Lot 383
Queen Victoria von England (London 1819 – 1901 Isle of Wight)
Erinnerungsalbum, gesammelt für ihre Erzieherin, Freiin Louise von Lehzen. 1820–1841
Papier in Maroquinleder gebunden: zahlreiche Memorabilien (Haarlocken, Briefe, adressierte Umschläge, Textilien etc.), darunter sieben Fotografien, elf Autographen und sechs Zeichnungen von Queen Victoria. Quart, 20 Seiten (ohne Paginierung). ( ).
[3283]
Provenienz: Freiin Louise von Lehzen (1784–1870), Bückeburg (1841 als Geschenk der Queen Victoria) / Seitdem Familienbesitz, Norddeutschland (bis 2001) / Privatsammlung, Bayern
Literatur und Abbildung: Roger Boyes: Queen's Link of Love to Exiled Nanny Found. In: The Times, 6. Februar 1999 / Dana Horáková: Ein Herz und eine Krone. In: Welt am Sonntag, 21. Januar 2001 / Christian Mayer: Aus dem Leben eines Geistesmenschen. In: Süddeutsche Zeitung, 28. März 2001 / Michaela Blankart und Siegfried-H. Hirsch (Hg.): The Private Album of Queen Victoria's German Governess Baroness Lehzen. Bamberg, 2001
Im Dezember 1819 trat Fräulein Louise Lehzen aus Hannover im Kensington Palace in London ihren Dienst als Erzieherin der Prinzessin Feodora zu Leiningen (1807-1872) an. Feodoras Mutter, Herzogin Victoire von Kent (1786-1861), geb. Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, war seit 1814 verwitwet, hatte 1818 in zweiter Ehe den zwanzig Jahre älteren Herzog Edward von Kent (1767-1820) geheiratet und mit ihm im Mai 1819 eine weitere Tochter bekommen: Feodoras Halbschwester Victoria, die spätere englische Königin. 1824 wurde Louise Lehzen schließlich auch Erzieherin der damals fünf Jahre alten Prinzessin Victoria.
Louise Lehzen war 1784 als zweite Tochter des protestantischen Pastors Joachim Friedrich Lehzen geboren worden. Über ihre Ausbildung ist wenig bekannt. Sie wurde wohl schon in jungen Jahren Erzieherin. Zwischen Louise Lehzen und der Thronfolgerin Victoria entwickelte sich im Laufe der Jahre ein enges, ja persönliches Vertrauensverhältnis. 1835 betonte Victoria, inzwischen sechzehn Jahre alt: „Sie ist die gütigste, ergebenste, anhänglichste und selbstloseste Freundin, die ich habe, und ich liebe sie tief.“ Zeitgenossen, die Lehzen kannten, beschreiben sie derweil als „Frau mit engen Horizonten und einer provinziellen Weltanschauung. Ihr Äußeres war unauffällig, sie hatte eine gelbe Gesichtsfarbe und pflegte beständig Kümmelkerne zu kauen, um ihre Anfälle von Blähungen zu bekämpfen. Sie war die klassische ‚alte Jungfer‘, wenig charmant und mit schroffer Ausdrucksweise.“ (Blankart 2001)
Auch nach Victorias Thronbesteigung 1837 blieb die ehemalige Erzieherin ohne Hofstellung im unmittelbaren Umfeld der Monarchin. Wohl auf Drängen der Herzogin Victoire war Lehzen 1827 durch König Georg IV. in den Freiherrenstand des Königreichs Hannover erhoben worden und trug als Unverheiratete den Titel „Freiin“, im Englischen: „Baroness“. Das von ihr gewählte Wappen zeigte eine Palme, die in der Barockemblematik für Beständigkeit und Redlichkeit steht. Nach Victorias Heirat mit Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861) im Jahr 1840 veränderten sich die Verhältnisse in der Umgebung der Königin. Prinz Albert verdrängte Lehzen aus dem familiären Umfeld. Mit einer stattlichen jährlichen Pension von 800 £ und einer Kutsche überquerte Lehzen daraufhin 1842 den Ärmelkanal und kehrte nach Deutschland zurück, wo sie sich bei ihrer Schwester im Residenzstädtchen Bückeburg im Fürstentum Schaumburg-Lippe niederließ. Nach ihrem Tod 1870 ließ Queen Victoria ihr einen pompösen Grabstein errichten mit der Inschrift: „Der treuen Führerin ihrer Jugend in Dankbarkeit gewidmet von Victoria Königin von Großbritannien“.
