Lot 554
Richard Müller (Tschirnitz/Böhmen 1874 – 1954 Dresden-Loschwitz) „Die rote Flut“. 1945 Öl auf Leinwand. 95 × 71 cm ( 37 ⅜ × 28 in.). Oben rechts datiert und monogrammiert: 1945 RM. Wodarz M 1945.03 (mit abweichenden Maßen).– [3018] Provenienz: Privatsammlung, Bayern Ausstellung: Die Schöne und das Biest. Richard Müller & Mel Ramos & Wolfgang Joop. Leipzig, Museum der bildenden Künste, 2014, Abb. S. 78 Literatur und Abbildung: Rolf Günther: Richard Müller. Leben und Werk mit dem Verzeichnis der Druckgraphik, Dresden 1995, Abb. S. 62 Was wir hier vor uns sehen, ist recht selten im Kunstbetrieb: eine echte Überraschung. In jungen Jahren galt Richard Müller als Symbolist ersten Ranges, den man in einem Atemzug mit dem großen Max Klinger nennen musste. Aber die Karriere des ehemals international gefragten Grafikers verlief wechselvoll. Im 20. Jahrhundert hatte der Symbolismus bald keine Konjunktur mehr, und Müller geriet langsam in Vergessenheit. Otto Dix hielt ihn für „einen Sadisten“, der seine Modelle stundenlang in unbequeme Posen zwang. Überliefert ist auch das Verdikt, das einer der ersten Maler der jungen DDR, Hans Grundig, 1957 über den gebürtigen Erzgebirgler fällte: „Schande über Richard Müller, sein Name sei nicht mehr genannt“ (zit. nach: Corinna Wodarz: Symbol und Eros, die Bildwelten des Richard Müller, Göttingen 2002, S. 7). Mit Sicherheit trennten den Kommunisten Grundig und Müller politisch Welten. Müller liebte das Rätsel und gab mit seiner Biografie selber Rätsel auf. Und ein Gemälde wie „Die rote Flut“ war nicht geeignet, die beiden einander näherzubringen. Dabei hat Müller, der bis zu seinem Tod 1954 in Dresden lebte, damit in erster Linie ein sehr ernstes Bild gemalt – weil es Ernst macht mit der Angst vor der Be-drohung durch den Kommunismus. Vier Jahre nachdem er „Die Rote Flut“ geschaffen hatte, wurde diese Angst real und Deutschland geteilt. Was Müller mit seiner Fantasmagorie gelang, ist eine Bilderfindung im Geiste des Schreckens – und der Groteske. Durch das geöffnete, nur notdürftig verdunkelte Fenster stürzt eine buchstäblich rote Flut ins Zimmer. Beachtung verdient auch die Flasche auf dem Tablett am Bett, die, bevor sie von den Fluten fortgerissen wird, kunstvoll Rauch entweichen lässt. Der türmt sich zu großen Wolken auf, in denen bizarre Fratzen verschiedener Nazi-Größen erscheinen, die auf dem vergebens Ruhesuchenden lasten und ihn tief in seine Lagerstatt drücken. Müller hat hier seinen Sohn Adrian dargestellt, der wohl den Einmarsch der Roten Armee fürchtet . Weil man weiß, dass Müller kunsthistorisch und kulturgeschichtlich umfassend gebildet war, drängen sich unterschiedlichste Assoziationen auf. Das Spektrum reicht von Illustrationen von Aladin und seiner Wunderlampe bis zu Heinrich Füsslis „Nachtmahr“, von Munchs „Krankem Kind“ bis zu den Präsidentenporträts am Mount Rushmore, die 1945, als Müller die „Rote Flut“ malte, selbst gerade erst vier Jahre vollendet waren, nach vierzehnjähriger Bildhauerei mit Dynamit und schwerem Gerät. Und auch dort, wo der Rauch aufsteigt, vermischt Müller den Schrecken und die Grotesken mit den Koordinaten der Kunstgeschichte. Denn noch die grauen, maskenhaften Häupter erinnern an Vorläufer, etwa die „Köpf-Stücke“ des Barock-Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt. Auch hat sich der Künstler selbst im Bild verewigt – links unten am Rand vor der Lagerstattt des Sohnes. Dies alles macht Richard Müllers „Rote Flut“ zu einem Werk, das in der Kunst seiner Zeit nichts annähernd Vergleichbares kennt. UC Richard Müller (Tschirnitz/Bohemia 1874 – 1954 Dresden-Loschwitz) „Die rote Flut“. 1945 Oil on canvas. 95 × 71 cm ( 37 ⅜ × 28 in.). Dated and monogrammed upper right: 1945 RM. Wodarz M 1945.03 (with differing dimensions).– [3018] Provenienz: Private collection, Bavaria Ausstellung: Die Schöne und das Biest. Richard Müller & Mel Ramos & Wolfgang Joop. Leipzig, Museum der bildenden Künste, 2014, ill. p. 78 Literatur und Abbildung: Rolf Günther: Richard Müller. Leben and Werk with dem Verzeichnis der Druckgraphik, Dresden 1995, ill. p. 62
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Dessins, aquarelles et pastels
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Modern Art
10719 Berlin - Allemagne
01/06/2018
Proposé par Grisebach
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