Lot 390
Rée, Anita
(Hamburg 1885 - 1933 Sylt)Kinderbildnis Karen Jessen mit Perlenkette. Öl auf Leinwand. 1928. 385 x 290 mm. Gerahmt. Monogrammiert. Verso von fremder Hand bezeichnet "Vermächtnis von / Anita Ree / Dr. Wriedt & Frau / 1934" sowie nummeriert "28/417".Bruhns G 135 - Abgebildet auf dem Titel der Zeitschrift "Jugend", München 1928, 33. Jg., Nr. 36. - Provenienz: Testamentarisch von der Künstlerin als Bild Nr. 5 an Dr. Georg und Maria Wriedt, Hamburg, vererbt; Privatsammlung Berlin; Privatsammlung Gütersloh. - Drei Jahre lang lebte und arbeitete die gebürtige Hamburgerin Anita Rée in Italien. Die intensive Auseinandersetzung mit Werken der italienischen Frührenaissance und die im Süden gewonnenen Eindrücke ließen Rée zu einem veränderten Malstil finden. Hatte sie sich bis dahin maßgeblich an der französischen Avantgarde, insbesondere an der Kunst Cézannes, orientiert, entwickelte sie nun eine neusachliche, nüchterne Darstellungsweise. Im November 1925 kehrte Rée nach Hamburg zurück. Schon zwei Monate später wurde eine große Anzahl ihrer in Italien entstandenen Werke mit großem Erfolg in der Galerie Commeter gezeigt. Die Kritiker bescheinigten Rée großes Können und äußerten sich einhellig positiv über ihre Malerei. Weitere Ausstellungen folgten und mit ihnen wuchsen auch Ansehen und Bekanntheit der Künstlerin. Diese Erfolge führten dazu, dass Rée zahlreiche Porträtaufträge erhielt. Nicht selten wählte sie ihre Modelle aber auch selbst aus und bat sie um Sitzungen. - Aus eben dieser Zeit stammt das einfühlsame "Kinderbildnis Karen Jessen mit Perlenkette". Bei der Dargestellten handelt es sich um die Tochter von Dr. Friedrich Jessen, dem Leiter des Waldsanatoriums im schweizerischen Davos. Bekannt mit Thomas Mann, diente er dem Schriftsteller als Inspirationsquelle für die Figur des Hofrat Behrens in dessen Roman "Zauberberg". 1927 verließ Jessen mit seiner Familie Davos, um fortan in Hamburg zu praktizieren. - Das Porträt von Karen Jessen ist, wie für Anita Rée typisch, als Brustbild vor monochromem Hintergrund konzipiert. Die Komposition und Flächigkeit in der Gestaltung lassen Rées Auseinandersetzung mit Frauenbildnissen der italienischen Renaissance erkennen. Der Blick des Mädchens ist melancholisch in die Ferne gerichtet, ihr Gesichtsausdruck vermittelt Introversion und Zurückhaltung. Die Stupsnase und der schmale Körper verraten, dass hier ein noch kindliches Mädchen dargestellt ist. Gleichzeitig weisen die Perlenkette, deren Rot sich in den geschwungenen, vollen Lippen des Mädchens wiederfindet, und die Nacktheit der Schultern auf die beginnende Fraulichkeit der Porträtierten. Zwischen Kindheit und Erwachsensein, Naivität und Verletzlichkeit, naturalistischer und gleichzeitig distanzierter Darstellung changiert Rées empfindsames Bildnis, das eine Welt innerer Spannungen offenbart. - Vereinzelte Haarrisse.
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Dessins, aquarelles et pastels
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