Lot 119
Wilhelm Brücke (Stralsund 1800 – 1874 Berlin) Ansicht von Rom im Abendlicht. 1834 Öl auf Leinwand. 52,5 × 72 cm ( 20 ⅝ × 28 ⅜ in.). Auf dem Keilrahmen ein alter, mit Feder in Braun beschrifteter Aufkleber: W Brücke 1834 No 57 Rom dort auch zwei Wachssiegel. Kleine Retuschen. [3149] Ausstellung: XXIX.. Kunstausstellung. Berlin, Königliche Akademie der Künste, 1836, Kat.-Nr. 1363 („Ansicht eines Theiles von Rom, aus dem Garten des Pallastes Caffarelli gesehen“) (?) 1834, im Jahr seines Abschiedes aus der Ewigen Stadt, malte der Berliner Johann Wilhelm Brücke diese wunderbare Ansicht Roms. Hier hatte der aus Stralsund Stammende fünf Jahre mit einem Stipendium der Berliner Akademie verbracht und sich wesentliche Anregungen für seine spätere Karriere im Berlin des Vormärz geholt – neben Johann Erdman Hummel und Eduard Gaertner ist Brücke der bedeutendste Berliner Architekturmaler des 19. Jahrhunderts gewesen. Gegeben ist der Blick von einem Standpunkt im Südosten, wie ihn Brücke etwa vom Palatin oder Caelius, zwei der sieben Hügel Roms, erleben konnte. Weit schweift das Auge über Ackerflächen und vereinzelte Gehöfte im Vorder- und Mittelgrund, geht vorbei an den monumentalen Ruinen des kaiserlichen Palatins rechts und an der Basilika San Pancrazio links und trifft in der Bildmitte auf die alles beherrschende Kuppel von St. Peter jenseits des Tibers. Wie so viele Künstler seit der Renaissance, so fing auch der als Landschafts- und Stadtmaler tätige Brücke die geografischen Reize der Tiberstadt von einem der zahlreichen Höhenzüge aus ein, welche sich überall im locker besiedelten Stadtgebiet befanden. Die Geschichte der Stadt zwischen Antike und Gegenwart, Kaiserzeit und Renaissance ließ sich so inhaltlich und kompositorisch überzeugend mit einer romantischen Sicht auf Rom und seiner Topografie verbinden. Effektvoll, menschenleer und mit deutlichen Anleihen bei Caspar David Friedrich setzte Brücke jene Monumente, die spätestens seit Goethes Italienreise (1786-88) zu den Sehnsuchtsorten der italienbegeisterten Deutschen avanciert waren, in ein weiches Abendlicht im Dreiklang von Rot, Blau und Gelb. Zu dieser romantisierend-ideellen Komponente gesellt sich in diesem Werk Brückes ein realistischer Anspruch in der Durchbildung der Gegenstände, etwa des Weges und des Wiesenstücks im Vordergrund. Man ist geneigt, Goethes Beschreibung seiner eigenen ästhetischen Vervollkommnung in der Ewigen Stadt, die er begeistert wahrgenommen hatte, auch als Motto über unsere herrliche Vedute von Brücke zu stellen: „In Rom hab‘ ich mich selbst zuerst gefunden, ich bin zuerst übereinstimmend mit mir selbst glücklich und vernünftig geworden.“ Brücke war es jedoch vergönnt – im Unterschied zum Weimarer Dichterfürsten – auch nach seiner Rückübersiedlung noch einmal von 1839 bis 1840 nach Rom zurückkehren zu dürfen. Aus Brückes italienischer Schulung und seinem sicheren Gefühl für die Darstellung der Landschaft erklärt sich wohl auch sein großer Erfolg, den er in Preußen unter König Friedrich Wilhelm III. mit seinen in römisches Licht getauchten Berliner Veduten genießen konnte. Oliver Sukrow Wir danken Gerd Bartoschek, Potsdam, für den freundlichen Ausstellungshinweis. Wilhelm Brücke (Stralsund 1800 – 1874 Berlin) View of Rome in the Evening Light. 1834 Oil on canvas. 52,5 × 72 cm ( 20 ⅝ × 28 ⅜ in.). On the stretcher an old label, inscribed in pen in brown: W Brücke 1834 No 57 Rom there too with two wax signets. Minor retouchings. [3149] Ausstellung: XXIX.. Kunstausstellung. Berlin, Königliche Akademie der Künste, 1836, cat. no. 1363 („Ansicht eines Theiles von Rom, aus dem Garten des Pallastes Caffarelli gesehen“) (?) We would like to thank Gerd Bartoschek, Potsdam, for kindly providing exhibition information.
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Dessins, aquarelles et pastels
À propos de la vente
Catalogue
Art du 19e siècle
10719 Berlin - Allemagne
01/06/2016
Proposé par Grisebach
0049 30 885 915 0