Lot 41
Wassily Kandinsky (1866 Moskau – 1944 Neuilly)
„Ohne Titel“. 1930
Aquarell und Tuschfeder auf festem Papier, vom Künstler auf leichten Karton montiert. 23,6 × 17,6 cm (27,8 × 21,4 cm) ( 9 ¼ × 6 ⅞ in. (11 × 8 ⅜ in.)). Unten links monogrammiert und datiert: K 30. Auf dem Karton unten rechts mit Bleistift gewidmet: Dem verehrten lieben Herrn Kirchhoff Herzliche Glückwünsche zu 1931 Kandinsky.
Barnett 1005.–
Leicht gebräunt. [3591]
Provenienz: Heinrich Kirchhoff, Wiesbaden (Geschenk des Künstlers) / Privatsammlung, Rheinland
In seinem Werk „Punkt und Linie zur Fläche“, das als Band 9 der Bauhaus-Bücher 1926 erschien, legte Kandinsky seine theoretischen Gedanken zu einer noch zu entwickelnden „Kunstwissenschaft“ dar. Ausgehend von älterer Kunsttheorie und modernen wahrnehmungspsychologischen Erkenntnissen, versuchte Kandinsky hier grundlegende geometrische Figuren auf ihre energetischen, beweglichen und rhythmischen Eigenschaften hin zu untersuchen. Hinzu kamen Fragestellungen zu Farbwirkungen, bei denen Kandinsky auch auf die Farbtheorie Goethes Bezug nahm. Um 1930 schuf Kandinsky am Dessauer Bauhaus Werke mit geometrischen, illusio- nistischen und organischen Motiven und Zeichen. Die Vielzahl der bildnerischen Themen ergab sich zweifellos aus der Lehrtätigkeit und dem Kontakt zu den anderen Bauhausmeistern, vor allem Paul Klee.
Bei unserem Aquarell entwickelt sich das Zusammenspiel von Form und Farbe auf besonders glückliche Weise. Die Komposition geht auf das wenige Wochen zuvor entstandene Ölbild „Weiße Schärfe“ (Museum Bojmans-van Beuningen, Rotterdam) zurück. Die Abweichungen in einigen Details und die vollkommen andere Farbigkeit verdeutlichen die Arbeitsweise und Ideen Kandinskys. Im Rotterdamer Gemälde ist das Dreieck mittig auf einem dunklen Fond platziert. Im Kontrast zu den beigeordneten kleinen Formen stellt sich die titel-gebende Schärfe ein. Ganz anders beim Aquarell: Das Dreieck in sattem Orange ist außermittig fixiert. Farb-wolken, von dunklem Grün zu Blau wechselnd, umfließen es. Die Schärfe weicht einem Schweben. Zwei Sicheln und zwei Balken korrespondieren über das Dreieck hinweg miteinander.
Blau und Gelb bilden in Goethes Farbtheorie, die Kandinsky zitiert, einen elementaren Gegensatz. Bei Verdichtung von Materie verschiebt sich die Polarität in Richtung Violett und Orange, wie auf unserem Bild. Rot bildet die Brücke zwischen beiden Farbpolen. Wie Blau über Violett zu Rot tendiert, tendiert Gelb über Orange ebenfalls zu Rot. Und so findet der Ausgleich der opponierenden Farben in jenem kleinen roten Balken unterhalb des Dreiecks statt. Es ist verblüffend, mit welcher Raffinesse Kandinsky seine Ideen von einem Bild in diesem Neujahrsgruß an den Wiesbadener Sammler und Mäzen Heinrich Kirchhoff formuliert. OH
Wassily Kandinsky (1866 Moscow – 1944 Neuilly)
„Ohne Titel“. 1930
Watercolour and pen and India ink on heavy paper, mounted on light cardboard by the artist. 23,6 × 17,6 cm (27,8 × 21,4 cm) ( 9 ¼ × 6 ⅞ in. (11 × 8 ⅜ in.)). Monogrammed and dated lower left: K 30. On the cardboard lower right dedicated in pencil: Dem verehrten lieben Herrn Kirchhoff Herzliche Glückwünsche zu 1931 Kandinsky.
Barnett 1005.–
Minor time staining. [3591]
Provenienz: Heinrich Kirchhoff, Wiesbaden (gift of the artist) / private collection, Rhineland
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
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