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Lot 530
SALEH BEN JAGGIA, RADEN 1811 Samarang (Java) - 1880 Buitenzorg Kampf zwischen einem javanesischen Rhinozeros und zwei Tigern. Öl auf Leinwand. 48 x 60cm. Signiert und datiert unten rechts: Raden Saleh ft. 1840. Rahmen. Provenienz: Privatsammlung Berlin. Gutachten: Dr. Werner Kraus, Passau, September 2014. Raden Saleh Ben Jaggia, der Prinz aus Java, nahm 1829 mit 18 Jahren die große Herausforderung an, ausgestattet mit einem Stipendium nach Holland zu reisen. Seine Ausbildung als Maler wollte er vervollständigen aber sicher auch die Heimat der Kolonialherren denen sein Volk gegenüberstand, studieren. Saleh war eine absolute Ausnahmeerscheinung in der Kunst-Welt des 19. Jahrhunderts. Über 22 Jahre sollte er in Europa - vornehmlich Holland und Deutschland - bleiben. Handwerkliches Können gepaart mit einer schillernden Persönlichkeit machten ihn schnell zum "Star" in einer Gesellschaft, die nach Exotik verlangte. Seine Dresdener Jahre, ab 1839, in denen auch unser Bild entstand, waren äußerst produktiv und manche seiner Bilder sind heute noch in deutschem Privatbesitz erhalten. Welche Wertschätzung Saleh bei seinen Zeitgenossen erfuhr, spiegelt sich auch darin, dass der Europäische Hochadel bis hin zum englischen Königshaus seine Gemälde begehrte. Noch heute finden sich seine Werke u.a. im Buckingham Palace und Windsor Castle. In seiner Heimat gilt Saleh, der 1851 nach Java zurückkehrte, als der Begründer der modernen indonesischen Kunst. So spannte Raden Saleh eine kulturelle Brücke zwischen zwei damals unendlich fernen Welten. Im 21. Jahrhundert verbindet Raden Saleh und das Auktionshaus VAN HAM eine besondere Erfolgsgeschichte. Salehs Gemälde "In höchster Not" (1842), wurde hier 2008 für 2 Millionen Euro verkauft, dies ist bis heute der höchste Auktionszuschlag für ein Gemälde des 19. Jahrhunderts weltweit. Auch "Die Löwenjagd" (1840) und "Löwen mit totem Pferd und Schlange" (um 1839), sind ebenso wie das Rekord-Gemälde in der starken Werkphase des Künstlers anzusiedeln aus der auch unser aktuelles Gemälde stammt. Auch diese beiden Werke fanden über VAN HAM zu Höchstpreisen in neuen Besitz. Dr. Werner Kraus geht in seinem Gutachten ausführlich auf die Seltenheit der Darstellung eines Rhinozeros' in der Kunstgeschichte allgemein und im Werk Raden Salehs im Speziellen ein. Die hier vorliegende Arbeit, bislang unbekannt erweitert nun als Neuentdeckung das Oeuvre des Künstlers um ein neues Thema, nämlich das des Kampfes zweier Wildtiere. Sowohl das Motiv des Kampfes, als auch die Art der Malerei mit der feinen Ausarbeitung der Details, der kompositorischen Stellung und der Führung des Auges des Betrachters auf das Zentrum sind deutliche Belege für die Autorenschaft Raden Salehs. Gutachten Dr. Werner Kraus: "Das javanische Rhinozeros, in der Lokalsprache Badak genannt, ist ein enger Verwandter des indischen Rhinozeros, das ein frühes visuelles Zeugnis in der europäischen Bilderwelt hinterlassen hat. Ich spreche von Albrecht Dürers "Rhinoceros" aus dem Jahr 1515, das zu den bekanntesten Bildern der Kunstgeschichte zählt. Dürer hatte nie selbst ein Rhinozeros gesehen, sondern arbeitete anhand einer Beschreibung, die er aus Lissabon erhalten hatte. Sein Nashorn wurde - trotz anatomischer Fehler - für lange Zeit zum Rhinozeros-an-sich und findet sich als Zitat in vielen Werken der europäischen, aber auch der japanischen und südamerikanischen Kunstgeschichte. Da das Bild auch in zeitgenössischen Naturkunde-Handbüchern Verwendung fand, wurde Dürers Bestie nicht allein in der Kunst, sondern auch in der Wissenschaft zur Ikone. Erst mit der Ankunft eines weiteren indischen Nashorns, das ab 1741 als Jungfer Clara in ganz Europa zur Schau gestellt wurde, verlor Dürers Rhinozeros