Lot 15
Wilhelm Lehmbruck (1881 Duisburg – 1919 Berlin)
„Kopf der Schreitenden (Mädchenkopf sich wendend)“. 1913/14
Terracotta. Höhe: 50,3 cm ( 19 ¾ in.).
Schubert 76/77 I 4. Mit einer zusätzlichen gutachterlichen Bestätigung von Prof. Dr. Dietrich Schubert, Heidelberg, vom 15. Oktober 2015.–
Kleine Retuschen. [3276]
Provenienz: Willy Verkauf, Israel / Dr. Othmar Huber, Glarus (erworben 1958 bei Klipstein & Kornfeld) / Marlborough Fine Art, London (1970/71) / Firmensammlung, Deutschland (seit spätestens 1980)
Literatur und Abbildung: Auktion 90: Moderne Kunst des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Bern, Klipstein & Kornfeld, vorm. Gutekunst & Klipstein, 16./17.5.1958, Kat.-Nr. 589, ganzseitige Abb. Tf. 41 / Sammlung Dr. Othmar Huber. Bern, Kunstmuseum, 1967, Kat.-Nr. 35 („Mädchenkopf“) / Masters of the 20th Century. New York, Marlborough Gallery Inc., 1971, S. 60, Kat.-Nr. 29 („Mädchenkopf“), ganzs. Farbabb. S. 61
Der bedeutende Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe, der Wilhelm Lehmbruck 1911 in dessen Pariser Atelier besuchte, schrieb nach dem Besuch: Lehmbrucks Arbeiten seien „stumm für uns Unruhige, die der Antike entrückt sind und einer Gebärde bedürfen, wäre es auch nur, um auf einem endlosen Weg verharren zu können“ (zit. nach: Harald Olbrich (Hg.): Geschichte der deutschen Kunst 1890-1918, E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1988, S. 268).
Diese Worte sind in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Aus ihnen sprechen die wachsenden Unsicherheiten der Vorkriegsjahre. Immer neue Avantgarden suchten nach neuen Mitteln und Wegen in der Kunst. In Paris feierte Archipenko mit seinen kubistischen Plastiken Erfolge, und Brancusi folgte dem Weg in die Abstraktion. Der Dichter Apollinaire befand nach Lehmbrucks erster Einzelausstellung 1914, der Bildhauer habe ein „altertüm-liches Talent“. In der Tat hielt Lehmbruck am antikisch geprägten Menschenbild fest. Aber in den gelängten Proportionen, den mitunter wie zusammengesteckt wirkenden Körperteilen zeigt sich der Einfluß des Kubismus. Doch das entscheidende Merkmal von Lehmbrucks Kunst, das „Stumme“, von dem Meier-Graefe spricht, ist nicht nur der Verzicht auf jede große Geste. Fast paradox erscheint, wie die in den Raum greifenden Plastiken gleichzeitig ganz Kontemplation und Innerlichkeit sind. Joseph Beuys hat in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Lehmbruck-Preises der Stadt Duisburg von der Intuition gesprochen, die neben der visuellen Erfahrung steht: Bei Lehmbruck werde auch „das Hörende, das Sinnende, das Wollende“ angesprochen. „Das heißt, es sind Kategorien in seiner Skulptur vorhanden, die niemals vorher vorhanden waren.“ (Joseph Beuys: Dank an Wilhelm Lehmbruck, in: Ausst.-Kat. Wilhelm Lehmbruck, Galerie Michael Werner, Köln 1993).
Dem „Kopf der Schreitenden“ ist mit der Drehbewegung ein deutlicher Bewegungsimpuls eingeschrieben. Doch in den zarten, in manchen Details nur angedeuteten Gesichtszügen liegt jene Versenkung ins Innere, die den Reiz und die Schönheit des Werkes ausmacht. OH
Prof. Dr. Dietrich Schubert hält es in seinem o.g. Gutachten für möglich, daß „das Exemplar aus Lehmbrucks Atelier stammen (Nachlass)“ könnte. Dies würde bedeuten, dass es sich um ein Exemplar handelt, das zu Lebzeiten des Künstlers entstanden ist.
Wilhelm Lehmbruck (1881 Duisburg – 1919 Berlin)
„Kopf der Schreitenden (Mädchenkopf sich wendend)“. 1913/14
Terracotta. Height: 50,3 cm ( 19 ¾ in.).
Schubert 76/77 I 4. With an additional confirmatory certificate by Prof. Dr. Dietrich Schubert, Heidelberg, dated 15 October 2015.–
Minor retouchings. [3276]
Provenienz: Willy Verkauf, Israel / Dr. Othmar Huber, Glarus (acquired 1958 at Klipstein & Kornfeld) / Marlborough Fine Art, London (1970/71) / corporate collection, Germany (since 1980 at the latest)
Literatur und Abbildung: Auktion 90: Moderne Kunst des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Bern, Klipstein & Kornfeld, vorm. Gutekunst & Klipstein, 16./17.5.1958, cat. no. 589, full-page ill. pl. 41 / Sammlung Dr. Othmar Huber. Bern, Kunstmuseum, 1967, cat. no. 35 ("Mädchenkopf“) / Masters of the 20th Century. New York, Marlborough Gallery Inc., 1971, p. 60, cat. no. 29 ("Mädchenkopf“), full-page colour ill. p. 61
In his above-metioned expertise, Prof. Dr. Dietrich Schubert considers it possible that this example came from the studio (estate) of the artist. This would mean that the present work is an example created during the lifetime of the artist
Crédits photos : Contacter la maison de vente
Sculptures et bronzes
À propos de la vente