Lot 41
Warhol, Andy Portraits of Hermann Lielje. 1982. Doppelporträt. Mischtechnik (Siebdrucktusche auf synthetischer Polymerfarbe) auf Leinwand. Je 101,7 x 101,7 cm. Jeweils verso auf umgeschlagener Leinwand signiert und datiert. - Porträt in Braun: mit zwei winzigen Verschmutzungsspuren im Stirnbereich des Kopfes. Porträt in Blau: weist außerhalb der Darstellung, im oberen rechten Bereich, zwei kleine bräunliche Flecken auf. Jeweils die Bildkanten minimal angestaubt. Ohne Rahmung. Provenienz: Seit 1982 in Familienbesitz des Porträtierten, Niedersachsen. - Beiliegend mit dem dazugehörenden Verkaufsdokument der Doppelporträts Andy Warhols an den Porträtierten Hermann Lielje (Dokument vom 14. Februar 1983; als Kopie vorliegend). - "Wenn Sie alles über Andy Warhol wissen wollen, müssen Sie nur auf die Oberfläche meiner Bilder schauen. Das bin ich. Da ist nichts hinter mir." (Andy Warhol, 1981). Andy Warhol probierte sich bereits in jungen Jahren als Werbegrafiker mit der "blotted line" Technik aus, die das vorwegnahm, wodurch er Berühmtheit erlangte. Er zeichnete seine Entwürfe mittels Bleistift auf wasserabstoßende Papiere auf, zog danach die Konturen mit Tusche nach und presste die nasse Zeichnung auf einen Bildträger. Danach fing er an, die Flächen mit Farben auszufüllen. Diese Herangehensweise kam dem späteren kommerziellen Erfolg zu Gute, da sich Warhols Vorliebe für konzeptionelle Verfahren und serielle Schaffensprozesse bereits hier aufzeigte. Denn der Abdruck der Linien konnte beliebig wiederholt werden. Andy Warhol war in dieser Zeit für seine "Colouring Partys" bekannt, bei denen die Gäste dazu animiert wurden, seine Arbeiten farbig auszumalen. Diese maltechnische Anregung und das Wissen um grafische Wirkungen, liessen ihn zum Verfahren des Siebdrucks gelangen, welches weltweit durch die "Factory" vermarket wurde. Seine Strategie der Produktion von Kunstwerken wurde zum Ausdruck einer Pop-Philosophie, die die Pop-Art Bewegung in Amerika etablierte. Bis 1962 enstanden Porträts von bekannten Persönlichkeiten wie Brigitte Bardot, Marilyn Monroe oder Liz Taylor. Dem folgten einige Jahre später Auftragsporträts von Sammlern, Galeristen und anderen Künstlern. Das vorliegende Gemälde wurde von dem Großunternehmer Hermann Lielje 1982 bei Andy Warhol in Auftrag gegeben. Mit einer Fotografie als Vorlage, meistens nahm Warhol Polaroids zur Hilfe, wurde dann die Porträtfotografie mit Acryl und Serigraphietinte in unterschiedlichen farbigen Varianten auf der Leinwand fixiert. Diese Technik Warhols betonte nur die markanten Linien des menschlichen Antlitzes, wobei die expressive Farbigkeit den Charakter des jeweiligen Dargestellten unterstützte. "Man gewinnt den Eindruck, als ob bei Warhol jeder Kopf nur für kurze Zeit auftreten könne. Er liefert Individuelles nur im Plural. Eigentlich liefert er Gruppenporträts, die er nachträglich in Stücke schneidet. Im Klonen, in der Darstellung von Auswechselbarkeit, liegt der Beitrag, den Warhol zu einer verschrienen Bildgattung geleistet hat." (Werner Spies)
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art moderne et Art Graphique
10117 Berlin - Allemagne
06/05/2011
Proposé par Jeschke van Vliet Auctions Berlin GmbH
+49 30 22 66 77 00