seine exemplarische Vorbildfunktion. Das älteste, nach europäischen Regeln in Java gemalte Aquarell, stellt ebenfalls ein Rhinozeros dar. Es schmückt das Reisetagebuch des Caspar Schmalkalden aus Thüringen, der zwischen Dezember 1646 und Dezember 1651 in Ostindien weilte. Zu der Rhinozeros-Zeichnung schrieb er: "Dieser Rhinocer ist von einem chinesischen Maler nach einem lebendigen, so in Batavia gewesen, abgezeichnet worden." Schon die oberflächliche Betrachtung des Aquarells zeigt allerdings, dass auch dafür der Holzschnitt Dürers als Vorbild gedient haben muss, allerdings wiederholt der chinesische Künstler nicht Dürers Fehler. (Auf die spannende Geschichte, wie ein Chinese in Batavia zu Dürer kam, muss hier leider verzichtet werden.) In den letzten 200 Jahren wurden in der europäischen Kunstgeschichte Rhinozeros-Darstellungen rar und in Südostasien ist mir überhaupt keine bekannt. Raden Salehs Rhinozeros Dass Raden Saleh einen Kampf zwischen zwei Tigern und einem Rhinozeros gemalt hat, war der Forschung bisher unbekannt. Das Bild, das 1840 in Dresden entstand, wurde auf keiner zeitgenössischen und keiner späteren Ausstellung gezeigt und blieb damit bis heute dem öffentlichen Auge verborgen. Das ist jedoch nicht verwunderlich, denn wir wissen, dass Raden Saleh ein ausgesprochen fleißiger Maler war und viele seiner Bilder direkt aus seinem Atelier an Sammler verkaufte. Eine Quelle für seine Dresdner Produktion sind die Briefe, die er in malaiischer Sprache an seinen Mentor Jean Chretien Baud, Kolonialminister in Den Haag, geschrieben hat. Auch darin wird das Rhinozeros nicht erwähnt. Nachweislich listete Saleh in dieser Korrespondenz nur einen Bruchteil seiner Produktion auf, denn er wollte die holländische Regierung in dem Glauben lassen, dass er ein armer Maler sei, der weiterhin durch ein königliches Stipendium unterstützt werden müsse. All dies mag erklären, weshalb wir dieses beeindruckende Bild bisher in keinem Dokument erwähnt fanden. Im Zentrum des Bildes sehen wir ein javanisches Nashorn, das von zwei Tigern angefallen wird. Während der eine Tiger sich auf dem Rücken des gepanzerten Tieres festkrallt, ist der zweite bereits vom tonnenschweren Rhinozeros gegen den Boden gedrückt. Wie der Kampf ausgehen wird ist nicht abzusehen. Das muss uns aber nicht weiter interessieren, da in Java Tiger und Nashorn in perfekter Koexistenz lebten und sich gegenseitig nicht bekämpften. So gesehen ist Salehs Komposition eine Erfindung, ein Zugeständnis an die orientalistischen Sehnsüchte des biedermeierlichen Dresdens. Typisch für Raden Saleh ist die feine Ausarbeitung der Tiger. Da sitzt jeder Strich. Soweit ich sein Werk überblicken kann, haben wir es hier mit dem ersten Tigerbild Raden Salehs zu tun. Er hatte diese Tiere nicht nur in seiner Heimat Java gesehen (wo regelmäßig Kämpfe zwischen gefangenen Tigern und Büffeln organisiert wurden), sondern auch vor wenigen Jahren in Holland, in der Menagerie des Franzosen Henri Martin. Während des Aufenthaltes Martins in Den Haag skizzierte Saleh ausgiebig dessen Löwen und Tiger und entschädigte Martin mit einem schönen Porträt. Der Königstiger der Menagerie, den man als Vorlage für die beiden Tiger auf dem Bild ansehen muss, trug den Namen Atyr. Übrigens ist es wahrscheinlich, dass Delacroix für sein berühmtes Bild Jeune tigre jouant avec sa mère den gleichen Tiger, also Atyr, als Modell benutzt hat, denn auch Delacroix hatte, einige Jahre früher, die Tierschau von Henri Martin besucht. Die kompositorische Stellung der beiden Tiger erinnert stark an die der beiden Löwen (Löwin und Löwe) auf dem Bild "Löwenjagd" das ebenfalls 1840 in Dresden gemalt wurde (2005 bei Van Ham versteigert). Die Schlucht, in der das Drama angesiedelt ist, ist mit der typischen Flora des javanischen