Lot 463
Ury, Lesser
(Birnbaum 1861 - 1931 Berlin)
Heuernte.
Öl auf Leinwand. 1892. 700 x 1085 mm. Gerahmt.
Signiert. Mit einer Expertise von Dr. Sibylle Groß, Berlin, vom 11. Oktober 2013.
Das Gemälde wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Lesser Ury aufgenommen.
- Provenienz: Rudolf von Strasser, New York Galerie Michael Haas, Berlin Galerie Pels-Leusden, Berlin W. Weik Antiquitäten, Berlin Privatsammlung, Berlin.
- Ausgestellt in: Lesser Ury 1861-1931. Oils, Pastels, Gouaches, Watercolors, Drawings and Prints.
The Leo Baeck Institute in cooperation with the American Bank & Trust Company at the Art Gallery of the American Bank & Trust Company, 1973, Katalog-Nr. 11 Maler der Berliner Secession, Galerie Michael Haas, Berlin 1980, Katalog-Nr. 74 Lesser Ury zum 50. Todestag. Gemälde, Pastelle, Zeichnungen und Graphik. Galerie Pels-Leusden, Berlin 1981, Katalog-Nr. 1 sowie: Orangerie '87. Deutscher Kunsthandel im Schloß Charlottenburg, Berlin 1987, S. 184.
Lesser Ury gilt als wegweisender Vertreter des Impressionismus in Deutschland, wobei es nicht nur seine nächtlichen Straßenzüge waren, die zu seiner Bekanntheit beitrugen, sondern insbesondere seine Landschaftsansichten.
Er erkannte früh, dass er für den schulmeisterlichen Betrieb der deutschen Akademien nicht geschaffen war und suchte sein Glück in Brüssel und Paris. Von 1880 bis 1886 hielt er sich mehrheitlich dort auf und fand in der plein-air-Malerei seine Bestimmung, seine Zuflucht. Zeitlebens hatte Ury seine Schwierigkeiten mit zwischenmenschlichen Beziehungen, so dass er häufig die Einsamkeit des Malens vorzog.
Im Sommer 1892 entschloss er sich für drei Monate nach Schleswig-Holstein zu reisen, um dort ungestört arbeiten zu können. Auf Empfehlung des älteren Malerkollegen Hans Olde fiel die Wahl auf das Dörfchen Strande an der Kieler Förde.
Ury schrieb an Olde: Wenn ich durch Ihre Güte irgend ein Dorf finde, in welchem die Leute nicht zu grob sind und mich ungestört arbeiten lassen, vor allen Dingen darf ich kein Bier trinken, nur Milch, Eier, Brod und Butter finde, dann bin ich zufrieden. Ich möchte einmal eine Leinwand von 2-3 Meter von der Natur runtermalen. (nach Schlögel 1995)
Die weite norddeutsche Landschaft mit vereinzelten Heuhügeln faszinierte Ury. Sie führte ihn zu dem vorliegenden großformatigen Ölgemälde, von dem auch eine Variante in Pastellkreiden existiert, die denselben Landschaftsausblick jedoch ohne Feldarbeiter zeigt.
Die hinzugefügten Figuren beleben die Szene und bereichern als kleine Farbtupfen die ansonsten karge Landschaft.
Ury bewies hier einmal mehr, dass er ein hervorragender Stimmungsmaler war, der die gesamte Klaviatur der Farbnuancen und Farbspiele beherrschte.
Mit skizzenhafter Leichtigkeit vermittelt er uns den hohen Himmel, die flache Wiesen und Weiden, die windgeschüttelten Bäume und das harte Leben der Bauern. So hielt der Philosoph Max Dessoir 1903 über seine späteren Bilder fest: Er ist damit, wenn ich es richtig sehe, seiner Zeit ebenso voraus, wie er es im Jahr 1883 war, als er die kühnsten Freilichtbilder schuf. (Ebd.)
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