Unser Album, das 1999 aus dem Familienbesitz der Nachfahren der Freiin von Lehzen erstmals ans Licht der Öffentlichkeit gelangte, ist ein anrührendes Dokument der engen, lebenslangen Freundschaft und Verbundenheit zwischen Queen Victoria und Louise Lehzen. Ohne Zweifel kann es als „Album amicorum“ oder „Monumentum amicitiae“ bezeichnet werden.
In dem kleinen Oktavbändchen, auf dessen Buchdeckel die ligierten Initialen der „Victoria Regina“ unter der St. Edward‘s Crown und die Jahreszahl 1841 in Gold geprägt wurden, sind Dinge und Memorabilien verschiedenster Art ohne erkennbares Ordnungsprinzip gesammelt: feinste, kleinformatige Zeichnungen der jungen Victoria, Fotografien mit Beschriftungen von der Hand der Königin, Stoffteile und künstliche Orangenblüten vom Brautkleid der Monarchin sowie Haarlocken aus unterschiedlichen Lebensphasen Victorias. Darüber hinaus sind Briefe und Karten von Mitgliedern des englischen Hofes sowie weiterer Personen der Zeitgeschichte enthalten, darunter ein Briefumschlag, den Alexander von Humboldt „An Baroness Louise von Lehzen, Hochwohlgeboren / zu Bückeburg“ adressierte.
Auf dem ersten Blatt des Albums ist ein kleines, ovales Miniaturporträt von Louise Lehzen eingeklebt, das der von 1820 bis 1846 bei Berliner Akademieausstellungen vertretene Berliner Porträtmaler Carl Friedrich Koepke für die Dargestellte ausgeführt hat. Es diente als Vorlage für zwei identische Bildnisminiaturen (Wasserfarben auf Elfenbein, 4,0 x 3,3 cm), die Lehzen Ende 1842 schon von Deutschland aus als Geschenk an Queen Victoria schickte. Eine davon war für Victorias Halbschwester Feodora bestimmt, seit 1828 Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg (heute Schloss Langenburg). Die andere befindet sich heute in der Royal Collection (Inv.-Nr. RCIN 420414). Queen Victoria schrieb dazu unter dem Datum 30. Januar 1843 in ihr Tagebuch: „I received from Lehzen her miniature, done at Berlin, which is a very good likeness“. ThK
Beigabe: Textilband von dem violetten Atlasoberrockes von Prinzessin Charlotte Augusta von Wales (1796–1817), als sie 1814 nach Connaught Place ankam, nachdem sie vor der ehelichen Verbindung mit Wilhelm von Oranien-Nassau geflohen war (mit einem handschriftlichen Vermerk der Freiin Lehzen)
Queen Victoria of England (London 1819 – 1901 Isle of Wight)
Memorial album, collected for her governess, Baroness Louise von Lehzen. 1820–1841
Paper bound in Moroccan leather: numerous memorabilia (locks of hair, letters, addressed envelopes, textiles etc.), contains seven photographs, eleven autographs and six drawings by Queen Victoria. quart, 20 pages (without paging). ( ).
[3283]
Provenienz: Governess Louise of Lehzen (1784–1870), Bückeburg (1841 as a gift from Queen Victoria) / thence by descent to the present owner, northern Germany (until 2001) / private collection, Bavaria
Literatur und Abbildung: Roger Boyes: Queen's Link of Love to Exiled Nanny Found. In: The Times, 6 February 1999 / Dana Horáková: Ein Herz und eine Krone. In: Welt am Sonntag, 21 January 2001 / Christian Mayer: Aus dem Leben eines Geistesmenschen. In: Süddeutsche Zeitung, 28 March 2001 / Michaela Blankart und Siegfried-H. Hirsch (Hg.): The Private Album of Queen Victoria's German Governess Baroness Lehzen. Bamberg, 2001
Supplement: textile ribbon from the purple overskirt of Princess Charlotte Augusta of Wales (1796–1817), when she came to Connaught Place in 1814 after fleeing a conjugal union with Wilhelm von Oranien-Nassau (with a handwritten notation by Baroness Lehzen)
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Livres, manuscrits et bandes dessinées
À propos de la vente
Retrouvez des lots similaires en vente sur Interencheres
Voir plus de lots en vente sur Interencheres
Estimation :15 € - 20 €
Live
16/06/2026
Proposé par SUDUCA COMMISSAIRE PRISEUR
Estimation :300 €
Live
19/06/2026
Proposé par OGER-BLANCHET
Estimation :1 200 € - 1 500 €
Live
25/06/2026
Proposé par Arenberg Auctions
Estimation :500 € - 600 €
Live
24/06/2026
Proposé par Arenberg Auctions
Estimation :450 € - 600 €
Live
28/06/2026
Proposé par Militaria auctions
Estimation :50 € - 80 €
Live
28/06/2026
Proposé par Militaria auctions