Lot 164
Théodore Gudin (Paris 1802 – 1880 Boulogne-sur-Seine)
Strandszene. (Nach) 1866/67
Öl auf Holz. 21,5 × 33,5 cm ( 8 ½ × 13 ¼ in.). Unten rechts signiert: T. Gudin. Rückseitig ein Stempel der Pariser Künstlerbedarfshandlung Deforge-Carpentier.
[3037]
Fast ist man versucht, beim Betrachten dieses vor 150 Jahren gemalten Meeres an Gerhard Richters frühe Seestücke („Foto-Bilder“) zu denken: die gemalte Reproduktion einer fotografisch „dokumentierten“ Wirklichkeit. Denn auch unser Gemälde fordert zum Vergleich mit einem technischen Bild auf – und offenbart sich als eine Malerei in Öl, die ihre künstlerische Raffinesse mit jedem Wimpernschlag eindrucksvoller entfaltet.
Die Fotografie übte bekanntlich seit dem Tag ihrer öffentlichen Bekanntmachung in Paris, am 19. August 1839, enormen Einfluß auf die Kunst aus. Faszination und Aktualität des Erforschens und Hinterfragens von Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten in realen und abgebildeten („second-hand“) Welten haben sich bis heute erhalten.
Théodore Gudin, jener dem Zeitalter der Romantik entsprungene „Musiker der Meeresströme“, war 1839 bereits ein europaweit gefeierter Künstler. Seine oft farbexplosiven Naturschauspiele wurden für ihre „Naturwahrheit“ bewundert. Mit größter Virtuosität übertrug Gudin seine geduldigen Naturbeobachtungen in eine furiose Malerei, die einen wahrgenommenen Natureindruck nicht nur ins Bild übersetzte, sondern denselben zugleich reflektierte und „nacherleben“ ließ.
Die Möglichkeit von Abzügen auf Papier hatte der Fotografie seit der Jahrhundertmitte endgültig zum Siegeszug verholfen. Unser Mitte der 1860er Jahre entstandenes Bild charakterisiert keine gesteigerte malerische Inszenierung, sondern die ausgesprochen feine, monochrome Ausführung, mit subtil gesetzten Farbakzenten. Der Betrachter nimmt auf einem imaginierten Beobachtungsposten platz, von wo aus er auf die Szenerie schaut. Die unterschiedlichen Schärfen bzw. Unschärfen in der Darstellung deuten darauf hin, dass auch Gudin sich mit Fotografie beschäftigt und sie als Hilfsinstrument für seine durchdachte und auf genauen Beobachtungen beruhende Komposition genutzt hat – im Sinne der Malerei, deren Möglichkeiten Gudin auskostet, ja die er in ihrer ganzen Schönheit feiert. AA
Théodore Gudin (Paris 1802 – 1880 Boulogne-sur-Seine)
Beach scene. (after) 1866/67
Oil on panel. 21,5 × 33,5 cm ( 8 ½ × 13 ¼ in.). Signed lower right: T. Gudin. On the reverse a stamp of the Parisian art supply store Deforge-Carpentier.
[3037]
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente