Lot 43 - a
Richard Oelze (Magdeburg 1900 – 1980 Posteholz)
„Todesfestlichkeit“. 1967-69
Öl auf Leinwand. 80 × 100 cm ( 31 ½ × 39 ⅜ in.). Unten links signiert: Oelze. Rückseitig auf dem Rahmen, dem Keilrahmen und der Leinwand jeweils Etiketten zu den Ausstellungen Ingelheim 1985, Ludwigshafen 1985, Venedig 1986 und Düsseldorf / Berlin 1987 (s.u.).
Schmied/Damsch-Wiehager 150.–
[3607]
Provenienz: Privatsammlung, Norddeutschland
Ausstellung: Richard Oelze. „Lichtwark-Preis“. Hamburg, Kunsthalle, 1973 / 74 / Richard Oelze. New York, Spencer A. Samuels & Co Ltd., 1974, Kat.-Nr. 17, Abb. / 12 depuis `45. Brüssel, Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, 1977, Kat.-Nr. 9, Abb. / 100 Jahre Kunst in Deutschland 1885-1985. Ausstellung für die 28. Internationalen Tage in Ingelheim am Rhein, 1985, Kat.-Nr. 38, Abb. S. 86 /Apokalypse. Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, 1985, Kat.-Nr. 130, Abb. S. 263 / XLII. Biennale di Venezia. Venedig, 1986, Nr. 3, S. 95 / Richard Oelze 1900-1980. Gemälde und Zeichnungen. Berlin, Akademie der Künste; Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, und Hamburg, Kunstverein, 1987, S. 146, Abb. S. 71 / Richard Oelze. London, Fischer Fine Art Ltd., 1990, ohne Nr., Abb. S. 44 / 45
Literatur und Abbildung: Milan Nápravník: L'archetipo nelle giuste sfere di Oelze. In: Terzio occhio, quadrimestrale d'arte fantastica, Jg. 3, Nr. 7, Jan 1977, S. 14
Auch wenn Paul Éluard Richard Oelze einmal als den „einzig richtigen Surrealisten“ bezeichnet hat, so blieb dessen Beziehung zur surrealistischen Bewegung und deren Protagonisten doch immer distanziert, was vor allem an Oelzes zurückhaltender Persönlichkeit lag. Aber auch in der surrealistischen Programmatik fand er sich nicht wieder, denn seine Bilder sind weder Traumprotokolle, wie sie Dalí in seiner Malerei propagierte, noch stehen sie den kühlen Denkbildern Magrittes nahe, auch wenn sie über eine diffuse Gegenständlichkeit verfügen. Aber auch dem geradezu fetischisierten Automatismus eines Masson oder Miró sind sie nicht verwandt, der sowieso mehr eine liebgewonnene Wunschvorstellung als eine wirkliche „Methode“ war - unterlag doch jede künstlerische Äußerung immer auch einem kompositorischen Ordnungsbedürfnis, selbst wenn dieses vielleicht teilweise unbewusst blieb. Und so folgerichtig dieser „Automatismus“ in den abstrakten Expressionismus und das Informel führte und die Denkbilder Magrittes im konzeptionellen Wirken Marcel Broodthaers aufgingen, so solitär blieb Oelzes Kunst.
Er hat keine Nachfolger, weil seine Bilder eine unhistorische, wahrhaft zeitlose Archaik aufrufen, der man sich nicht anschließen oder verweigern kann, sondern die nur er sieht und auch erst dann, wenn er sich und damit uns ein Bild davon gemacht hat. Es ist sicher nicht falsch zu sagen, dass Oelze von Stimmungen heimgesucht wird, die er im künstlerischen Arbeitsprozess in Sichtbarkeit überführt. Sie sind Teil seiner zur Vereinsamung neigenden Persönlichkeit, aber gleichzeitig wirken in ihnen uralte Muster des Werdens und Vergehens und kollektive Ängste. All das lässt der Künstler zu Bildern gerinnen.
Die Beunruhigung, die von Oelzes Gemälden ausgeht, ist viel surrealer als alle gesuchten Begegnungen „eines Regenschirms und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch“, um das alte Bild aufzugreifen. Auch die „Todesfestlichkeit“ hat diese uralte Anmutung, eine Szenerie, die es nicht geben kann und die es durch Oelze eben doch gibt und von der der Betrachter, der sich nicht abwendet, weiß, dass ein Teil von ihm darin steckt. Das muss man erst mal aushalten. Und vielleicht war es das, was Paul Éluard verstand - dass Richard Oelze eine innere Stärke zu eigen war, angesichts derer viele andere seiner Künstlerkollegen als Salonsurrealisten erscheinen mussten. MS
Richard Oelze (Magdeburg 1900 – 1980 Posteholz)
„Todesfestlichkeit“. 1967-69
Oil on canvas. 80 × 100 cm ( 31 ½ × 39 ⅜ in.). Signed lower left: Oelze. On the reverse on the frame, on the stretcher and on the canvas with labels of the exhibitions Ingelheim 1985, Ludwigshafen 1985, Venice 1986 and Düsseldorf / Berlin 1987 (see below).
Schmied/Damsch-Wiehager 150.–
[3607]
Provenienz: Private collection, Northern Germany
Ausstellung: Richard Oelze. „Lichtwark-Preis“. Hamburg, Kunsthalle, 1973 / 74 / Richard Oelze. New York, Spencer A. Samuels & Co Ltd., 1974, cat. no. 17, ill. / 12 depuis `45. Brüssel, Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, 1977, cat. no. 9, ill. / 100 Jahre Kunst in Deutschland 1885-1985. Ausstellung für die 28. Internationalen Tage in Ingelheim am Rhein, 1985, cat. no. 38, ill. p. 86 /Apokalypse. Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, 1985, cat. no. 130, ill. p. 263 / XLII. Biennale di Venezia. Venedig, 1986, no. 3, p. 95 / Richard Oelze 1900-1980. Gemälde und Zeichnungen. Berlin, Akademie der Künste; Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, and Hamburg, Kunstverein, 1987, p. 146, ill. p. 71 / Richard Oelze. London, Fischer Fine Art Ltd., 1990, no number, ill. p. 44 / 45
Literatur und Abbildung: Milan Nápravník: L'archetipo nelle giuste sfere di Oelze. In: Terzio occhio, quadrimestrale d'arte fantastica, vol. 3, no. 7, Jan 1977, p. 14
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