Urwaldes bewachsen und auch die Topographie ist der javanischen Realität gemäß gemalt. Ungewöhnlich ist der unterschiedliche Grad der Ausarbeitung des Bildes. Während die zentrale Tiergruppe in der typischen Feinmalerei des 19. Jahrhunderts gemalt ist, bleibt der Hintergrund flüchtig und wenig ausgearbeitet. Dadurch erzielt das Bild den schönen Effekt, dass das Auge des Betrachters unweigerlich auf den Kampf im Zentrum gelenkt wird. Dies ist übrigens nicht ganz untypisch für Raden Saleh. Einen sehr ähnlichen Bildaufbau (Hintergrund unausgearbeitet, zentrales Bildgeschehen Feinmalerei) finden wir auch beim "Kampf zwischen Tiger und Büffel, Öl auf Leinwand 32 x 42 cm, signiert und datiert: Raden Saleh f 1847". Die schöne Signatur des Rhinozeros-Bildes wurde mit dem Stiel des Pinsels in die weiche Ölfarbe eingegraben. Dies wurde von den Restauratoren der Gruppe Köln bestätigt, die diese Signatur kürzlich unter dem Mikroskop betrachtet haben. Das bedeutet, dass Signatur und Datierung ursächlich zum gemalten Bild gehören. Das Bild "Kampf zwischen einem Rhinozeros und zwei Tigern" ist eine wunderbare Neuentdeckung und ergänzt das Werk Raden Salehs um ein wichtiges Bild. Thema, historische Umstände, Signatur und Datierung lassen keinen Zweifel an seiner Echtheit zu." SALEH BEN JAGGIA, RADEN 1811 Samarang (Java) - 1880 Buitenzorg Battle between a Young Javenese Rhinoceros and Two Tigers. Oil auf canvas. 48 x 60 cm. Signed, and dated lower right: Raden Saleh ft. 1840. Framed. Provenance: Private Collection, Berlin. Expertise: Dr Werner Kraus, Centre for Southeast Asian Art, Passau (Germany) "The Javanese rhinoceros, called Badak in the local vernacular, is a close relative of the Indian rhinoceros, of which there is early visual evidence in the world of European paintings. I am referring to Albrecht Dürer's Rhinoceros from 1515, which is one of the best known graphic works in art history. Dürer had never personally seen a rhinoceros but worked on the basis of a description he had received from Lisbon. Despite anatomical errors, his rhino became the ultimate rhinoceros and was referred to in many works of European, but also Japanese and South American art history. Since the picture was moreover used in contemporary natural history textbooks, Dürer's beast became an icon not only in art but also in science. Only when yet another Indian rhinoceros arrived which was presented to the public as Clara throughout Europe from 1741 on, did Dürer's rhinoceros lose its exemplary status. The oldest watercolour painted in Java according to European rules also shows a rhinoceros. It decorates the travelogue of Caspar Schmalkalden from Thuringia, who lived in East India between December 1646 and December 1651. He wrote about the drawing of the rhinoceros: "This rhino was drawn by a Chinese painter from a live one that was in Batavia." Yet even a superficial look at the watercolour tells us that Dürer's woodcut must have served as a model as well, even though the Chinese artist did not repeat Dürer's mistakes. (Regrettably, I have to dispense with the thrilling story of how a Chinese man in Batavia became acquainted with Dürer.) During the past 200 years, representations of rhinoceroses became rare in European art history, and I am not aware of any at all in Southeast Asia. Raden Saleh's rhinoceros Previously research was ignorant of the fact that Raden Saleh had painted a battle between two tigers and a rhinoceros. The picture, which was produced in Dresden in 1840, was not presented at any contemporary or later exhibition, and therefore has been hidden from the public eye to this day. Yet this is not surprising, as we know that Raden Saleh was a very industrious painter who sold many of his pictures to collectors straight from his studio. One