Lot 27
Walter Dexel (München 1890 – 1973 Braunschweig)
„MO 1925 I“. 1925
Öl auf Leinwand. 64,5 × 54 cm ( 25 ⅜ × 21 ¼ in.). Unten rechts signiert und datiert (in die Farbe geritzt): WDEXEL 25. Rückseitig mit Pinsel in Schwarz signiert und betitelt: WALTER DEXEL MO 1925 I. Auf dem Keilrahmen jeweils ein Etikett zu den Ausstellungen Hannover 1974, Köln 1988 / 89 und Köln 1990.
Wöbkemeier 271.–
[3093]
Provenienz: Ehemals Bernhard Dexel, Hamburg
Ausstellung: Gruppenausstellung. Wiesbaden, Nassauischer Kunstverein und Wiesbadener Gesellschaft für Bildende Kunst im Neuen Museum Wiesbaden, 1925, Kat.-Nr. 10 / Walter Dexel. Braunschweig, Städtisches Museum; München, Städtische Galerie im Lenbachhaus; Wiesbaden, Städtisches Museum; Oldenburg, Kunstverein; Dortmund, Museum am Ostwall, 1962 / 63, Kat.-Nr. 53 (im Kat. als unsigniert und undatiert verzeichnet) / Walter Dexel. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1974, Kat.-Nr. 53 / Walter Dexel. Bilder, Aquarelle, Collagen, Leuchtreklame, Typographie. Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, 1979, Kat.-Nr. 68 / Walter Dexel zum 10. Todestag. Ölbilder, Köpfe. Berlin, Kunstamt Wedding, und Kaiserslautern, Pfalzgalerie, 1983 / 84, Kat.-Nr. 56 / Konstruktivismus – Suprematismus – Dreißig Jahre europäische Avantgarde. Köln, Galerie Stolz, 1988 / 89, Kat.-Nr. 32, Abb. S. 55 / Schöne Tage im Hause Dexel ... – Das Gästebuch – Walter Dexel zum 100. Geburtstag. Köln, Galerie Stolz, 1990, Kat.-Nr. 14, Abb. S. 149 / Walter Dexel. Bild, Zeichen, Raum. Bremen, Kunsthalle; Wuppertal, Von der Heydt-Museum; Berlin, Bauhaus-Archiv; Wolfsburg, Kunstverein; Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1990 / 91, Kat.-Nr. 54 / Kulturaustreibung. Die Einflüsse des Nationalsozialismus auf Kunst und Kultur in Niedersachsen. Hannover, Hannoversche Gesellschaft für Neue Musik in Zusammenarbeit mit dem Sprengel-Museum Hannover und dem Niedersächsischen Landesmuseum, 1993, ohne Kat.-Nr., S. 214 und 220 f., Abb. S. 77 / Walter Dexel. Oldenburg, Kunstverein, 1994, Verwendung des Bildes als Plakatmotiv / Walter Dexel. Ölbilder, Graphik. Budapest, Kassák Múzeum, 1994, Abb. auf dem Titelblatt des Ausstellungsprospekts sowie Plakatmotiv
Mit seinem Bild „MO 1925 I“ von 1925 hat Walter Dexel den Höhepunkt seiner konstruktivistischen Werkphase erreicht. Er sieht sich jetzt gleichrangig neben Mondrian. Es ist eine Hommage an Mondrian. Dabei verzichtet Dexel auf Rundformen und auch auf die Diagonale (beides Formprinzipien, die er liebte, Mondrian aber mied), gestaltet das Bild vollständig aus dem Senkrecht / Waagerecht, zeigt dem Holländer aber, welche Pracht Farben entwickeln können, wenn sie ans Schwarze gebunden werden. Jede der vorhandenen bunten Farben lehnt sich an Schwarz an, die schwarze Farbe adelt alle anderen Farben (ein Zitat von Rudolf Jahns), zugleich siedeln aber die bunten Farben auch sämtlich am Weiß. Das Werk steht modellhaft für Dexels Gestaltungsprinzip einer „asymmetrischen Harmonie“, die er weitgehend durchhielt, auch im konstruktivistischen Spätwerk (1963 bis 1971) gibt es bei Dexel kein symmetrisches Bild.
„MO 1925 I“ wurde noch im Entstehungsjahr im Museum Wiesbaden in einer Gruppenausstellung bedeutender europäischen Konstruktivisten gezeigt. Und es war 1927 in Berlin in der Schau „Maler der Juryfreien“ zu sehen; dort ist das Ölbild zusammen mit zwei Hinterglasbildern des Malers, nämlich „1924 IX“, 1924 (Wöbkemeier 252), und „Fast ein S“, 1925 (Wöbkemeier 286), im Begleitheft zur Ausstellung abgebildet (S. 26 / 27).
