Lot 3040
Sebastian Vrancx (1600 – Antwerpen – 1647) DORFKIRMES. Um 1634 Öl auf Eichenholz. 51,6 x 75 cm ( 20 ⅜ x 29 ½ in.). Über dem Türsturz des Hauses rechts vorn die Inschrift: dit huys is goed (dieses Haus ist gut). Mit einem Gutachten von Friedrich Winkler, Berlin, vom 28. Januar 1931 als „charakteristische ... Arbeit des Sebastian Vrancx“ (im Original) / Mit einem Gutachten von Max J. Friedländer, Berlin, vom 23. August 1931, wegen der irrtümlich als Signatur gedeuteten Bezeichnung auf dem rechten Türsturz (s.o.) als „Pieter Huys“ (im Original).– Parkettiert. [3001] Provenienz: Sammlung des Klavierbauers und Großindustriellen Carl Bechstein (1826–1900), Berlin / Dessen Sohn Edwin Bechstein (1859–1934), Berlin / Sammlung Kurt Rohde, Berlin (als Droochsloot) / Sammlung Elisabeth Rohde, Berlin Quelle Sammlung Rohde-Hinze: annotierter Auktionskatalog: Gemälde Alter Meister. Sammlung Carl Bechstein-Berlin, Antiquitätenhaus Wertheim, 11. Dezember 1930, Los 14, S. 12, Tafel XVIII, 1.200 RM (als Droochsloot) Teilnehmer und Schaulustige haben sich zum Fest der Kirchweihe auf einer Dorfstraße versammelt, ein farbenfrohes Aufgebot, in dem vom Bauern bis zum Edelmann alle Stände vertreten sind. Man sieht sich bzw. will gesehen werden. Überwiegend Personen von Rang, vornehme Bürger und Adlige, halten die vordere Zone des Bildes besetzt, darunter ein Knabe in höfischer Pose und Aufmachung in Begleitung eines Stallknechts in Livree, der einen Schimmel am Zügel führt, und eines Herrn nicht minder gehobenen Anspruchs, der seinen Gruß in kavaliersmäßiger Eleganz der Familie links am Bildrand entrichtet. Die Figuren sind im Geschmack der französischen Mode jener Tage gekleidet und unterscheiden sich schon dadurch vom einfachen „Kostüm“ der Bauern, von denen einige erst in der zweiten Reihe anzutreffen sind. Vom Tanzen erschöpft, hat sich eine Gruppe mitten auf der Dorfstraße niedergelassen, nicht ohne großen Tonkrug. Andere tanzen ausgelassen zur Musik eines Dudelsackspielers oder bewegen sich eher gemessenen Schrittes wie das Paar links, ein Zitat aus der „Bauernhochzeit im Freien“ des berühmten „Bauern-Breughel“, eine Komposition, die Pieter Breughel der Jüngere in zahlreichen Wiederholungen popularisiert hat. Symbolisiert durch den Kopfstand des Kindes vorn, wechseln die Vorzeichen im Übergang der Bildhälften. In der Taverne bzw. dem Bordell rechts ist ein Unort vor Augen geführt. Der Spruch über der Tür „dit huys is goed“ zieht zweifelhafte Gestalten an, die sich ihren Bedürfnissen ungeniert hingeben. Einer schickt sich, an gegen das Mauerwerk zu urinieren, der andere tut dies bereits, ohne zu bemerken, daß aus dem Fenster über ihm eine Frau ein Nachtgeschirr leert. Im weiteren Verlauf der Dorfstraße werden weitere Motive menschlichen Fehlverhaltens vor Augen geführt: Liebenshändel, Streit, Würfel- oder Kartenspiel. Es sind Szenen dieser Art, die Personen, die etwas auf sich halten, zum Besuch dieser ländlicher Feste animiert haben. Das exzessive Verhalten der Bauern wurde mit Vergnügen aufgenommen. Es diente der Unterhaltung, sollte aber zugleich als negatives Beispiel zur Belehrung und Aufrüstung der eigenen schwachen Moral verhelfen. Kirchenfahnen sind nicht ausgesteckt, und so bleibt die Frage, welchem Heiligen die Kirche rechts geweiht ist, unbeantwortet. Rein als Dorffest ist die Darstellung nicht zu deuten. Im Hintergrund, vom lärmenden Treiben davor weit entfernt, bewegt sich ein Prozessionszug auf dem, kaum erkennbar, eine Heiligenfigur getragen wird. Sebastian Vrancx ist in erster Linie als Schlachtenmaler bekannt geworden. Er hat es verstanden, mit Massen umzugehen, diese bildmäßig zu gliedern. Im Verlauf zur Tiefe hin teilt sich das Geschehen in zunehmend lockerer Fügung mit. Aber auch die dichte Reihung vorn bietet im Vor und Zurück der Figuren genügend Platz, um Einzelaspekte hervorzuheben. An erzählerischer Phantasie hat es dem Künstler, der Theaterstücke und Gedichte verfaßt hat, auch Mitglied der Rhetorikergesellschaft der Antwerpener Maler „de Violier“ war, nicht gemangelt. Anhalt für die Entstehung unseres Bildes bietet eine eng vergleichbare, 1634 datierte „Dorfkirmes“ des Malers, die 2014 in New York versteigert wurde. Jan Kelch, Berlin Vergleichswerk: Sebastian Vrancx: Eine Dorfkirmes, 54,3 x 72,7 cm, Christie's, New York, 29. Januar 2014, Los 52 Sebastian Vrancx (1600 – Antwerp – 1647) VILLAGE KERMESSE. Circa 1634 Oil on oak. 51,6 x 75 cm ( 20 ⅜ x 29 ½ in.). Over the door lintel of the house front right the inscription: dit huys is goed (this house is good). Accompanied by a certificate by Friedrich Winkler, Berlin, dated 28 January 1931, where described as a "charakteristische ... Arbeit des Sebastian Vrancx“ (in the original) / accompanied by a certificate by Max J. Friedländer, Berlin, dated 23 August 1931, in which the work is attributed to "Pieter Huys" (Friedländer having erroneously interpreted the inscription on the door lintel as a signature, see above) (in the original).– Parquetted. [3001] Provenienz: Collection of the piano maker and industrialist Carl Bechstein (1826–1900), Berlin / his son Edwin Bechstein (1859–1934), Berlin / collection Kurt Rohde, Berlin (as Droochsloot) / collection Elisabeth Rohde, Berlin. Source, collection Rohde-Hinze: annotated auction catalogue: Gemälde Alter Meister. Sammlung Carl Bechstein-Berlin, antique dealer Wertheim, 11 December 1930, lot 14, p. 12, plate XVIII, 1.200 RM (as Droochsloot) Comparable work: Sebastian Vrancx: A Village Kermesse, 54,3 x 72,7 cm, Christie's, New York, 29 January 2014, lot 52
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
03/07/2015
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0