Lot 218 - b
Porzellanmanufaktur Meissen ()
Teile aus dem Schwanenservice für zwölf Personen mit dem Brühl-Wappen. Nach 1970
Porzellan, reliefiert, teilweise plastisch geformt, farbige Aufglasurmalerei mit „indianischen“ Streublumen, Goldstaffage. Terrine (tureen): 55 × 40 × 35 cm ( 21 ⅝ × 15 ¾ × 13 ¾ in.). Schwertermarke in Unterglasurblau; diverse Pressnummern; diverse Malernunummern.
Restaurierungen an der Terrine mit vereinzelten Ausbrüchen. [3248]
Provenienz: Privatsammlung, München
Kein Tafelservice vermag den geistvollen Überschwang des 18. Jahrhunderts besser zu repräsentieren als jenes Meisterwerk, das die Meissner Porzellanmanufaktur für den mächtigen Grafen Heinrich von Brühl (1700–1763) verfertigte.
Der virtuose Bildhauer Johann Joachim Kändler entwarf das Konzept des Schwanenservices, „als waren solche auf Muschel Art gewachsen“. Anfang 1738 studierte Kaendler dazu „unterschiedliche rare Muscheln“ in der Dresdner „Naturalien Cammer“. Über Schüsseln, Platten und Teller gleitet ein Schwanenpaar en relief durch Schilf und Wellen, auf den Terrinen und Tafelaufsätzen, den Leuchtern und Konfektschalen tauchen aus den fließenden Oberflächen plastische Göttergestalten, Delphine, Muscheln und Korallen auf, Tritonen bilden die Henkel und „Tritonenkindlein“ reiten auf Schwänen.
Dieses spektakulärste und umfassendste Service Meissens sollte der erstaunlichen Karriere seines Besitzers vom Pagen bis hin zum eigens für ihn geschaffenen Amt des Premierministers, des ersten Mannes nach dem Kurfürsten und König, gebührenden Nachdruck verleihen. 1737 war Heinrich von Brühl in den Reichsgrafenstand erhoben worden. Neben seinen höchsten Aufgaben war er Oberdirektor der Meissener Porzellanmanufaktur, seine anspruchsvollen Bestellungen befeuerten deren Kunst und Können. Das Brühlsche Palais war zudem Schauplatz legendärer Festivitäten, oft in offizieller Vertretung des Kurfürsten. Hunderte Gäste speisten staunend und wohlgelaunt von den porzellanenen Wunderwerken.
1736 hatte Kaendler mit Probetellern begonnen, das neue Service zu entwickeln, dessen unterschiedliche Formstücke unter Beteiligung von Johann Friedrich Eberlein und zuletzt Johann Gottlieb Ehder 1742 zum Abschluss kamen. Der sinnliche und plastische Reichtum des Services boten dem lustvollen Auge des Spätbarock Fülle und Fluss. Die größte Terrine zeigt ein Lieblingsthema der Kunst, „die Historia von Galatee“, dem Triumph der schönsten aller Nereiden, begleitet von „MeerWeiblein“ und Muschelwerk. Die phantastischen, mit dem Allianzwappen Brühl-Kolowrat Krakowsky bemalten Gebilde wurden als unveräußerlicher Familienbesitz deklariert und in Schloss Pförten aufbewahrt, wo der Bestand 1945 jedoch geplündert wurde.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war das Service durch die Kunstwissenschaft entdeckt worden und so erinnerte sich die Meissener Manufaktur an ihre Höchstleistung und begann, alte sowie neue Formvarianten mit dem phantastischen Dekor herzustellen. Porzellane mit minimalsten Fehlern, wie die Fehlstelle der Glasur auf der Schüssel, verließen die Manufaktur nun auch unbemalt (Kat.-Nr. 281 A). Trotz des Verlustes wichtiger Teile des einst 2.200 Teile umfassenden originalen Services war es vor dem Vergessen bewahrt. Unser Service für zwölf Personen besteht vaus Teilen der frühen 1970er Jahre, als die Manufaktur in sehr hoher Qualität für zahlungskräftige Kunden auf Bestellung produzierte. Die Bemalung mit dem Allianzwappen Brühl-Kolowrat Krakowsky konnte jedoch nur bis 1989 bestellt werden und schreibt somit die Erfolgsgeschichte des Schwanenservice bis zu einer anderen Geschichtsmarke fort.
Claudia Lehner-Jobst, Wien
Einzelteile:
1 Terrine
1 große Platte
2 mittlere Platten
1 große ovale Platte
2 rechteckige Saladieren
2 Saucieren
14 Speiseteller
12 Suppentassen mit Deckeln und Untertassen
12 Dessertteller
Für freundliche Hinweise danken wir Sylvia Braun, Historische Sammlungen Meissen.
Meissen Porcelain ()
Pieces from the Swan Service, for 12 people, with the Brühl coat of arms. After 1970
Porcelain, relief, partially sculpturally formed, coloured overglaze painting with "indian“ scattered flowers, gold decoration. Tureen (tureen): 55 × 40 × 35 cm ( 21 ⅝ × 15 ¾ × 13 ¾ in.). Crossed swords mark in blue underglaze; various imprinted numbers; various painter numbers.
Repairs to the tureen with isolated areas of breakage. [3248]
Provenienz: Private collection, Munich
For kindly providing additional information we would like to thank Sylvia Braun, Historische Sammlungen Meissen.
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Céramiques, poteries et faïences
À propos de la vente
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