source for the work he painted in Dresden is the letters he wrote in malay language to his mentor Jean Chretien Baud, Minister of Colonial Affairs in The Hague. They do not mention the rhinoceros, either. We know that Saleh only listed a fraction of his production in this correspondence, because he did not want to disabuse the Dutch Government of the notion that he was a poor painter who continued to depend on a royal stipend. All of this may explain why we have never seen any mention of this impressive painting in any document. At the centre of the painting there is a Javanese rhinoceros that is being attacked by two tigers. While one tiger clings to the back of the animal with the armour-like skin, the other one is already being pushed to the ground by the rhino, which weighs well more than a tonne. We cannot tell how the fight will end. Yet this should not greatly concern us, as tiger and rhinoceros coexisted perfectly with each other in Java and did not fight each other. Considering this fact, Saleh's composition is an invention, a concession to the Oriental yearnings of the Dresden of the Biedermeier period. The way the details of the tiger have been wrought is typical of Raden Saleh. Every line is perfect. Based on my knowledge of Raden Saleh's complete oeuvre, this was his first painting of a tiger. He had seen these animals not only in his native country of Java (where battles between captured tigers and buffalo were arranged regularly) but also a few years previously in the Netherlands, in the menagerie of the Frenchman Henri Martin. During Martin's stay in The Hague, Saleh made numerous sketches of his lions and tigers, for which he compensated Martin with a nice portrait. The menagerie's Bengal tiger, which we must assume to have served as the model for the two tigers in this picture, had the name of Atyr. Incidentally, it is likely that Delacroix used the same tiger, Atyr, as the model for his famous painting Jeune tigre jouant avec sa mere, because Delacroix, too, had visited Henri Martin's menagerie a few years before. The way the two tigers are positioned in the composition of the painting is strongly reminiscent of the two lions (lion and lioness) in the painting Lion hunt, which was also produced in Dresden in 1840 (auctioned off in 2005 by Van Ham). The ravine in which the drama is set is overgrown with the typical flora of Java's primal forest, and the topography also emulates Javanese reality. What is unusual is the discrepancy in the way the details are wrought. Whereas the central group of animals is done in the typical 19th century fijnschilder style, the background remains sketchy, with few details. This gives the painting the nice effect of inevitably directing the eye of the beholder to the fight at the centre. It is a device that is not all that atypical of Raden Saleh. We notice a quite similar composition (sketchy background, central action executed in fijnschilder style) in Battle between tiger and buffalo, oil on canvas, 32 x 42 cm, signed and dated "Raden Saleh f 1847". The beautiful signature of the rhino picture was engraved in the soft oil paint with the stem of the brush. This was confirmed by the restorers of Gruppe Köln, who recently examined the signature under the microscope. This means that signature and date are in fact original parts of the painting. The picture Battle between a Javanese rhinoceros and two tigers is a wonderful new discovery that adds an important painting to Raden Saleh's oeuvre. Theme, historical circumstances, signature and date leave no doubt as to its authenticity."
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Beaux Arts
50968 Köln - Allemagne
14/11/2014
Proposé par Van Ham
49 221 9258620

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