Lot 464
SELTENES FRÜHES TEEKÄNNCHEN MIT LANDSCHAFTSMALEREI
Deutsch, Meissen, 1722 (Ausformung), um 1725 (Bemalung), Malerei wohl aus der Werkstatt von Johann Gregorius Höroldt
Porzellan, polychrome Malerei, Goldstaffage. H. 11,5 cm (mit Deckel). Unterglasurblaue 'M.P.M.' Marke. Auf niedrigem Standring gedrückter birneförmiger Korpus. Mit Blattwerk angesetzter Bogenhenkel. Geschweifter Röhrenausguss mit plastischem Maskaron am Ansatz. Gewölbter Deckel mit Pagodenknauf. Beidseitig aufwendig gemalte Kartuschen in Gold, Eisenrot und Purpur mit Lüsterfeldern, darin Darstellungen der Parkanlagen mit Staffage. Deckel mit umlaufender Landschaft. 1. Wahl. Standring, Deckel auf Innenseite und Knauf part. best., part. ber., min. Glasurfehler.
Das angebotene Teekännchen mit der Darstellung der Parkanlagen gehört zweifelsohne zu den frühen und seltenen Erzeugnissen der Meissener Manufaktur. Die unterglasurblaue "M.P.M."-Marke weist auf die Ausformung im Zeitraum zwischen Juni und November 1722 hin. Dennoch sind die Teekannen dieses Typus bereits seit 1711 bekannt. Zum ersten Mal von Johann Jacob Irminger geformt, fand das elegante, leicht gedrückte Modell mit Maskaron am Ansatz des Ausgusses und gebogenem Henkel so große und nachhaltende Beliebtheit, dass es bis hin in die 1720er weiter benutzt wurde. Die umfangreiche Wandung der Teekannenseiten hat ausreichend Malfläche geboten, um das künstlerische Können der Manufakturmaler überzeugend zu demonstrieren. In den feinen, mit großer Präzision und nach besten Vorbildern Johann Gregorius Höroldts ausgeführten Kartuschen sieht man die idyllischen Ansichten der sommerlichen Parkanlagen. Auf einer Seite fährt eine Kutsche, von den Reitern begleitend, an einem Gewässer mit prachtvollen Fontänen vorbei. Auf der Anderen erholt sich eine fröhliche Gesellschaft im Freien. Eine Deckelterrine mit Untertasse mit ähnlichem Motiv befindet sich in Bayrischen Nationalmuseum (Inv. Nr. ES 269 a). Der unterschiedliche Charakter der Malerei lässt vermuten, dass bei der Bemalung des Teekännchens zwei Maler tätig waren. Während die Landschaft mit üppiger Vegetation und die Gartenelemente eine flüchtige und skizzenhafte Darstellungsweise aufweisen, sind die Staffagefiguren, insbesondere die in Bewegung dargestellten Reiter, mit großer Sorgfalt und Genauigkeit ausgeführt. Trotz dessen ist die Orientierung sowohl in der Gesamtansicht als auch in Details der Malerei an den von Höroldt eingeführten Darstellungsverfahren nicht zu übersehen. Anhand des guten Erhaltungszustandes und der einzigartigen Malerei zählt dieses Teekännchen zu einer Rarität.
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Objets de vitrine, flacons et sulfure
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