabletop", Metropolitan Museum Journal, Vol. 22, 1987, S. 157-178.
-Wolfram Köppe (Hrsg.) und Anna Maria Giusti mit Beiträgen von Cristina Acidini, Rudolf Distelberger, Detlef Heikamp, Jutta Kappel, Florian Knothe und Ian Wardropper, "Art of the Royal Court: Treasures in Pietre Dure from the Palaces of Europe", MET Publikation, New York, 2008, S. 29 ff. & S. 219-229.
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