Lot 452
Werner & Mieth, Berlin (Seit 1792 tätig – 1819)
Achtflammige Reifenkrone mit Flußglasschale. Kurz vor 1800
Bronze und Messing, vergoldet; Glasbehand, Flußglas. 130 cm; Ø 85 cm ( 51 ⅛ in.; Ø 33 ½ in.).
Wird in das Werkverzeichnis der Arbeiten der Manufaktur Werner & Mieth von Birgit Kropmanns aufgenommen.–
[3618]
Provenienz: 1990er Privatsammlung, Schweden / Kunsthandlung Frank C. Möller, Hamburg / Privatsammlung, Rheinland
Im Juli 1786 bemerkt das Journal des Luxus und der Moden: „Ein gut meublirtes Gesellschaftszimmer muss auch anst.ndig und geschmackvoll erleuchtet seyn. Lichter auf den Konsolen und Tischen sind dazu nicht hinreichend. […]. Man liebt mehr eine Beleuchtung von oben herab, welche, wie man nicht ohne Grund sagt, verschönern soll.“ Leuchter aus der bekannten Berliner Bronzefabrik von Christian Gottlieb Werner und Gottfried Mieth verschönern einen Raum nicht nur, sie setzen einem Raumkonzept buchstäblich die Krone auf. Ein stets ambitionierter Entwurf, handwerkliche Meisterschaft und die Liebe zum Detail synthetisieren und b eschreiben gleichzeitig das Werkstattprofil dieses Berliner Unternehmens. Entgegen den meisten Modellen von Werner und Mieth, die uns mehrfach in variierter Form bekannt sind, ist jenes bislang einzigartig. Im Detail überzeugt der Formenkanon bekannter Wernerscher Dekorationsprinzipien. Stilistisch steht unsere Krone den Leuchtern in den Winterkammern K.nig Friedrich Wilhelms II. im Schloß Charlottenburg von 1797 sehr nahe und ist daher zeitnah zu datieren. Der Cul-de-lampe besteht aus zwei filigran durchbrochenen Bronzereifen. Am oberen Reifen alternieren geschwungene Kerzen- und Zierarme. Auf die Zierarme konnten nach Bedarf ebenfalls Tüllen montiert werden, um die Kerzenzahl zu verdoppeln. Von besonderem Reiz ist die im Original erhaltene Flu.glasschale mit blütenartigem Abschlu.knauf, die den Bas-de-lustre bildet. Vermutlich wurde darin zu besonderen Anl.ssen eine Kerze entzündet, die die Flu.glasschale zum Erstrahlen bringt. Der zart lila Schimmer des wunderbar erhaltenen Glasbehangs verr.t seine Herkunft aus einer schlesischen Glashütte. Obwohl des schlesische Behangglas bald aus der Mode kam und dem B.hmischen wich, verspricht gerade diese Farbreflexion einen ganz besonderen Lichtzauber. Unser Leuchter repräsentiert ein frühes und einzigartiges Werk aus der Designgeschichte der Berliner Bronzeure und ist parallel ein hervorragendes Zeugnis für die Qualität des Preu.ischen Kunsthandwerks um 1800.
Birgit Kropmanns, Falkensee – Autorin des Werkverzeichnisses
Exkurs zum Flußglas:
Im Landsitz von Josephine Bonaparte, Malmaison, in der Residenz der russischen Zaren, Schloß Pavlovsk, und vor allem am preußischen Hof finden sich bis heute jene
formschönen Gebilde aus mattweißem Glas mit feinen Montierungen aus vergoldeter Bronze, wie sie der Kronleuchter als Abschluß trägt. Dieses Flußglas wird in den Inventaren der Schl.sser oft f.lschlich als „Porzellan“ oder „Alabaster“ bezeichnet, was die Einzigartigkeit jenes Produkts mit der sonderbaren Materialit.t belegt. Flu.glas führte die Menschen in die Irre, versetzte sie in Staunen. Mit den filigranen Erzeugnisse der Berliner Bronzefabrikanten Werner & Mieth eroberte es innerhalb von nur knapp 20 Jahren die wichtigsten Kulturzentren Europas. Das Flu.glas verdankt seinen Namen wohl der Beimischung von Flußspat (Calciumfluorid), das dem Glas eine milchig trübe fluoreszierende Eigenschaft verleiht. Nach antikisierenden Entwürfen der führenden Berliner Künstler dürften die Glaskörper in Zusammenarbeit mit der in Böhmen gelegenen Harrachschen Glashütte entstanden sein. Innen glatt, wurde das Glas an der Au.enseite aufwändig matt geschliffen, sodaß sich das Licht darin subtil brach und im Kontrast zu den kunstvollen Goldbronzen bis dahin nur selten gesehene Eleganz erlangte. Vasen, Leuchter, ganze Tafelaufsätze wurden in dieser Materialkombination durch die Berliner Werner & Mieth hergestellt. Schon bei Tag mit großer Freude anzusehen, entfaltete das Flußglas als Lichtampeln oder – besonders selten – als Deckenleuchter in der Nacht eine besondere Wirkung. Die darin befindliche Lichtquelle ließ den matten Glaskörper in einem diffusen Mondlicht erstrahlen. Die Flamme der Kerze unsichtbar, entstand der Eindruck eines mystisch aus sich selbst herausleuchtenden magischen Körpers. Gegen 1812 beendete aus bisher unbekannten Gründen die Berliner Firma Werner & Mieth die Herstellung dieser zarten Glasgebilde. Knapp 200 Jahre später waren diese Erzeugnisse vergessen und mußten durch verbissene Forschung neu entdeckt werden. Heute wissen wir zwar mehr, doch ist der Bestand der fragilen Flußglaskunstwerke stark reduziert. Nur wenige Museen und private Sammlungen auf der Welt dürfen diese raren Arbeiten ihr Eigen nennen. PG
Wir danken Frank C. Möller, Hamburg, für freundliche Hinweise zur Geschichte des Flußglases, das er wiederentdeckte.
Werner & Mieth, Berlin (Active since 1792 – 1819)
Eight-armed chandelier with "Flussglas" milk glass bowl. Shortly before 1800
Bronze and brass, gilt; glass, "Flussglas" milk glass. 130 cm; Ø 85 cm ( 51 ⅛ in.; Ø 33 ½ in.).
Will be included in the catalogue raisonné of the works of the manufactory Werner & Mieth by Birgit Kropmanns.–
[3618]
Provenienz: 1990s private collection, Sweden / art dealership Frank C. Möller, Hamburg / private collection, Rhineland
We would like to thank Frank C. Möller, Hamburg, for kindly providing additional information regarding the history of "Flußglas", which he has rediscovered
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À propos de la vente
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