Als Dexel „MO 1925 I“ in Berlin zeigte, war er längst dabei, einen – man könnte sagen – „allmählichen“ Abschied vom Bildermalen zu nehmen. Im Begleitheft zur Ausstellung der Juryfreien schreibt er: „Heute scheint es mir notwendig, praktische Aufgaben zu lösen und zunächst einmal die Atmosphäre zu reinigen, die uns umgibt“ (dort S. 26). In diesen Jahren war Dexel im Auftrag des Frankfurter Stadtbaurates Adolf Meyer (1881–1929) mit Fragen der Stadtraumgestaltung in der Mainmetropole befasst, für ihn eine bedeutende Gelegenheit, seine bildnerischen Erfindungen von der Staffelei wegzuführen und stattdessen in den urbanen Alltag der Menschen einzubinden. Er hatte eine gesellschaftlich orientierte Künstlerpraxis begonnen.
Diese Hinwendung zur Gestaltung profaner Bereiche ist ganz erkennbar an seiner Bilder-Produktion in den 1920er-Jahren abzulesen. In den vier Jahren von 1923 bis 1926 entstehen 129 Bildwerke. In dem ebenfalls vier Jahre umfassenden Zeitraum von 1927 bis 1930 malt er nur noch 61 Bilder, weniger als die Hälfte. Als Hitlers Diktatur ihm Malverbot erteilte, malte er schon längst nicht mehr.
Dexel hielt das Bildnis „MO 1925 I“ Zeit seines Lebens für unverkäuflich, wollte es wohl immer zur Hand haben, um es an wichtigen Plätzen zeigen zu können. So schlummerte es 35 Jahre in einer seiner Bilderkisten, ehe das Städtische Museum Braunschweig es 1962 in seiner großen Ausstellung zur Wiederentdeckung des Malers erstmals wieder zeigte, es war noch immer undatiert und unsigniert, wie vieles in diesen Bilderkisten Dexels. Seine Erben haben das Bild auch einige Jahrzehnte als unveräußerlich betrachtet, so konnten sie es 1994 nach Ungarn in eine Dexel-Ausstellung des Museums Kassák in Budapest ausleihen, es schmückte das Titelbild der Begleitpublikation. Walter Vitt, Köln
Walter Dexel (Munich 1890 – 1973 Braunschweig)
„MO 1925 I“. 1925
Oil on canvas. 64,5 × 54 cm ( 25 ⅜ × 21 ¼ in.). Signed and dated lower right (incised into the paint): WDEXEL 25. Signed and titled with brush in black on the reverse: WALTER DEXEL MO 1925 I. On the stretcher labels of the exhibitions Hanover 1974, Cologne 1988 / 89 and Cologne 1990.
Wöbkemeier 271.–
[3093]
Provenienz: Formerly Bernhard Dexel, Hamburg
Ausstellung: Gruppenausstellung. Wiesbaden, Nassauischer Kunstverein und Wiesbadener Gesellschaft für Bildende Kunst im Neuen Museum Wiesbaden, 1925, cat. no. 10 / Walter Dexel. Braunschweig, Städtisches Museum; Munich, Städtische Galerie im Lenbachhaus; Wiesbaden, Städtisches Museum; Oldenburg, Kunstverein; Dortmund, Museum am Ostwall, 1962 / 63, cat. no. 53 (listed in the catalogue as unsigned and undated) / Walter Dexel. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1974, cat. no. 53 / Walter Dexel. Bilder, Aquarelle, Collagen, Leuchtreklame, Typographie. Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, 1979, cat. no. 68 / Walter Dexel zum 10. Todestag. Ölbilder, Köpfe. Berlin, Kunstamt Wedding, and Kaiserslautern, Pfalzgalerie, 1983 / 84, cat. no. 56 / Konstruktivismus – Suprematismus – Dreißig Jahre europäische Avantgarde. Cologne, Galerie Stolz, 1988 / 89, cat. no. 32, ill. p. 55 / Schöne Tage im Hause Dexel ... – Das Gästebuch – Walter Dexel zum 100. Geburtstag. Cologne, Galerie Stolz, 1990, cat. no. 14, ill. p. 149 / Walter Dexel. Bild, Zeichen, Raum. Bremen, Kunsthalle; Wuppertal, Von der Heydt-Museum; Berlin, Bauhaus-Archiv; Wolfsburg, Kunstverein; Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1990 / 91, cat. no. 54 / Kulturaustreibung. Die Einflüsse des Nationalsozialismus auf Kunst und Kultur in Niedersachsen. Hannover, Hannoversche Gesellschaft für Neue Musik in collaboration with the Sprengel-Museum Hannover and the Niedersächsischen Landesmuseum, 1993, no cat. no., p. 214 and 220 fn., ill. p. 77 / Walter Dexel. Oldenburg, Kunstverein, 1994, Verwendung des Bildes als Plakatmotiv / Walter Dexel. Ölbilder, Graphik. Budapest, Kassák Múzeum, 1994, ill. on the cover page of the exhibition brochure, and motif for the poster
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